+
Angst, überfahren zu werden, muss man in diesem Teil der Wellritzstraße nicht haben. Stattdessen darf man jetzt gemütlich flanieren.

Sperrung

Mehr Lebensqualität und Platz für Kinder in Wiesbaden

  • schließen

Ein Teil der Wellritzstraße ist jetzt Fußgängerzone. Die Anwohner freuen sich über weniger Verkehr und Lärm und hoffen auf bessere Luft.

Mitten auf der Wellritzstraße spielen am Samstagmittag drei Jungen Fußball. Einem entwischt der Ball, ein Passant stoppt ihn und kickt ihn gekonnt zu den Jungs zurück. Seit Freitag ist die Wellritzstraße zwischen Hellmund- und Helenenstraße ein Jahr lang Fußgängerzone auf Probe. Am oberen Ende steht ein Verkehrspolizist und erläutert Autofahrern immer wieder, dass sie nicht mehr durchfahren dürfen. Für die Fahrer sei das nicht so schön, vermutet Annegret Schleuter, die mit einem Begleiter durch die neue Fußgängerzone spaziert. Die findet sie „zu klein und zu dumm – wenn man eine Fußgängerzone macht, sollte es nicht so ein Kleckeres sein.“

Was er davon halten soll, weiß der Betreiber einer der vier Handy-Shops an dem kurzen Straßenabschnitt noch nicht so recht. Einerseits sei es gut, andererseits schlecht. „Die Kunden haben jetzt keine Möglichkeit mehr, mal schnell etwas abzuholen, weil sie lange nach einem Parkplatz suchen.“ Früher, ergänzt seine Frau, haben sie auch mal kurz in einer Einfahrt halten können. Genau das bereitete dem Anwohner Hermann Weber ständig Probleme, die Zufahrt zu seiner Garage war meistens zugeparkt. Ohnehin sei die Wellritzstraße bislang dafür bekannt gewesen, „dass man hier seine Autos vorführt“, berichtet er. „Dazu noch die Hochzeitskorsos an jedem Samstag, in der Summe machte das sehr viel Lärm.“

Er und seine Frau erwarten sich nun etwas mehr Lebensqualität. Bereits die erste Nacht verlief sehr viel ruhiger. Ab 22.45 Uhr habe etwa anderthalb Stunden lang niemand das Durchfahrtsverbot kontrolliert, erzählt er weiter. Prompt haben Autofahrer es missachtet und auch am Straßenrand geparkt. Um 0.20 Uhr sei der Abschleppwagen gekommen. „Ich wünsche mir, dass die Verkehrspolizei das wirklich kontrolliert, um die Akzeptanz zu erhöhen.“

Das Problem mit Autos, die schräg in Einfahrten stehen, kennt Ralf Nicklas nur zu gut. „Früher kam man mit dem Kinderwagen auf dem Bürgersteig nicht durch, wir mussten deshalb immer die Parallelstraße nehmen“, erinnert sich der Vater von zwei Kindern. Er ist mit seinem kleinen Sohn zur Innenstadt unterwegs und findet es nun viel angenehmer. „Man kann schlendern und muss sie nicht dauernd fest an die Hand nehmen.“ Der kleine Junge ist vor der neuen Außenterrasse des Restaurants „Sultan“ stehen geblieben. Die Terrasse aus Naturholz bietet etwa 40 bis 50 Gästen Platz. Rings herum stehen erhöht 25 Blumenkübel, die mit Margeritenbäumchen, Hortensien und anderem bepflanzt sind. „Ich habe die Pflanzen extra so ausgesucht, dass bis November immer etwas blüht und gut riecht“, sagt der Restaurantinhaber Yücel Aydin. Er wolle damit zeigen, dass er das Pilotprojekt unterstütze, sagt er. „Die Wellritzstraße war wie eine Autobahn, Tag und Nacht fuhren sie hier zum Spaß durch.“ Er möchte, dass die Stadt sie dauerhaft autofrei macht. Viele Menschen leben in den Wohnungen sehr beengt, weiß der 40-Jährige, der früher selbst im Westend wohnte. Gerade Kinder und Ältere trauen sich aber nicht, die Schwalbacher Straße zu überqueren und bleiben deshalb daheim. „Wenn das Westend ohne Verkehr ist, könnten sie mehr raus an die frische Luft.“ Das Risiko, dass wegen der fehlenden Parkplätze womöglich weniger Gäste in sein Restaurant kommen, nehme er dafür gern in Kauf. „Das Beste wäre, wenn die ganze Wellritzstraße zur Fußgängerzone würde“, stimmt ihm Anna Maria Russi zu. Die Erzieherin im Wellritzhof freut sich über die Fußgängerzone: „In dem kinderreichen Viertel haben die Kinder jetzt auch Platz.“

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare