Rossmann verwahrt sich dagegen, schwarze Kunden anders als weiße zu behandeln.
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Rossmann verwahrt sich dagegen, schwarze Kunden anders als weiße zu behandeln.

Wiesbaden

Rassismus-Vorwurf bei Rossmann

  • Madeleine Reckmann
    vonMadeleine Reckmann
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Schwarzer sollte sich mehrmals ausweisen – Weiße hingegen mussten das nicht.

Filmore Hughes ist kein Mann, der sich dagegen wehrt, bei Bezahlung mit Karte kontrolliert zu werden. Aber wenn er der einzige in der Schlange an der Kasse ist, dessen Ausweis verlangt und dessen Unterschrift verglichen wird, verletzt ihn das.

In der Filiale des Drogeriemarkts Rossmann in Wiesbaden-Biebrich sei ihm das bei derselben Kassiererin mehrfach passiert, berichtet er der Frankfurter Rundschau. „Das empfinde ich als Kränkung, das ist unprofessionell“, sagt Hughes. Der 67-Jährige ist US-Amerikaner mit schwarzer Hautfarbe.

Das Schicksal von George Floyd motiviert nicht nur viele Schwarze in den Vereinigten Staaten, den alltäglichen Rassismus nicht länger hinzunehmen. Auch in Deutschland erfahren viele Menschen jeden Tag wegen ihres Aussehens Diskriminierungen. Wie kompliziert das Thema ist, zeigt dieser Vorfall bei Rossmann. Denn für Hughes ist es schwierig, die Ungleichbehandlung nachzuweisen. Diskriminierung kann schließlich unbeabsichtigt, unterschwellig oder bewusst aber im gesetzlichen Rahmen erfolgen.

Auf Facebook kursiert ein Video, das Hughes’ Freund Kerry Reddington vor der Biebricher Rossmann-Filiale in der Straße der Republik zeigt. Reddington, der in Frankfurt stellvertretender Vorsitzender der kommunalen Ausländervertretung ist, hat darin gerade die Probe aufs Exempel gemacht. Er sei, als er mit Karte zahlte, an der Kasse nicht kontrolliert worden, sagt Reddington in die Kamera. Reddington hat weiße Haut. „Nach welchen Regeln arbeitet ihr bei Rossmann?“, fragt Reddington. Auch Hughes’ deutsche Frau habe das digitale Bezahlen dort ausprobiert – sie habe sogar bewusst mit einem anderen Schriftzug als sonst unterschrieben – die Kassiererin habe nicht einmal nachgeschaut.

In den Kommentaren berichten etliche Personen mit ausländisch klingenden Namen, dass ihnen dies auch oft passiere.

Auf Tik-Tok hatte das gleiche Video bereits am Montag mehr als eine halbe Million Aufrufe. Vor kurzem hatte ein ähnlicher Vorfall in einer Rossmann-Filiale in Berlin für Aufsehen gesorgt. Eine Kassiererin soll Medienberichten zufolge einer schwarzen Kundin nicht geglaubt haben, dass sie einen deutschen Nachnamen trägt.

Rossmann verwahrt sich dagegen, schwarze Kunden anders als weiße zu behandeln. Wenn die Unterschrift auf der Girocard fehle oder die Unterschrift auf dem Zahlungsbeleg visuell von der auf der Girocard abweiche, habe die Kassiererin die Anweisung, dass sich Kunden ausweisen müssten.

Dies sei beim Einkauf von Filmore Hughes der Fall gewesen. Dass Hughes weiße Frau mit einem anderen Schriftzug auf dem Beleg bezahlt haben soll, könne das Unternehmen nicht nachvollziehen, obwohl alle Zahlvorgänge im betreffenden Zeitraum an dieser Kasse überprüft worden seien, teilt die Unternehmenskommunikation mit.

Eine konkrete Diskriminierung wird von Rossmann also nicht zugegeben, weil „zweifelsfreie Belege für die Rassismus-Vorwürfe“ fehlten, teilte das Unternehmen auf Anfrage mit. Dennoch reagiert die Drogerie-Gesellschaft.

Bis JanEine kleine Asphaltfläche sorgt im Neubaugebiet „An den Eichen“ im Osten Offenbachs für große Diskussionen. Zwischen einem Bolzplatz, Spielplätzen und einem Grundstück, auf dem eine Kindertagesstätte geplant ist, soll in diesem Jahr eine Buswendeschleife samt Ladestation für E-Busse gebaut werden. Das Problem: Die Anwohnerinnen und Anwohner dachten bisher, dass die Sackgasse mitten im Wohngebiet, in der viele ihrer Kinder täglich alleine unterwegs sind und spielen, ein verkehrsberuhigter Bereich bleibt. Die Buspläne der Stadt bereiten ihnen nun Sorge – und sorgen für Protest.

„Einige Leute hier sind hochgradig frustriert“, erzählt Rafael Sartowski, der mit Frau und vier Kindern nicht weit von der künftigen Buswendeschleife wohnt. Sartowski glaubt nicht, dass es – wie die Stadt beteuert – ungefährlich sei, wenn die Busse langsam das Areal befahren. „Hier sind jede Menge toter Winkel“, sagt auch Nina Steinhoff, die mit Mann und zwei Kindern seit 2018 in dem Neubaugebiet wohnt. Hätte sie gewusst, dass ihre Nachbarschaft einmal voller Busse sein würde, hätte sie womöglich nie „An den Eichen“ gebaut, erzählt sie bitter.

Steinhoff und Sartowski sind nicht allein: 140 Unterschriften von Menschen aus dem jungen Quartier haben sie gesammelt. Der Kern ihrer Kritik bezieht sich auf den Bebauungsplan aus dem Jahr 2016. Darin ist die umstrittene Fläche, die tatsächlich genau zwischen zwei Spielplätzen liegt – einer davon wird gerade noch gebaut –, als verkehrsberuhigter Bereich festgelegt.

Auf diese Festlegung verweist auch Offenbachs Planungsdezernent Paul-Gerhard Weiß (FDP). Denn „verkehrsberuhigt“ heiße nicht, dass dort keine Busse erlaubt seien. „ÖPNV ist sogar in reinen Fußgängerzonen möglich und in vielen Städten Standard“, sagt er. Verkehrsberuhigt bedeute, dass nur in Schrittgeschwindigkeit gefahren werden dürfe. Und dass eine Buswendeschleife kommen könne, sei schon vor Jahren in der Begründung zum Bebauungsplan beschrieben worden.

Die Anwohnerinnen und Anwohner wollen sich damit nicht zufriedengeben. Sie haben sich fünf alternative Standorte für die Buswendeschleife überlegt – etwa außerhalb des Wohngebiets am Eibenweg – und diese Vorschläge in der vergangenen Woche an den Magistrat geschickt.

Man werde „alle Alternativen noch einmal durchprüfen“, verspricht Weiß im Gespräch mit der Frankfurter Rundschau – auch wenn man vor Jahren schon einmal unterschiedliche Standorte „gründlich geprüft“ habe. Nach der erneuten Prüfung sei man auch zu einem Treffen vor Ort bereit. Dass es ein solches Treffen bisher noch nicht gab, ist ein weiterer Kritikpunkt der Anwohner – die darauf hinweisen, dass sie auch rechtliche Schritte gegen die Stadt nicht scheuen.

Die Diskussion wirft ein Schlaglicht auf einen klassischen Nutzungskonflikt, wie er in der schnell wachsenden Region mittlerweile häufiger auftritt: hier die Bedürfnisse der Menschen vor Ort, die sich ein ruhiges Leben mit ihren Kindern wünschen – dort die Notwendigkeit, in einer schnell wachsenden Kommune mehr Menschen zu befördern.

Da dies möglichst umweltfreundlich geschehen soll, wandelt die Stadt Offenbach ihre Busflotte derzeit nach und nach in eine elektrisch betriebene Flotte um. Spätestens Ende 2021 sollen von insgesamt 87 Stadtbussen 36 elektrisch angetrieben sein, heißt es. Die Ladung dieser Busse erfolgt im Depot und an zwei Endstationen – eine davon wird am Kaiserlei im Westen der Stadt gebaut, die andere auf besagter verkehrsberuhigter Fläche im Neubaugebiet „An den Eichen“.uar 2021 sollen Ausweiskontrollen generell nicht mehr durchgeführt werden. Noch im Juli soll mit der Umstellung auf die digitale Unterschrift auf dem Display am EC-Gerät begonnen werden.

Rossmann bedankt sich bei der schwarzen Kundin in Berlin und bei Filmore Hughes aus Wiesbaden, den Anstoß dafür gegeben zu haben.

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