Wiesbaden

Wiesbaden: Citybahn besser als Schnellbussystem

  • schließen

Zwischenergebnis des Mobilitätsleitbilds überzeugt die Gegner nicht mit dem Schienenprojekt.

Ob unabhängige Studien die Citybahn als Rückgrat eines modernen öffentlichen Nahverkehrs betrachten, ist eine Frage, deren Beantwortung mit Spannung erwartet wird. In Wiesbaden hat sie grundsätzlichen Charakter. Das Projekt hat Gegner.

Nun liegt die Antwort vor: Ein schienengebundenes System rangiert in der Bewertungsskala der Experten mit 1,251 Punkten weit vor einem Schnellbussystem auf eigenem Fahrweg, das nur 0,659 Punkte erhielt. Dies trugen Michael Walter, Geschäftsführer der Unternehmensberatung „Benz+ Walter“, und Martina Dörnemann vom Büro „Digital mobilities consultants“ (DMO) als Zwischenergebnis für das Mobilitätsleitbild im Verkehrsausschuss vor. Hauptargumente sind, dass ein Schienensystem die wachsende Zahl an Fahrgästen besser aufnehmen könne, es besser im Stadtbild integrierbar sei und von Nutzern gut angenommen werde.

Das Mobilitätsleitbild wird unter Beteiligung von 60 Interessengruppen aus Wirtschaft, Vereinen und weiteren Organisationen erstellt. Ein dreiköpfiger wissenschaftlicher Beirat moderiert den Prozess. Wissenschaftler und Fachleute schreiben Gutachten und Bewertungen, die im Netz einsehbar sind. Sieben Workshops und Symposien fanden bereits statt. „Benz+Walter“ und DMO hatten den Auftrag, die Verkehrsträger für einen leistungsfähigen öffentlichen Nahverkehr miteinander zu vergleichen.

Die Hoffnung, das Mobilitätsleitbild könne Gegner und Befürworter einer Citybahn versöhnen, muss ad acta gelegt werden. Denn die Gegner – im Parlament ist dies die FDP – möchten das Ergebnis nicht akzeptieren. Nachdem eine Straßenbahn als tauglichstes Verkehrssystem für ein Rückgrat des ÖPNV feststand, zweifelte Lucas Schwalbach (FDP) die wissenschaftliche Methode der Experten an. Im gesamten Prozess seien die „intendierten Ergebnisse spürbar“ gewesen, sie seien also nicht objektiv, kritisierte er.

Ein Vorwurf, den die Auftraggeber nicht so stehen ließen. Was die Büros auf die Beine gestellt hätten, sei bemerkenswert, lobte Jörg Gerhard, Geschäftsführer der Verkehrsgesellschaft Eswe. „Jeder, der Fragen oder Kritik in den Prozess hätte einbringen wollen, hatte Gelegenheit dazu“, entgegnete Verkehrsdezernent Andreas Kowol (Grüne). Während das Verkehrsdezernat, die Mehrheit der Stadtverordneten, eine Bürgerinitiative, die Stadt Mainz und der Rheingau-Taunus-Kreis sowie Umwelt- und Verkehrsexperten eine Straßenbahn favorisieren, sind die FDP und zwei Bürgerinitiativen (BI) seit Beginn des Prozesses dagegen.

Beide gegnerischen BI sind inzwischen aus dem Leitbildprozess ausgestiegen. Es sei „weder in der Sache ergebnisoffen … noch von unabhängigen Beratern begleitet“, teilt die BI „Mitbestimmung“ mit. Sie werde nun die Begründung für die Klage gegen den Stadtverordnetenbeschluss gegen das Bürgerbegehren in der Sache einreichen. Für die BI „Busse statt Citybahn“ ist der Mobilitätsleitbildprozess „eine nichtssagende Farce“, der es an Transparenz mangele. Beide BI hatten Unterschriften für ein Bürgerbegehren gegen die Bahn gesammelt, das von der Stadt als rechtlich unzulässig abgelehnt worden war. Stattdessen versprach das Parlament, bis zum Sommer 2020 die Bürger in einem Vertreterbegehren abstimmen zu lassen.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare