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Evelyn Wettstein zeigt in ihrer Arbeit Facetten verschiedener jugendkultureller Phänomene. 

Wiesbaden

Neue Sterne am Kommunikationshimmel

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Die Ausstellung „Supernovum“ präsentiert junges digitales Design in der alten Villa des Nassauischen Kunstvereins in Wiesbaden.

Als „neue Sterne, die aufgehen“, preist Professor Theo Steiner seine Studenten an. Der Titel ihrer Werkausstellung „Supernovum – beyond the surface“ soll Programm sein. Neue Supersterne am Kommunikationshimmel, die auch unter der Oberfläche auf Entdeckungsreise gehen und ihre Funde in zukunftsfähigem Material für das digitale Zeitalter aufbereiten. Unter den Eichen auf dem alten ZDF-Gelände entwickeln sie im Alltag in ruhiger Atmosphäre ihre Ideen und Kreativität. Ihre Abschlussarbeiten dürfen Absolventen des Studiengangs Kommunikationsdesign an der Hochschule Rhein-Main auf der „Rue“ präsentieren.

Der Nassauische Kunstverein bietet dem hoffnungsvollen Nachwuchs der Branche zum dritten Mal eine Plattform. Die Villa mit der Klinker- und Sandsteinfassade an der Wilhelmstraße ist nach eigenem Anspruch „Zentrum für zeitgenössische Kunst“. Das Motto der Wiener Secession ziert in der Goldschrift der Secessionisten den Sandstein an der Straßenfront: „Der Zeit ihre Kunst, der Kunst ihre Freiheit“. Neu hinzugekommen ist eine Maxime, darauf ist die junge Frau, die am Eingang die Gäste begrüßt, wirklich stolz, weil der Satz an der Seitenfront, ebenfalls in Goldschrift, den Geist wiedergibt, der die Arbeiten der jungen Kommunikationsdesigner lenken soll. „I welcome whatever happens next“.

Dazu muss man manchmal in sich hineinhören. Um etwa den persönlichen Bezug zum Thema bei der Wahl des finalen Projektes im Bachelor-Leben zu finden. Dass dieser wichtig war, spricht aus fast allen Arbeiten aus den Bereichen digitales Design, Typografie, Corporate Design und Werbekampagnen auf zwei Ausstellungsebenen.

Bei Heike Neff wird Typografie zum spielerischen Erlebnis.

Die Handmade-Visitenkarte von Verena de Luca sticht hervor und fällt ins Auge. Ein stilisiertes Auge ziert die eine Seite der von Hand beschriebenen Karte im ovalen Format. „Aufmerksames Design“, nennt die junge Frau auf der Rückseite das, was sie zu bieten hat. Hier ihre Dokumentation „Promenadologische Erkundung Wiesbadens – ein Experiment“. Eine Liebeserklärung an das als spießig bekannte Wiesbaden neben der coolen Studentenstadt Mainz. Eine „authentische Arbeit“, so die bekennende Spaziergängerin Verena De Luca, die in einer analog-digitalen Mixtur zeigen will, dass man Abstraktes visualisieren kann. Alle, die ihrer Einladung zum gemeinsamen Spazierengehen mit dem Zufall als leitendem Faktor gefolgt sind, wurden zum Teil des künstlerischen Experimentes.

Kommunikationsdesign soll auch lebenspraktisch sein, dies eine weitere Prämisse bei der Konzeption im Studentenkopf. Laura Möbius hat die App „Noah – Bringt Tiere nach Haus“ nach Prinzipien des Online-Datings kreiert. Noah durchsucht alle Tierheime Deutschlands, um den passenden tierischen Freund für jeden zu finden. Der Deutsche Tierschutzbund ist schon Partner.

Spannend und ebenfalls realitätsnah das Projekt „Interaktives Design“ von Studentinnen, bei dem es um die Entwicklung digitaler Inszenierungs- und Kommunikationsmaßnahmen für das Gutenberg-Museum geht. Wie bringt man junge Menschen ins Museum? Mit einem analogem Leitsystem in Kombination mit einer digitalen App für individuell maßgeschneiderte Touren durchs Museum. Der Kunde, hört man, ist begeistert von der Kreativität der jungen Designer. Marc Windschild nennt sich „Tattoo Artist“. Er hat ein interaktives Mal- und Lehrbuch entwickelt. Sein Grundgedanke: spielerisch und informativ den Weg zum eigenen individuellen Tattoo-Design zu finden. Körperkunst. Der Zeit ihre Kunst, der Kunst ihre Freiheit.

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