+
Lilly (6) präsentiert ihre Kreation aus dem „Kunst-Koffer“, der mobilen Jugendkunstschule.

Wiesbaden

Wiesbadener Westend: Weltoffener Kiez

  • schließen

Die Kulturtage unter dem Motto „1001 Lieblingsplätze“ bringen Menschen an vielen Orten im Wiesbadener Westend zusammen.

Das „Herz des Westends“, so nennt es Adriana Shaw, pulsiert in der Wellritzstraße und von dort aus in alle Richtungen des inneren „Kiezes“ zwischen Schwalbacher Straße und Bismarckring. Es pulsiert noch mehr, seit im April zumindest ein Teilstück zur Fußgängerzone wurde, die den Menschen noch mehr Raum lässt auf der Straße in ihrem Kiez, wie es hier alle nennen. Jetzt, im warmen Sommer, wo es sie nach draußen zieht, an die Caféhaus-Tische im Freien, auf die Plätze oder einfach nur auf irgendeine Bank am Straßenrand.

„1001 Lieblingsplätze“ haben Adriana Shaw und die anderen Organisatoren vom Verein für Kultur, Bildung und Sozialmanagement (Kubis) im Westend als Motto für die „Kulturtage“ gewählt, die den Kiez noch bis zum 11. August positiv aufmischen sollen. Mit mehr als zwei Dutzend Veranstaltungen an bisher vielleicht noch unbekannten Orten, in Ateliers und an anderen Treffpunkten. Um die Menschen, die hier zu über 60 Prozent aus Ländern weit entfernt von der hessischen Landeshauptstadt stammen, auch im öffentlichen Raum zusammenzubringen. „Das Westend ist ein Großstadt-Kiez mit allem, was dazu gehört“, sagt Ortsvorsteher Volker Wild bei der Eröffnung.

Der hier wohnende Schauspieler und Regisseur Mario Krichbaum spricht vom „kulturellen Schmelztiegel vieler Nationen“. Vor allem mit viel Kultur, die oft nur im Verborgenen blühe, soll das „entspannte Lebensgefühl“ (Wild) noch mehr gestärkt werden.

Am Samstagmittag bringt die Gruppe „Saza Dil“ mit Folklore aus kurdischen, persischen und türkischen Regionen die Wellritzstraße zum Klingen, später ist es lateinamerikanische Musik, am frühen Abend offenbaren Flamenco-Tänzer Selbstbewusstsein, Lebensfreude, Eleganz und Kraft.

Auf der Straße neben der Bühne ist der „Kunst-Koffer“ geöffnet, Hessens einzige komplett mobile Jugendkunstschule bietet Kindern freie kreative Entfaltung ohne Vorgaben, ohne Anmeldung, ohne Gebühren und „offen für alle“. Alle sollen sich präsentieren können, das gilt für die gesamten Kulturtage. Der Inhaber des Waschsalons an der Ecke hat Strom zur Verfügung gestellt, damit sich die Musik-Kultur bisweilen auch laut präsentieren kann.

Das Motto „1001 Lieblingsplätze“ bekommt Kontur durch die Wahl eines Lieblingsplatzes im Kiez, an der sich alle beteiligen können. Schnell steht der Sedanplatz hoch im Kurs, das Verbindungsglied zum äußeren Westend am Bismarckring. Und natürlich die Wellritzstraße mit der neuen Fußgängerzone. Mehr davon, das hören die leger uniformierten Herren Tischler und Dos Santos von der kommunalen Verkehrspolizei hier am Wochenende immer wieder. Am Samstag hat es die Verkehrspolizei auf einem erweiterten Abschnitt möglich gemacht, das Gesamtkonzept ist bisher noch auf Probe. Es kommt gut an im Herz des Westends, zwischen dem Café Capone und dem Kandahar-Market mit afghanischen, indischen, pakistanischen und iranischen Waren, zwischen türkischem Reisebüro und Laden für bulgarische Lebensmittel, zwischen einem guten halben Dutzend Friseursalons für Männer und einer Kneipe, die noch unter dem Namen „Zum Bierhahn“ geführt wird.

„1001 Lieblingsplätze“ bietet die ganze Woche über noch zahlreiche Veranstaltungen. Mit Improvisationstheater bei Kubis in der Wellritzstraße und einer Theaterperformance in der Wiesbadener Schule für Schauspiel (Wellritzstraße 38) enden die Kulturtage am Sonntag ab 15 Uhr.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare