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In der Stichwahl treten Seidensticker (li.) und Mende (re.) an, Hinninger ist ausgeschieden.

Wiesbaden

Ergebnisse der OB-Wahl und der Europawahl in Wiesbaden sind sehr unterschiedlich

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Die Ergebnisse der Oberbürgermeisterwahl weichen besonders bei der SPD stark von denen der EU-Wahl ab.

Die Wiesbadener Wähler haben genau unterschieden, ob sie ihr Kreuz bei der Oberbürgermeisterwahl oder der Europawahl setzen. Da wurde nicht nur einfach die gleiche Partei gewählt; mit etwa neun Prozentpunkten ist die Differenz zwischen dem Ergebnis der SPD für die Europäische Union, das mit 18,2 Prozent leicht über dem Bundesdurchschnitt liegt, und dem für den OB-Kandidaten Gert-Uwe Mende, der mit 27,1 Prozent die meisten Wählerstimmen auf sich vereinen konnte, besonders groß.

Dies ist umso erstaunlicher, als Mende noch vor einem Vierteljahr ein unbeschriebenes Blatt war. Der Geschäftsführer der SPD im Landtag hatte sich zur Kandidatur für das Amt des Stadtoberhauptes bereit erklärt, nachdem der SPD nach dem Rückzug von Amtsinhaber Sven Gerich wegen staatsanwaltlicher Ermittlungen ihr Kandidat abhanden gekommen war. Die Wähler haben offenbar den neuen SPD-Bewerber nicht für die Skandale um Gerich abgestraft. „Ich habe viele Gespräche geführt. Ich versuche, den Leuten zuzuhören, und nicht, ihnen die Welt zu erklären“, sagt Mende. Mit Hausbesuchen werde er auch in den drei Wochen bis zur Stichwahl am 16. Juni, bei der er gegen den CDU-Herausforderer Eberhard Seidensticker antritt, Gesprächsanlässe schaffen. Da es sich um eine Personenwahl handele, müsse die Person und weniger seine Parteizugehörigkeit punkten, sagt er.

Bei der Grünen-Kandidatin Christiane Hinninger verhält sich der Trend abgeschwächt andersherum. Das EU-Ergebnis fällt für die Grünen um zwei Prozentpunkte besser aus als das der OB-Kandidatin. Sie konnte nicht alle Grünenwähler für sich begeistern. Ob dies auf Hinningers entschiedene Haltung für den Bau der umstrittenen Citybahn zurückzuführen ist, wie manche Citybahngegner behaupten, bleibt offen. Ob die Grünen eine Wahlempfehlung für einen der beiden Kandidaten in der Stichwahl aussprechen, möchten sie Anfang Juni entscheiden.

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Die konservativen Wähler machen unterschiedslos bei der CDU ihr Kreuz. Die Ergebnisse beider Wahlen entsprechen sich bis auf ein Zehntel Prozentpunkt. Dies bedeutet, dass der CDU-Kandidat Seidensticker den Rückhalt der CDU-Wähler genießt und die Vorwürfe um Vetternwirtschaft gegen einige CDU-Politiker sich nicht auf ihn auswirken. Die CDU Wiesbaden erreicht zudem bei der Europawahl das beste Großstadt-Ergebnis in Hessen. Seidenstickers Wahlkampfberater Jörg Martini ist froh über diesen treuen Wählerstamm. „Das ist das Potenzial, von dem wir uns zutrauen, es in drei Wochen wieder an die Urne zu bringen“, sagt er.

Der Citybahn-Effekt für die FDP, die sich gegen den Bau der Schienenbahn ausspricht, fällt geringer aus als im Vorfeld vermutet. FDP-Kandidat Sebastian Rutten bringt es zwar auf 3,6 Prozentpunkte mehr als das EU-Wahl-Ergebnis, aber Beobachter sind sich einig, dass die OB-Wahl nicht von einer breiten Stimmung gegen die Bahn getragen war.

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