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Zwischen 400 und 500 obdachlose Menschen leben in Wiesbaden.  

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Wiesbaden: Zuhause auf der Straße

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Zwischen 400 und 500 Menschen leben in Wiesbaden ohne festen Wohnsitz. Bei einer Stadtführung und einem Infoabend soll ihr Schicksal sichtbar gemacht werden.

Evangelisches Dekanat und Diakonisches Werk Wiesbaden laden für heute, dem bundesweiten Tag der Wohnungslosen, ab 11 Uhr auf den Wiesbadener Mauritiusplatz ein. Um 16 Uhr beginnt dort unter anderem eine Stadtführung mit dem Titel „Zuhause auf der Straße“ mit Erich Schmidt, der eineinhalb Jahre auf der Straße gelebt hat.

Zwischen 400 und 500 Menschen leben nach Angaben des Dekanats allein in Wiesbaden ohne festen Wohnsitz – immer mehr von ihnen leiden unter psychischen Problemen oder sind pflegebedürftig. Auch die Zahl der minderjährigen Wohnungslosen steige. „Gerade in den Städten, wo der Wohnraum knapp wird, trifft es die Schwächsten am härtesten“, sagt Agim Kaptelli, Leiter des Diakonischen Werks Wiesbaden. „Es ist unsere Aufgabe, ihr Schicksal sichtbar zu machen.“

Das Programm
Aktionen und Informationen erwarten die Besucher heute zwischen 11 und 16 Uhr auf dem Mauritiusplatz in Wiesbaden.

„Zuhause auf der Straße“ lautet der Titel einer thematischen Stadtführung mit dem ehemaligen wohnungslosen Erich Schmidt. Sie startet um 16 Uhr auf dem Mauritiusplatz.

Ein Info- und Gesprächsabend zum Thema Wohnungslosigkeit beginnt um 19 Uhr im Tag.Werk, Bismarckring 6. Der Titel der Veranstaltung: „Damit Hilfe auch ankommt“. diu

Erich Schmidt, heute 57 Jahre alt, war jahrelang Alkoholiker, Stammkunde in der Teestube, und hat mehr als 20 Entgiftungen hinter sich. Heute lebt er mit seiner zweiten Ehefrau in Rheinhessen. Er ist seit 15 Jahren trocken und hat Arbeit – als Nachtwache im Übergangswohnheim der Diakonie in Erbenheim.

Wie viel Leid und Elend damit verbunden ist, sein Zuhause zu verlieren und auf der Straße zu leben, hat Erich Schmidt am eigenen Leib erfahren: „Arbeit weg, Frau weg, Wohnung weg – so fing das damals an“, erzählt er.

Es waren die Sozialarbeiter des Diakonischen Werks, die ihn schließlich von der Straße holen. Erich Schmidt hat eine Selbsthilfegruppe für Wohnungslose gegründet und ist froh, dass er eine Frau an seiner Seite hat, die ihn unterstützt: „Wenn man mal so tief im Sumpf steckte, dann ist man einfach dankbar.“

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