Wiesbaden

Wahlkampfbesuch aus Berlin für SPD und Grüne in Wiesbaden

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An diesem Wochenende werden die Wahlplakate in Wiesbaden gestellt.

Heute geht es wieder los. Politiker werden den Bürgern an Straßenecken und entlang der Baumalleen entgegenlächeln. In Wiesbaden beginnt an diesem Wochenende der Wahlkampf für die Oberbürgermeister- und die Europawahl am 26. Mai. Anders als in anderen Städten wird in der Landeshauptstadt streng darauf geachtet, dass die Wahlplakate erst sechs Wochen vor der Wahl aufgestellt werden.

Für die Oberbürgermeisterwahl bewerben sich sechs Kandidaten und eine Kandidatin. Aber von einem wird es keine Plakate geben. Christian Bachmann, 44, Kandidat der Freien Wähler, möchte sich „an der Materialschlacht“, wie er es nennt, nicht beteiligen. Sein Wahlkampf wird wohl der mit der geringsten Außenwirkung sein. Die Freien Wähler haben in Wiesbaden nur 15 Mitglieder. Viel Unterstützung kann Bachmann nicht erwarten, sagt er. Zudem muss der Vater dreier Kinder den Wahlkampf fast nur aus eigener Tasche zahlen. Samstags und sonntags werde er sich vor einen Bäcker in den östlichen Vororten stellen und den Kunden Marmeladengläschen mitgeben, sagte er auf Anfrage.

Die meisten Parteien planen den Wahlkampf minutiös mit professionellen Fotos, Auftritten mit Polit-Stars und möglichst viel Kontakt des Kandidaten zu den Menschen. Botschaften auf Facebook, Instagram und Twitter nehmen großen Raum ein.

Nicht immer geht alles glatt. Die SPD hat die Vorbereitungen für ihre Kampagne wegen des unvorhergesehenen Kandidatenwechsels Ende Januar in die Tonne treten müssen. Amtsinhaber Sven Gerich (SPD) hatte überraschend wegen der Bestechungsvorwürfe gegen ihn die erneute Kandidatur abgesagt. Die Planung konnte erst fortgesetzt werden, als der Bewerber Gert-Uwe Mende, 56, feststand. Parteivorsitzender Dennis Volk-Borowski spricht von einer Solidaritätswelle wegen dieser besonderen Situation. Genossen aus anderen Städten wollten die Wiesbadener unterstützen. Zudem hätten sich 40 neue und längere Mitglieder bereit erklärt, bei Hausbesuchen und Wahlwerbeständen zu helfen. Thematisch hat sich die Partei festgelegt; von Bestechung und Vetternwirtschaft möchten sich die Sozialdemokraten distanzieren. „Die Person Mende steht im Vordergrund. Wir möchten einen moralischen Kompass geben, es geht um Haltung und Vertrauen“, sagt Volk-Borowski. Unterstützt wird Gert-Uwe Mende von Bundesarbeitsminister Hubertus Heil und der Bundesparteivorsitzenden Malu Dreyer, die in Wiesbaden auftreten sollen. Der frühere Kanzlerkandidat Martin Schulz wird am 23. April im Dotzheimer Haus der Vereine zur Europapolitik sprechen.

CDU-Kandidat Eberhard Seidensticker, 52, setzt ebenfalls auf Haustürwahlkampf, wobei er von den Mitgliedern der CDU-Verbände unterstützt wird. Mehrere prominente CDU-Politiker waren in die Wiesbadener Skandale der letzten Monate verwickelt. Laut seinem Wahlkampfberater Jörg Martini soll der Dachdeckermeister dagegen als „anständiger Handwerker und patenter Mensch“ bei den Bürgern punkten. Die CDU-Bundesparteivorsitzende Annegret Kramp-Karrenbauer wirbt in einer Videobotschaft auf der Homepage Seidenstickers für ihn. Mit Ministerpräsident Volker Bouffier ist ein Besuch auf dem Wiesbadener Wochenmarkt angekündigt. Es soll auch eine Veranstaltung der Jungen Union mit dem Bundestagsabgeordneten Philipp Amthor geben.

Die Bündnisgrünen rechnen sich dieses Mal große Chancen auf den Sieg aus. Bei der Landtagswahl 2018 lagen sie im Wahlkreis 30 erstmals vor der SPD. Die Kampagne haben sie daher professionalisiert. Zum ersten Mal übernimmt eine Agentur das Bespielen der sozialen Medien. Die Plakate, die ihre Kandidatin Christiane Hinninger, 58, zeigen, werden nach drei Wochen gegen andere Motive mit ihr ausgetauscht. Rückenwind erhält sie durch Auftritte bekannter Parteifreunde. Die hessischen Grünen-Minister Tarek Al-Wazir und Priska Hinz sowie der Darmstädter OB Jochen Partsch und die Grünen-Bundesvorsitzende Annalena Baerbock werden nach Wiesbaden kommen. Im Mai starten die Grünen ihren Haustürwahlkampf.

Der FDP-Kandidat Sebastian Rutten, 42, möchte sich mit Bürgergesprächen in den Vororten und Podiumsdiskussionen bekannt machen. Auf Veranstaltungen zur Citybahn, die die FDP ablehnt, möchte er sich zeigen. Die Linken kündigen witzige Plakatmotive mit ihrem Kandidaten Ingo von Seemen, 32, an. Landtagsabgeordnete Janine Wissler wird ihn unterstützen. Der AfD-Bewerber Eckhard Müller, 72, kann nach eigenen Worten nicht auf Besuche von Parteigrößen hoffen.

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