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US-Luftwaffenveteran Gail Halvorsen, bekannt als "Candy Bomber", nimmt an der Festveranstaltung zu 70 Jahre Berliner Luftbrücke auf dem Gelände des US-amerikanischen Militärflugplatzes in Wiesbaden-Erbenheim teil.

Geschichte

Rosinenbomber zum Anfassen

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Zehntausende feieren auf dem Militärflugplatz Erbenheim 70 Jahre Berliner Luftbrücke. „Candy-Bomber“ Gail Halvorsen ist eigens aus den USA angereist.

Silbrig glänzen die Tragflächen von „Miss Montana“ in der Morgensonne. In Military-Grün leuchtet der Rumpf von „D-Day-Doll“. Die Rosinenbomber, die am Sonntag auf dem US-Militärflugplatz in Erbenheim stehen, tragen klingende Namen. Schon kurz nachdem sich die Tore der Clay-Kaserne für die Besucher geöffnet haben, sind die historischen Maschinen umlagert von Schaulustigen. Viele wollen einen Blick ins Innere der Flugzeuge werfen, die Ende der 1940er Jahre Lebensmittel und Kohle nach Westberlin geflogen haben. Unzählige Fotos werden geschossen.

22 Rosinenbomber sind zur Feier „70 Jahre Luftbrücke“ nach Erbenheim gekommen – aus den USA, Finnland, der Schweiz und anderen Ländern, wo sie von Privatleuten, Stiftungen und Museen mit viel Aufwand flugfähig gehalten werden. Kurz nach 10 Uhr starten die ersten Maschinen zu einer Flugshow. Die Motoren knattern, mit einem satten Röhren erheben sich die Rosinenbomber in den Himmel. „Geiles Geräusch“, sagt ein Mann und verfolgt mit seinem Handy, wie ein Flugzeug nach dem anderen startet. Kurz darauf segeln Fallschirmspringer über dem Militärflugplatz zu Boden. Der Letzte hat eine riesige amerikanische Flagge dabei.

An der Absperrung zum Flugfeld steht Elena Wittenborn mit ihren beiden Söhnen. Aus Montabaur ist die Familie zum Fest nach Erbenheim gekommen. Der alten Flugzeuge wegen, die Maximilian (6) „toll“ findet, aber auch, „um den Kindern zu erklären, was damals in Deutschland und in Berlin passiert ist“, wie Elena Wittenborn sagt.

Vom US-Militärflugplatz in Wiesbaden-Erbenheim wurde zwischen 26. Juni 1948 und 12. Mai 1949 die Lufbrücke in das von den Sowjets abgeriegelte Westberlin organisiert.

Die so genannten Rosinenbomber starteten von mehreren Standorten, um rund zwei Millionen Menschen mit Essen und Heizmaterial zu versorgen. Für Kinder wurden Süßigkeiten aus der Luft abgeworfen. aro

Einer der die Nachkriegszeit selbst miterlebt hat, ist Erich Hachenberger. Zehn Jahre war der Wiesbadener alt, als die Luftbrücke nach Berlin startete. „Auch wir haben damals von den Amerikanern Apfelsinen, Kaugummis und Schokolade bekommen“, erinnert er sich. „Und überall in der Stadt sind Panzer gestanden.“

Um die Mittagszeit kommt dann der Mann nach Erbenheim, den sie den „Candy-Bomber“ nennen. Gail Halvorsen war der Erste, der über Berlin Süßigkeiten für Kinder aus seinem Rosinenbomber abwarf. 98 Jahre ist er mittlerweile alt und wird, als er mit dem Jeep über das Festgelände fährt, gefeiert wie ein Popstar.

Am Flughafenzaun in Berlin habe er 1948 mit Kindern gesprochen. „Sie hatten nichts zu essen, aber sie waren froh, dass sie frei und am Leben waren“, erinnert sich Halvorsen im Gespräch mit Journalisten. „Das hat mich sehr beeindruckt.“ Fortan packte der Pilot immer wieder Kaugummis und Schokolade in seinen Flieger, und warf die „Candys“ mit kleinen Fallschirmen versehen, über der Stadt ab. Die Kinder wussten, wenn Halvorsens Rosinenbomber mit den Flügeln wackelte, dann regnete es Süßigkeiten.

Eine die das besonders beeindruckt hat, ist die Berlinerin Mercedes Wild. Die damals Zehnjährige schrieb dem Piloten einen Brief und bekam eine Antwort von Gail Halvorsen. „Ich war so dankbar für dieses Symbol der Freundschaft und Väterlichkeit“, erinnert sich Mercedes Wild. 1972 konnte sie den Candy-Bomber erstmals persönlich kennenlernen. Gestern gibt sie beim Fest in Erbenheim zusammen mit ihm Interviews.

70-jähriges Jubiläum der Berliner Luftbrücke in Erbenheim.

Immer wieder knattern beim Fest 70 Jahren Luftbrücke die Flugzeugrotoren. Nach Formationsflügen historischer und moderner Maschinen gibt es für die Kinder am Nachmittag einen echten „Candy-Drop“. Wie vor 70 Jahren segeln in Erbenheim Schokoladeriegel und Kaugummipäckchen vom Himmel.

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