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Eberhard Seidensticker an seinem Lieblingsort im Schiersteiner Hafen.

Wiesbaden-Wahl

„Schulsanierung liegt mir am Herzen“

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Der Wiesbadener OB-Kandidat Eberhard Seidensticker (CDU) über städtische Aufträge, Ausgleich beim Bau der Citybahn und einen Handwerkerhof.

Eberhard Seidensticker hat sich mit der FR im Schiersteiner Hafen verabredet. Unter der Weide auf der Hafenmolenspitze habe ihm in seiner Kindheit sein Großvater bei einem Leberkäsbrötchen Geschichten von Wilhelm Busch erzählt, sagt er. Wenn er heute einmal ausspannen möchte, kommt Seidensticker manchmal an diesen Ort zurück.

Herr Seidensticker, die CDU wirkt angesichts der Differenzen zwischen dem ehemaligen Fraktionschef Bernhard Lorenz und dem Parteivorsitzenden und Bürgermeister Oliver Franz noch immer gespalten. Wie macht man da als CDU-Kandidat Wahlkampf?
Indem man Wahlkampf macht und sich nicht um die Differenzen kümmert. Es ist mir wichtig, deutlich zu machen, dass es bei diesem Wahlkampf um Wiesbaden und seine Bürger geht, für die ich mich einbringen möchte.

Sie selbst haben Franz zum Rücktritt aufgefordert. Vergessen?
Im Vorfeld der Nominierung des CDU-Kandidaten habe ich ihn zum Rücktritt aufgefordert. Nun findet sowohl durch die zuständigen Stellen als auch parteiintern durch eine Anwaltskanzlei Aufklärung statt. Das ist wichtig, auch um den Bürgern das Vertrauen in die Politik zurückzugeben.

Richtig aufgeräumt hat die Partei ihre Affären ja nicht, wie Sie sich das für Ihren Wahlkampf wünschten. Es gibt Vorwürfe der Kumpanei, der Bestechung und der illegalen Parteienfinanzierung. Die Staatsanwaltschaft ermittelt. Und Bernhard Lorenz ist noch Stadtverordneter.
Bernhard Lorenz hat das Amt des Fraktionschefs niedergelegt und ist nicht mehr Mitglied des Fraktionsvorstands, außerdem hat er die Mehrzahl seiner Aufsichtsratsmandate niedergelegt. 

Und der CDU-Kreisschatzmeister und Stadtwerkechef, der Lorenz in seiner Privatfirma als Honorarkraft beschäftigt haben soll?
Er ist nicht mehr Schatzmeister und nicht mehr städtischer Geschäftsführer.

Wie könnte ein CDU-Oberbürgermeister da aufräumen?
Wie zuvor erwähnt, findet die Aufklärung durch die zuständigen Stellen statt.

Jetzt ist sogar Ihr Name im Zuge der Aufklärung gefallen. Ihre Dachdeckerfirma hat in den letzten fünf Jahren Aufträge bei acht städtischen Gesellschaften im Wert von 260 000 Euro erhalten.
Ich habe mich nie an einem Ausschreibeverfahren beteiligt, weil ich Stadtverordneter bin. Bei den Aufträgen, die ich angenommen habe, ging es jeweils um Reparaturen mit geringem Volumen. Wir reden hier von 260 000 Euro Umsatz für Dachdeckerarbeiten, verteilt über fünf Jahre. Abzüglich der Löhne, Versicherung, Material und so weiter bleiben 4200 Euro vor Steuern. Die Gesellschaften haben mich jeweils angefragt, nicht umgekehrt. Das läuft so, dass ein Fax oder Anruf mit dem Auftrag kommt, dann fahren wir raus und reparieren möglichst schnell.

Wie stehen Sie zum Vorschlag, die Zahl der Aufsichtsratsmandate pro Stadtverordnetem auf fünf zu begrenzen, wie die SPD das vorschlägt?
Darüber kann man nachdenken. Wichtig ist, dass die Begrenzung nicht willkürlich ist und auch der Magistrat einbezogen wird. Ich bin nur im Aufsichtsrat Naturpark Rhein-Main und vertretungsweise in den Aufsichtsräten der Stadtentwicklungsgesellschaft SEG und des WIM-Liegenschaftsfonds.

Sie sagen, dass es mit Ihnen keinen Filz geben wird. Sollten Stadtverordnete und deren Unternehmen keine Aufträge von städtischen Gesellschaften annehmen?
Stadtverordnete sollten durch ihr Ehrenamt keine Vorteile, aber auch keine Nachteile haben. In der Stadtverordnetenversammlung sitzen Handwerker, Künstler, Ärzte und Verwaltungsleute, also ein Spiegelbild der Gesellschaft. Das sollte nicht zu beruflichen Nachteilen führen.

Die Stadt ist durch ihr Engagement für eine Verkehrswende um das Dieselfahrverbot herumgekommen. In der CDU war ein Rumoren zu hören, man brauche vielleicht nicht alle im Luftreinhalteplan vermerkten Projekte umzusetzen. Was könnte man weglassen?
Wir müssen uns an den Luftreinhalteplan halten. Wenn wir das rückgängig machen, könnte das Verwaltungsgericht noch ein Fahrverbot verhängen. Dann haben wir nächstes Jahr die gleiche Diskussion wieder.

Als OB möchten Sie sich speziell für Handwerker einsetzen.
Ich möchte einen Handwerkerhof gründen, der junge Unternehmer unterstützt. Dort sollen junge Menschen die Chance erhalten, ausgebildet zu werden. Meine Lehrlinge fahren wochenweise zum Blockunterricht nach Limburg und Wetzlar. Ausbildende Betriebe bevorzugen Berufsschulunterricht an einem Tag in der Woche und in der Nähe. Hier in der Landeshauptstadt sollte das möglich sein. Der Bauhof muss hierher. Außerdem würde ich ein Aktionsprogramm für Handwerker starten.

Thema Citybahn. Sind Sie für das Vertreterbegehren, wenn sich das Bürgerbegehren rechtlich nicht umsetzen lässt, wonach es zurzeit aussieht?
Die Wiesbadener sollen sagen, ob sie die Citybahn möchten. Es liegen viele Geschäfte an der künftigen Trasse. Die Citybahn wird die Stadt während der Bauphase und darüber hinaus verändern. So etwas geht nur gemeinsam mit den Bürgern.

Warten wir mal das Mobilitätsleitbild ab, das unter anderem die Alternativen zur Citybahn untersuchen soll. Würden Sie denn das Ergebnis akzeptieren?
Selbstverständlich, wenn es nachvollziehbar ist.

Die IHK möchte, dass die an der Baustrecke ansässigen Geschäftsleute einen finanziellen Ausgleich erhalten.
Ich habe das schon früher gesagt. Es liegen viele Geschäfte an der Trasse. Wir müssen genügend Mittel im Haushalt zur Verfügung stellen, um die Geschäfte in der Bauphase zu unterstützen und zu verhindern, dass Unternehmen wegen des Baus pleitegehen.

Sie sagten bei der OB-Kandidatenrunde der Gewerkschaften, dass Sie arme Menschen verstärkt in den Reichenvierteln ansiedeln würden, um Ghettos zu verhindern.
Ich habe mich auf die Mittelstandsviertel bezogen. Auf der Bierstädter Höhe gibt es ein neues Wohnprojekt, in dem Bewohner der Sozialbauwohnungen und Mittelstandsfamilien gut zusammenleben. Wir müssen soziale Vielfalt unterstützen. Ohne sie ist ein friedliches Zusammenleben nicht möglich.

So begeistert? Sind Sie da in der CDU noch richtig?
Die CDU ist eine Volkspartei. Wir brauchen Wohnraum für alle Menschen, also auch geförderten Wohnbau. Es geht darum, Schwache zu unterstützen, dies entspricht unserem christlichen Menschenbild.

Wie stehen Sie zum Bau des neuen Gymnasiums in Kastel? GEW und Schulleiter befürchten, dass die benachbarte IGS Leuschnerschule unattraktiv wird.
Wir wollen Wahlfreiheit für die Eltern gewährleisten. Der Elternwille zählt. Der Schulentwicklungsplan sieht ein Gymnasium in Kastel und Dotzheim vor. Ich sehe nicht, dass dies zulasten der IGS geht. Die Gesamtschulen leisten gute Arbeit und dürfen nicht auf der Strecke bleiben. Aber der Elternwille zählt. Ein Herzensanliegen ist mir die Sanierung der Schulgebäude.

Die CDU steht nicht gerade für Klimaschutz. Wiesbaden hat seine Klimaziele krachend verfehlt. Wie soll Wiesbaden die Klimaziele einhalten?
Die CDU tritt für die Bewahrung der Schöpfung ein. Wichtig ist, dass wir in Wiesbaden den Klimaschutzplan stringent verfolgen und stetig weiterentwickeln.

Warum sollten die Wähler Sie wählen? Was hebt sie von den anderen Kandidaten ab?
Meine Vita zeigt, dass ich anpacken, etwas aufbauen und erhalten kann. Ich bin geradlinig, bodenständig, ehrlich, zuverlässig. Ich war im Kirchenvorstand, bin in der Stadtverordnetenversammlung, dem Verschönerungsverein Schierstein. Ich bin niemand, der für jede Lösung ein Problem hat, sondern umgekehrt. Bei mir heißt es Ansage, Zusage, Umsetzung.

Interview: Madeleine Reckmann

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