Sterneköchin Maike Menzel stellt ihre Gerichte vor.
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Sterneköchin Maike Menzel stellt ihre Gerichte vor.

Wirtschaft

Sterneküche in den Wiesbadener Horst-Schmidt-Kliniken

  • Madeleine Reckmann
    vonMadeleine Reckmann
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Der Krankenhauskonzern Helios möchte in Wiesbaden hochwertige Speisen anbieten. Die medizinische Leistung alleine reicht nicht mehr im Wettbewerb.

Mit den Süßkartoffel-Gnocchi möchte Maike Menzel eine Alternative zur Pasta anbieten. Sie werden mit kräftiger Blauschimmelkäsesoße, Süßkartoffelwürfeln, grünen Erbsen und glasierten Balsamico-Pilzen serviert. Die jüngste Sterneköchin Deutschlands hat das Rezept nicht für das Restaurant Schwarzreiter in München kreiert, in dem sie seit 2018 kocht. Die Süßkartoffel-Gnocchi können sich vielmehr Patienten der Helios-Kliniken künftig anstatt des herkömmlichen Krankenhausessens bestellen. Menzel ist eine von sechs Sterneköchinnen und -köchen, die für den privaten Krankenhausbetreiber Mittagsgerichte erfanden. Gestern stellten fünf von ihnen ihre Kreationen im noch im Rohbau befindlichen Neubau der Helios-Dr.-Horst-Schmidt-Kliniken vor.

„Medizinische Leistung allein reicht nicht mehr“, sagte Stephan Sturm, Vorstandsvorsitzender des Gesundheitskonzerns Fresenius, zu dem Helios gehört. Der Servicegedanke müsse für die Kliniken stärker in den Vordergrund rücken. Schließlich sei Essen mehr als Nahrungsaufnahme. „Gutes Essen trägt zur beschleunigten Heilung bei, das ist gut für die Patienten und fürs Unternehmen.“

Artischocke im Gemüsesud

Dabei sei das Projekt „Sechs Köche – zwölf Gerichte“ aus der Not geboren, erzählte Franzel Simon, Vorsitzender Geschäftsführer der Helios Deutschland. Ein Koch, der 2018 als Patient in einem der Häuser behandelt wurde, habe zwar die gute Medizin gelobt, aber das schlechte Essen gerügt. Das habe man nicht auf sich sitzen lassen wollen. Die sechs Sterneköche – neben Menzel sind dies Christoph Rüffer, Thomas Bühner, Nils Henkel, Juan Amador und Hendrik Otto – habe der Konzern für die Kreation eigener Rezepturen gewonnen. In der Hofmann-Menü-Manufaktur in Boxberg in Baden-Württemberg, die die Essen für Helios herstellt, wurden die Gerichte ausprobiert und an die Systeme der Klinikverpflegung angepasst. Eine Herausforderung für die Sterneköche, die keine Massenproduktion kennen. „Ich bin überrascht, wie gut das funktioniert“, sagte Rüffer.

Seit Anfang Mai werden die Speisen – unter anderen Filet vom schwarzen Heilbutt und Artischockenherzen im Gemüsesud – in einem Pilotprojekt in vier Helios-Kliniken, darunter Wiesbaden, angeboten. Nach Angaben des Unternehmens waren 86 Prozent der Patientinnen und Patienten sehr zufrieden mit dem Essen. Im Laufe dieses Jahres sollen die Gerichte in allen 86 Helios-Kliniken angeboten werden.

Allerdings gegen einen Aufpreis; die vom Patienten zu zahlende Summe werde augenblicklich noch ermittelt. Eine Zwei-Klassen-Verpflegung befürchtet Sturm dennoch nicht. Die Kosten würden sich im Rahmen eines Stücks Kuchen bewegen.

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