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Die Horst-Schmidt-Kliniken in Wiesbaden (HSK) bereiten sich darauf vor, eine größere Zahl von Covid-19-Patienten zu behandeln.

Wiesbaden

Wegen Corona-Virus: Zahl der Beatmungsplätze in Wiesbaden fast verdoppelt

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Die Vorbereitungen für die Behandlung der Covid-19-Patienten in Wiesbaden laufen. Die Reha-Kliniken stellen 500 Betten bereit.

Verschiebbare Operationen und Behandlungen wurden abgesagt und die Abteilungen stattdessen mit Aufgaben betraut, um die bevorstehende Welle an Corona-Fällen zu versorgen. Die Horst-Schmidt-Kliniken in Wiesbaden (HSK) bereiten sich darauf vor, eine größere Zahl von Covid-19-Patienten zu behandeln. Die Kapazitäten an Beatmungsplätzen baut die Klinik von 24 auf 69 aus, teilte HSK-Sprecherin Simone Koch auf Anfrage mit. Die Zahl der Überwachungsbetten steige ebenfalls; die zehn Intensivbetten mit Beatmungsmöglichkeit der zum Helios-Konzern gehörenden Deutschen Klinik für Diagnostik (DKD) würden auf 22 aufgestockt. Auch für infizierte Kinder würden auf einer separaten Infektionsstation Plätze vorgehalten.

Insgesamt wird es in der Landeshauptstadt 191 Beatmungsplätze geben und damit fast doppelt so viele wie vor der Corona-Krise. Auch die anderen Akutkliniken haben sich verpflichtet, ihre Kapazitäten innerhalb der nächsten zehn Tage stufenweise zu erhöhen. Dies bestätigte das Büro des Bürgermeisters Oliver Franz (CDU) auf Anfrage. Demnach sollen Anästhesisten aus den Krankenhäusern lernen, die Geräte zu bedienen.

Wiesbaden könnte in der Pandemie eine besondere Rolle einnehmen. In der Stadt gibt es nicht nur vier Akutkrankenhäuser, sondern auch 15 Fach- und Privatkliniken, darunter Reha-Kliniken, Fachkliniken für Spezialbehandlungen und Schönheitskliniken. Die Häuser sollen schwerpunktmäßig auch die Patienten aus dem Rheingau-Taunus-Kreis behandeln. Das Rüdesheimer Krankenhaus, das zum St. Josefshospital gehört, erhält fünf Beatmungsplätze.

Kurzfristig 500 Betten für die Nachbetreuung

Die Reha-Kliniken der Median-Gruppe haben sich schon bereit erklärt, kurzfristig 500 Betten für die Nachbetreuung bereitzustellen. „Wir gehören dem Krisenteam an, das wöchentlich im Rathaus zusammentrifft, um die Behandlungskapazitäten zu erfassen“, erläuterte Bettina Glorius, kaufmännische Leiterin der beiden Median-Kliniken auf Anfrage. Sie stünden bereit, um ihren Beitrag zur Bewältigung der Pandemie zu leisten. Insbesondere im Bereich der Orthopädie seien bereits Eingriffe verschoben worden. Allerdings stellt Glorius eine Bedingung: „Grundvoraussetzung wäre eine deutliche Aufstockung des Pflegepersonals sowie eine Übernahme der uns entstehenden Kosten.“ Aufgenommen werden könnten nicht nur Nicht-Corona-Infizierte, um die Akutkliniken zu entlasten, sondern auch Covid-19-Patienten nach überstandener Erkrankung. Psychosomatik-Patienten müssten ihre Behandlung aber fortsetzen können.

Welche Klinik welche Aufgaben erhält und wie viel Kapazitäten bereitstellen kann, sollen die HSK erfassen. Das Helios-Klinikum soll, wie aus informierten Kreisen zu erfahren war, eine der sechs vom Land Hessen beauftragten Koordinierungsstellen werden und außer für Wiesbaden auch für den Rheingau-Taunus-Kreis und Limburg zuständig sein. Zurzeit sondieren die zuständigen Stellen, wer außerdem helfen kann, die erwartete Welle von Covid-19-Erkrankten zu versorgen.

Gestern Abend wurden laut Gesundheitsamtsleiterin Kaschlin Butt Gespräche mit der Bezirksärztekammer geführt, um auch niedergelassene Ärzte und medizinisches Fachpersonal für die Arbeit in den Krankenhäusern zu gewinnen. Ob weitere Privatkliniken in die Notfallversorgung eingebunden werden, soll sich im Laufe der Woche klären. Das Sozial- und Gesundheitsministerium habe sie aufgefordert, ihre Möglichkeiten kundzutun, berichtete Butt. Sie hält es auch für möglich, niedergelassene Ärzte oder andere Kliniken zu verpflichten.

Bei den HSK kommt derzeit eine Welle der Hilfsbereitschaft an. „Die in der Verwaltung arbeitenden Mitarbeiter mit medizinischer Vorbildung melden sich für Auffrischungskurse, ehemalige Mitarbeiter kontaktieren uns und wollen bei Bedarf wieder an Bord kommen“, sagt Simone Koch. „Das spornt uns an.“ Sie versichert, dass alle anderen Notfälle und onkologischen Patienten weiterhin versorgt würden.

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