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Machne Geschäfte werden mehrmals täglich beliefert. Das soll weiterhin möglich sein. Aber anders.

Wiesbaden

Roboter statt Lieferwagen in Wiesbaden

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Das Konzept für nachhaltige Stadtlogistik soll den Lieferverkehr in der Wiesbadener City umkrempeln. Parkhäuser könnten zu Umladestationen werden.

Morgens sind die Wilhelm-, Friedrich- und Bleichstraße regelmäßig durch den Lieferverkehr blockiert. Busse verspäteten sich, weil Lieferwagen und Lkw auf den Busspuren parkten, berichtet Verkehrsdezernent Andreas Kowol (Grüne). Das soll sich ändern. Das Tiefbau- und Vermessungsamt erarbeitet gerade mit 80 Vertretern aus der lokalen Wirtschaft und den Transportunternehmen ein Konzept zur nachhaltigen Stadtlogistik.

Und so könnte es in der Innenstadt bald aussehen: Weder Lieferwagen noch Lkw verstopfen die Straßen. Die Menschen holen ihre Pakete in sogenannten Mikro Hubs, Sammelstellen in Laufnähe, ab. Elektrobetriebene Roboter transportieren schwere Lasten in die Wohnungen. Drei Pflegerinnen der häuslichen Pflege werden von einem gemeinsamen Fahrer abgesetzt, damit sie ihre Patienten in der Nähe versorgen, und werden später wieder abgeholt.

Nachhaltige Logistik

Für die Erarbeitung des Konzepts „Nachhaltige Stadtlogistik Wiesbaden“ erhält die Landeshauptstadt Bundeszuschüsse von 1,4 Millionen Euro. Bedingung: 2020 müssen Teile davon umgesetzt werden. Bis zum Sommer soll das Konzept fertig sein.

Die Prognos-Gesellschaft unterstützt die Stadt mit verkehrstechnischem Knowhow. Das Unternehmen Dialog Basis ist beauftragt, den Beteiligungsprozess zu leiten.

Akteure aus Wirtschaft, Gewerbe und den Transportunternehmen bringen ihre Ideen in Workshops ein.

Ist das denkbar? Schon im Sommer 2020 soll es die ersten Veränderungen geben. Die Landeshauptstadt steht unter Druck. Sie muss den 2018 beschlossenen Green-City-Plan umsetzen, um den Ausstoß der Stickoxidwerte zu begrenzen und das Dieselfahrverbot dauerhaft zu verhindern.

Aber es gibt ein Problem: Der städtische Lieferverkehr wird bis 2030 deutlich zunehmen. Deutschlandweit wachsen dem Verkehrsberatungsunternehmen KE-Consult zufolge die Kurier- und Express-Paketsendungen bis 2030 um 59 Prozent, in Wiesbaden um 63 Prozent. „Alle betroffenen Akteure haben ein großes Interesse daran, die Logistik weiterzuentwickeln“, sagt Kowol. Das Problembewusstsein wachse. Wiesbaden will eine Vorreiterrolle einnehmen und zeigen, wie nachhaltiger Lieferverkehr geht.

Denkbar ist, dass in den kommenden Jahren Parkhäuser zu wenig frequentierten Uhrzeiten von Paketdiensten als Logistikstation genutzt werden. In Fahrzeugen oder Containern könnten sie dort die Pakete sortieren und auf umweltfreundliche Kleinfahrzeuge umladen. In Stuttgart wird das bereits ausprobiert. Möglich ist auch, Bereiche auf Straßen und Plätzen für die Liefer- und Ladevorgänge zu reservieren. Denn für Kowol ist klar, dass Geschäfte und andere Betriebe weiterhin angefahren werden müssen. Handwerker und Sozialdienste könnten die Ladezone nutzen, wenn gerade keine Lieferung ansteht. Reservierungen, Buchungen und die Kontrolle könnten digital eingerichtet werden. Zusteller könnten die Pakete an sicheren Paketkästen oder Schließfachanlagen etwa am Bahnhof oder anderen zentralen Orten ablegen, um unnötige Fahrten zu sparen.

Ein entsprechendes Projekt wird in Köln getestet. Die Akzeptanz würde steigen, wenn dort ein Treffpunkt wäre, wo die Leute gerne hingingen. Welche Systeme ins Konzept Eingang finden und wo sie gebraucht werden, sollen Betroffene in Workshops herausfinden.

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