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Alexander Klar, der scheidende Direktor des Hessischen Landesmuseums, im Mai in der Ausstellung „Joanna Pousette-Dart“.

Wiesbaden

Museumsleiter Alexander Klar wechselt von Wiesbaden nach Hamburg

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Alexander Klar sucht mit der Leitung der renommierten Kunsthalle neue Herausforderungen. Bisher leitet er das Landesmuseum in Wiesbaden.

Gerade noch hat Alexander Klar eine der europaweit wertvollsten Jugendstil-Ausstellungen im Landesmuseum eröffnet, deren kostbare Objekte der Sammler Ferdinand Wolfgang Neess dem Haus geschenkt hatte. Der Südflügel des Museums war dafür extra umgebaut worden. Und schon macht Klar sich auf zu neuen Ufern. Der Leiter des Landesmuseums wechselt zum 1. August an die Kunsthalle Hamburg.

Die aus seiner Sicht hässliche Litfaßsäule vor dem Landesmuseum sei nicht der Grund, warum er Wiesbaden verlässt, sagt er. Gegen das Aufstellen der Säule hatte Klar leidenschaftlich gekämpft - und verloren. Dass die Skulptur mit den Treppenstufen von Monica Bonvici aus baurechtlichen Gründen nicht aufgestellt werden soll, ist auch nicht die Ursache, „obwohl mich das sehr berührt“, gesteht Klar. Die Jury für den Wettbewerb „Kunst am Bau“ hatte sie für den Platz zwischen Landesmuseum und Rhein-Main-Congresscenter vorgesehen und Juryvorsitzender Klar sie als erstes öffentliches Gegenwartskunstwerk von Rang in Wiesbaden bezeichnet, das der Stadt gut zu Gesichte stehen würde. Doch daraus wurde nichts. Mit einem Kaffeemobil und Sitzkissen auf den Eingangstreppen versucht er, wenigstes ein bisschen Aufenthaltsqualität auf den kahlen Platz zu bringen.

Der Museumsleiter geht, weil er vor zu viel Gewohnheit und der Sicherheit im Leben flieht. Er sucht eine neue Herausforderung. Er sei jetzt seit über acht Jahren in Wiesbaden, erklärt der 50-Jährige, „irgendwann läuft man leer“. Noch sei der Umzug mit seinen fünf und sieben Jahre alten Söhnen möglich. Seine Frau, die aus Oldenburg stamme, freue sich auf den Norden. Also wagt er den Absprung und tauscht eine unbefristete Stelle gegen einen fünf-Jahres-Vertrag ein.

Stadt sollte mehr Geld ausgeben

Die Kunsthalle, die für ihre Werke von Caspar David Friedrich, die Impressionistensammlung und die Galerie der Gegenwart berühmt ist, sei ein „schwieriger und abweisender Bau“. Er sei mehrmals um das Gebäude herumgeschlichen, bevor er sich entschieden habe. Sie beschäftige etwa doppelt so viele Mitarbeiter wie das Landesmuseum, und verzeichne 330 000 Besucher, mehr als dreimal so viele wie in Wiesbaden. Zudem sei der Kulturetat höher. „Mit der Hamburger Kunsthalle kann man in Deutschland mehr Aufsehen erregen. Das ist ein Haus, wo man beweisen muss, dass man was kann“, fügt er an.Er werde, wie in Wiesbaden, seine Vorstellung eines „diskursiven Museums“ umsetzen und zeigen, dass „ein Museum mehr ist als ein Haus mit Bildern an der Wand“, sondern ein öffentlicher Ort, dessen „Kultiviertheit einen hohen Anspruch an die politischen Debatten stellt“, die er sich dort wünsche.

Für Wiesbaden wünscht sich Klar, dass sie sich auch für die weniger geschmeidige, moderne Kunst öffne. Die Stadt müsse mehr Geld für Kunst und Kultur ausgeben, um den Anschluss an andere Landeshauptstädte zu schaffen. Ein Stadtmuseum, das neben der Geschichte auch die kulturelle Vielfalt der derzeitigen Gesellschaft widerspiegele. sei wünschenswert. „40 Millionen Euro kann die Stadt durchaus beisteuern, und das nicht auf Kosten der kleinen Kunstinitiativen“, sagt er, „eine kulturell gesunde Stadt hat beides“.

Stolz ist Klar, dass er das Landesmuseum zu einem Ort etablieren konnte, der neben dem klassischen Bildungsbürgertum auch Mütter mit ihren Kindern und Migranten ansprechen konnte. Als moderierender Mensch habe er in einem guten Team arbeiten dürfen, das Entscheidungen mitgetragen habe. Das Gebäude sei bis auf den Verwaltungstrakt saniert. Klar ist verantwortlich dafür, dass das im Museum untergebrachte Naturkundemuseum nach ästhetischen Gesichtspunkten neu sortiert wurde und viele Besucher anzieht. Seine Söhne jedenfalls seien enttäuscht, dass die Kunsthalle Hamburg nicht mit Naturkunde aufwarten könne.

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