Wiesbaden

Neue Vergärungsanlage in Wiesbaden soll Strom und Gas herstellen

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Vertrag über Bioabfall-Verwertung mit Rhein-Main-Deponie läuft aus. Neuer Partner ist der Kreis Groß-Gerau

Kartoffelschalen, Essensreste und Kaffeesatz sind wertvolles Material. Die Landeshauptstadt möchte es nun selbst verwerten und Energie daraus machen. Der Magistrat hat die Entsorgungsbetriebe ELW mit dem Bau einer Bioabfall-Vergärungsanlage am Dyckerhoffbruch beauftragt. Die Anlage soll 2023 in Betrieb gehen.

Bislang wurde der Wiesbadener Bioabfall von der Rhein-Main-Deponie-Gesellschaft (RMD) in Flörsheim-Wicker vergoren. Der Vertrag läuft jedoch Ende 2022 aus und habe laut Unternehmenssprecher Frank Fischer nicht zu den gleichen Konditionen weitergeführt werden können. Die Zusammenarbeit mit der in finanzielle Schieflage geratenen RMD endet vollständig.

Biogasanlage In den WiesbadenerBioabfall-Tonnen landen 20 000 Tonnen Küchenabfälle. Durch Vergärung können damit laut einem Gutachten 2,2 Millionen Kubikmeter Biogas entstehen, das in 4250 Megawattstunden Strom umgewandelt werden kann.

Dies entsprichtdem Bedarf von mehr als 1500 Zwei-Personen-Haushalten.

Alternativkann das Biogas in Green Gas mit einem Energiegehalt von 13500 Megawattstunde pro Jahr umgewandelt werden.

Aus dem Kreis Groß-Gerausoll die gleiche Menge Bio-Abfall geliefert werden. Der Ertrag an Strom und Gas verdoppelt sich also. mre

Um die eigenen Klimaschutzziele einzuhalten, möchte die Stadt nun den Wiesbadener Bioabfall in Wiesbaden verwerten und die daraus entstehende Energie auch dort einsetzen. Ob die Vergärungsanlage Strom oder „Green Gas“ produzieren soll, sei noch nicht abschließend geklärt, sagt Fischer der FR. Gespräche mit dem städtischen Energiedienstleister Eswe oder anderen Abnehmern über den Einsatz des Biogases stünden noch aus.

Die Anlage soll als interkommunales Projekt geführt werden. Als neuer Partner steigt die Abfallwirtschafts-Service-Gesellschaft, eine hundertprozentige Tochtergesellschaft des Zweckverbands Riedwerke Groß-Gerau, in das Geschäft ein, teilt ELW mit. Ein weiterer Kooperationspartner ist die städtische Gesellschaft zur mechanischen Behandlung von Abfällen (MBA).

„Ich bin davon überzeugt, dass der Bau und Betrieb einer Bioabfall-Vergärungsanlage eine Win-win-Situation für die Stadt und die Bürger ist“, sagt der für die ELW zuständige Stadtentwicklungsdezernent Hans-Martin Kessler (CDU). Durch die Kooperation mit dem Kreis Groß-Gerau würden sich die Mengen Bioabfall erhöhen, was auch den Ertrag steigere. Der Bau und Betrieb einer Vergärungsanlage habe für die Bürger zudem den Vorteil, dass die Entsorgung der Abfälle langfristig gesichert sei und die Gebühren stabil gehalten werden könnten. Die Emissionen aus dem Transport aus dem Kreis Groß-Gerau nach Wiesbaden würden etwa genauso hoch ausfallen wie die nach Wicker, die nun entfallen.

Für die Anlage muss ein Grundstück erworben werden. Die Verhandlungen dauern laut Fischer noch an. Ursprünglich war seit 2010 ein Areal für den Bau einer Biogasanlage reserviert gewesen, das jedoch 2016 in einer Hauruckaktion an das Unternehmen Knettenbrech & Gurdulic (K&G) verkauft wurde. Darauf soll nun eine Müllverbrennungsanlage entstehen. Dass das Land für die Biogasanlage reserviert worden war, geht aus dem Akteneinsichtsausschuss zum Verkauf an K&G hervor. Fischer sagt, der Kaufpreis für das aktuelle Areal werde marktüblich ausfallen.

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