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Treten in der Stichwahl gegeneinander an: Gert-Uwe Mende (SPD, rechts) und Eberhard Seidensticker (CDU).

Wiesbaden

OB-Stichwahl: Jung wählt grün und rot

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Für die Stichwahl um das Amt des Wiesbadener Oberbürgermeisters zählt, wie die SPD mobilisieren kann.

Welcher der Kandidaten bei der Oberbürgermeister-Stichwahl am 16. Juni das Rennen macht, wird vor allem davon abhängen, wie sie ihre Wählerschaft mobilisieren. Der Sozialdemokrat Gert-Uwe Mende, der bei der Wahl am vergangenen Sonntag mit 27,1 Prozent der Stimmen als Favorit hervorging, wurde zwar von Bürgern jeden Alters gewählt. Wie die Wahlanalyse des Amtes für Statistik und Stadtforschung ergibt, machten aber sowohl über 20 Prozent der ganz jungen Wähler bei dem 56-Jährigen ihr Kreuzchen wie die Jahrgänge darüber. Bei den Personen über 60 Jahren waren es sogar 35 Prozent.

Dies ist durchaus außergewöhnlich. Denn bei dem CDU-Kandidaten Eberhard Seidensticker, der am Sonntag 24,5 Prozent der Stimmen einfuhr und in der Stichwahl gegen Mende antritt, ist dies nicht der Fall. Der Christdemokrat, 53, wurde mit 38 Prozent besonders häufig von den über 70-Jährigen gewählt, während nur 8 Prozent der 18- bis 24-Jährigen und 16 Prozent der 25- bis 34-Jährigen ihm ihre Stimme gaben.

Statistikabteilung sagt sinkende Wahlbeteiligung voraus

Mende kann sich zwar freuen, auf eine Generationen übergreifende Zustimmung zu stoßen. Aber sind die jungen Menschen auch für einen zweiten Wahlgang zu begeistern? „Die Wahlbeteiligung wird bei der Stichwahl sinken“, sagt Ersin Özsahin, Leiter der Statistikabteilung. Erfahrungsgemäß machten sich wahrscheinlich die jungen Leute in geringerem Maße die Mühe, ein zweites Mal wählen zu gehen. Im Umkehrschluss bedeutet dies, dass die Alten zu den beständigsten Wählern gehören, auf die Seidensticker zählen kann. Dazu kommt, dass die SPD mal wieder viele ihrer traditionellen Anhänger nicht erreicht hat. In den SPD-Hochburgen wie Biebrich, Erbenheim und Amöneburg lag die Wahlbeteiligung nur bei 41 Prozent während in den CDU-Hochburgen wie Sonnenberg und Frauenstein 70 Prozent der Wahlberechtigten wählen gingen.

Für die Grünen-Kandidatin Christiane Hinninger, die mit 23,4 Prozent der Stimmen kurz hinter Seidensticker liegt, trifft der Bundestrend der Europawahl zu. Sie wurde von fast 40 Prozent der 18- bis 24-Jährigen gewählt und von über 30 Prozent der bis 45-Jährigen. Bei den über 70-Jährigen waren es nur noch 9,3 Prozent.

Für Mende könnte es auch deshalb eng werden, weil die Grünen-Wähler nicht mehr automatisch für den SPD-Kandidaten stimmten. Özsahin erinnerte daran, dass bei der Oberbürgermeister-Stichwahl 2013, bei der Sven Gerich (SPD) Amtsinhaber Helmut Müller (CDU) besiegte, die Grünen eine Wahlempfehlung für den Sozialdemokraten ausgesprochen hatten, der die Grünen gefolgt seien. Ob dies jetzt wieder so sein wird, ist offen. Die Grünen möchten sich Anfang Juni entscheiden. Da inzwischen aber CDU und Grüne auf Landesebene eine Koalition bilden, fällt es Grünen-Wähler nicht mehr so schwer, für einen Christdemokraten zu stimmen

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