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Der Burgfried wurde schon restauriert. Jetzt sind die Zufahrt und die Südmauer an der Reihe.

Wiesbaden

Mit dem Spaten zu den Geheimnissen der Burg Sonnenberg in Wiesbaden

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Archäologen dokumentieren die historischen Funde, die bei der Sanierung in Wiesbaden zum Vorschein kommen. Wo der ursprüngliche Eingang zur Anlage war, ist noch unklar.  

Bei der Verlegung neuer Versorgungsleitungen unter der Zufahrt zur Burg Sonnenberg ist es wieder passiert: Eine Mauer kommt zum Vorschein, deren Existenz dem Hochbauamt unbekannt war. Große Steinquader aus Taunus-Gneis in einer Reihe aufgemauert sind zu sehen. „Vor einigen Jahrhunderten hat dort eine Ringmauer gestanden“, sagt Beate Sand, Projektleiterin beim Hochbauamt. Die Burg habe früher einen ganz anderen Aufbau gehabt.

Die Stadt hat 2017 entschieden, die Burg von Grund auf zu sanieren: Die ganze Burganlage soll gesichert und langfristig aufgewertet werden. Teile der Südmauer an der Oberburg sind zusammengefallen. Das Restaurant Gollner’s, das sich in der Anlage befindet, muss modernisiert werden. Auch die Ruinen des Palastes, Eckreste aus dem Mauerwerk der Oberburg, müssten erhalten werden.

Im Laufe der Jahrhunderte haben die Menschen die Burg verändert, sie wurde zerstört, wiederaufgebaut, erweitert und ergänzt. Die Einfahrt ist laut Sand wohl nicht immer am jetzigen Standort gewesen. Wo sie aber war, sei noch unbekannt. Einen definierten Ursprungszustand der Burg gibt es nicht. Die Altvorderen haben immer an ihr herumgewerkelt.

Die Burg wurde im 13. Jahrhundert von den Grafen Nassau erbaut. Möglich ist aber auch, dass sie auf einem keltischen Gebäude errichtet wurde. „Das Bauholz ist älter als aus dem 12. Jahrhundert“, sagt Hochbauamtsleiter Peter Maurer. Stoßen die Arbeiter auf archäologische Funde, sind die Fachleute des Landesamts für Denkmalpflege gefragt. „Die Archäologen stehen mit ihrem Pinselchen immer bereit“, erzählt Maurer. Sie dokumentieren, was Spaten und Baggerschaufeln ans Tageslicht befördern - bevor die Funde durch die Arbeiten zerstört werden, „Wir erhoffen uns Erkenntnisse über die Geschichte der Burg Sonnenberg, die für den Raum Wiesbaden große Bedeutung in der mittelalterlichen Landesgeschichte und Siedlungsentwicklung besitzt“, erläutert Beate Leinthaler von Hessenarchäologie beim Landesamt für Denkmalpflege.

Bauarbeiten kommen ins Stocken

Während die Archäologen ihre Aufzeichnungen machen, kommen die Bauarbeiten allerdings ins Stocken. „Die Generalsanierung muss umgestrickt werden“, so Maurer. Die Funde werden später wieder zugegraben. So verwittern sie nicht so schnell.

Je tiefer die Arbeiter graben, desto mehr tritt zum Vorschein. Außer Mauern etwa Münzen, Keramik und ein Backofen; Letzterer soll wieder aufgebaut werden. Baudezernent Hans-Martin Kessler (CDU) ist es fast lieber, man möge allein aus Kostengründen nicht so tief graben. „Das ist eine fachliche und politische Entscheidung.“ Denn die Stadt lässt sich die Sanierung einiges kosten. Allein für den ersten Bauabschnitt, der die Arbeiten von April 2019 bis Oktober 2020 umfasst, sind 5,4 Millionen veranschlagt. 350000 Euro sind Fördergelder des Landes und Bundes. Der Burgfried war bereits vorher saniert worden.

Die Burgzufahrt soll im Herbst 2020 hergerichtet sein. Parallel zur Auffahrt soll ein Treppenweg als sicherer Zugang dienen. Auch die neuen Stützmauern des Gaststättengebäudes, die Terrasse und das Restaurant sollen dann fertig sein, so dass das Gollner’s wiedereröffnen kann. Das Hochbauamt verweist jedoch darauf, dass weitere archäologische Funde die Arbeiten verzögern könnten. Im Herbst 2019 soll mit der Instandsetzung der Südmauer begonnen werden. Zurzeit festigen Tragnetzwerke aus Stahl die bröckelige Mauer. Sorgfältig müssen die Steine abgetragen und später wieder aufgemauert werden. Bohrungen sind nicht vorgesehen; sie könnten dahinterliegendes, historisch wertvolles Material zerstören. Was sich hinter den groben Steinen verbirgt, ist vollkommen unklar. Die Mitarbeiter im Hochbauamt machen sich auf Überraschungen gefasst.

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