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Die Homonale will auch heterosexuelle Zuschauer anlocken. 

Filmfestival

Verschiedene Lebenswelten zeigen

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Das schwul-lesbischen Filmfestival „Homonale“ feiert 20-jähriges Bestehen. Ziel war und ist es, auch heterosexuelle Zuschauer ins Kino zu locken.

Die Mädchen Kena und Ziki freunden sich miteinander an, obwohl ihre Väter politische Rivalen sind. Die beiden Teenager wollen mehr vom Leben als typische Hausfrauen zu werden. Doch als sie sich in einander verlieben, kommt es zum gefährlichen Konflikt: Homosexualität ist in Kenia gesetzlich verboten. Prompt wurde deshalb der Film „Rafiki“ – Swahili für Freund oder Freundin – dort ebenfalls verboten. Auf dem Filmfestival in Cannes, wo er als erster kenianischer Beitrag lief, wurde die Liebesgeschichte hingegen gefeiert. Heute um 18 Uhr ist sie bei der „Homonale“ im Caligari zu sehen.

Das queere Filmfestival feiert just sein 20-jähriges Bestehen. „Wir sind stolz darauf, dass wir das schon so lange machen – ehrenamtlich, wohlgemerkt“, sagt Joachim Schulte. Er gehört zum vierköpfigen „Homonale“-Organisationsteam und ist von Beginn an dabei. Den Namen trägt das Festival seit 2001, doch reichen seine Anfänge zurück bis ins Jahr 1999, als zum ersten Mal in Wiesbaden ein „Christopher Street Day“ veranstaltet wurde. Bei den Vorbereitungen entstand die Idee zum schwul-lesbischen Festival. „Warme Kinotage“, um „verschiedene Lebenswelten zu zeigen“, sagt Joachim Schulte. „Es gibt viele Parallelen zu heterosexuellen Lebenswelten, aber eben auch Unterschiede.“

Das Homonale-Team (von links): Charlotte Weiand, Edeltraud Klopsch, Jackie Wade und Joachim Schulte im Kinosaal. 

Erklärtes Ziel war ihm zufolge dabei stets, auch heterosexuelle Zuschauer ins Kino zu locken, um die Akzeptanz zu erhöhen und rechtliche Gleichstellung zu erreichen. Seit jeher dient das Festival zudem als Treffpunkt der Community, um zu schauen, welche Thematiken in den Filmen aktuell verhandelt werden. Anfangs gestaltete sich die Suche nach Filmen schwierig, insbesondere bei den Frauen- und Lesbenfilmen, erinnert sich Schulte. Inzwischen gebe es viel mehr Auswahl – abgesehen von Filmen mit bi- oder intersexuellen Hauptfiguren, die nach wie vor rar bleiben.

Neben dieser Vielfalt setze das Organisationsteam bei der Filmauswahl zudem Themen, etwa die Auseinandersetzung mit Religion, Migration und Internationalität. Das Programm stimmt die Gruppe mit dem Kulturamt ab, das auch cineastische Anregungen gibt. „Wunderbar“ nennt Schulte es, wie Caligari und Kulturamt die „Homonale“ unterstützen. Er rechnet in diesem Jahr wieder mit etwa 1000 Zuschauern während des viertägigen Festivals.

Mark und Uwe zählen schon seit 15 Jahren zum Stammpublikum. Sie gehen regelmäßig ins Caligari und schätzen an der „Homonale“ die Programmauswahl. Es gebe sowohl neue Filme als auch Klassiker zu sehen, zudem können die Besucher Wünsche äußern. „Es ist ein Festival, das man in Wiesbaden nicht unbedingt vermuten würde, denn so eine große Szene haben wir hier nicht“, sagt Mark. Uwe gefällt, dass „es so integriert ist“. Das zeige sich an den Zuschauern, „es ist nicht nur die Community da, sondern das Caligari-Publikum.“ Zuschauer wie etwa die 77-jährige Dora Meyer, die das Caligari als ihr „Wohnzimmer“ bezeichnet. Das Festival bringe Lebendigkeit in die Stadt, findet sie. Christina aus Frankfurt wiederum ist mit drei anderen Frauen zum ersten Mal zur „Homonale“ gekommen. Sie wollen sich jeden Tag mindestens einen Film anschauen, sagt sie. „Die Filme sprechen Themen an, die nicht so alltäglich sind und die man sonst im Kino oft vermisst.“

www.homonale-wiesbaden.de

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