Wiesbaden

Teil des Frankfurter AWO-Geldes floss nach Wiesbaden

  • Madeleine Reckmann
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Zwischenbericht der AWO Wiesbaden: Gemeinnützigkeit wird wohl rückwirkend aberkannt.

Die Gemeinnützigkeit der Wiesbadener Arbeiterwohlfahrt (AWO) wird wohl nachträglich aberkannt. Wie der neue AWO-Vorsitzende Wolfgang Hessenauer auf Anfrage mitteilt, hätten Lohnsteuerprüfungen ergeben, dass der Verlust für die Jahre 2013 bis 2016 wahrscheinlich und für 2017 bis 2019 ziemlich sicher sei. Ob und wie viel Steuernachzahlungen dadurch erforderlich würden, sei noch völlig unklar.

Eine Aussage darüber ließe sich erst treffen, wenn die korrekten Jahresabschlüsse auf dem Tisch lägen. Mit den zuständigen Steuer- und Finanzbehörden seien er und sein Stellvertreter Franz Betz im Austausch. „Wir tun alles, um die Gemeinnützigkeit für 2020 zu erhalten“, sagt Hessenauer, der mit Betz seit fünf Wochen dabei ist, die undurchsichtigen Machenschaften der vorherigen AWO-Führungsriege aufzuklären.

Als einer der ersten Schritte gegen deren Selbstbedienungsmentalität reduzierten sie die Gehälter von sechs Personen auf Tarifniveau beziehungsweise auf die von der AWO anerkannten Obergrenzen und strichen verschiedene Kraftfahrzeug-Überlassungspauschalen. Letztere machten allein 150 000 Euro aus. Zusammen spare das der AWO 760 000 Euro im Jahr ein. Bei einem Gesamtumsatz von 20 bis 30 Millionen Euro sei dies eine erkleckliche Summe. Bei weiteren 20 der 400 AWO-Mitarbeiter müssten Arbeitsverträge und Vergütungen noch überprüft werden.

Die frühere Geschäftsführerin Hannelore Richter soll ein Jahresgehalt über dem der Bundeskanzlerin gehabt haben. Auch ihr Sohn Gereon Richter, der ihr im Amt folgte, sowie der derzeitige Geschäftsführer Murat Burcu wurden und werden weit übertariflich bezahlt. Woher das Geld dafür kam, steht laut Hessenauer noch nicht fest. Ein Teil davon – wie viel, sei noch unklar – stamme jedoch von den Einnahmen, die die AWO Frankfurt für den Betrieb Frankfurter Flüchtlingsunterkünfte einstrich; wegen dieser Abrechnungspraxis ermittelt die Staatsanwaltschaft.

Bei vier Personen in Wiesbaden werde auf eine Kündigung hingearbeitet. Wer das ist, wollte Hessenauer nicht sagen. Allerdings ist bekannt, dass die Kündigung der Ex-Geschäftsführerin Hannelore Richter bereits beschlossen, aber noch nicht vollzogen wurde. Die Kündigungen müssten juristisch genau abgeklopft werden, um für mögliche Arbeitsgerichtsverfahren gewappnet zu sein. Hessenauer betont, dass nun – wie im Vereinsrecht üblich – der Vorstand, also er und Betz, und nicht die Geschäftsführung (Murat Burcu) das Sagen habe. Etliche Jahre sei dies umgekehrt der Fall gewesen.

Kürzlich wurden die Beisitzer Frank Hasenclever, Udo Puster-Wall und Michael Meurer gewählt. Gaby Wolf und Michael Bischoff sind neue Revisoren.

Von Madeleine Reckmann

Als Konsequenz aus der AWO-Affäre hat der CDU-Stadtverordnete aus Wiesbaden, Wolfgang Gores, sein Amt niedergelegt.

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