Wiesbaden

Mehr Angst auf öffentlichen Plätzen in Wiesbaden

Befragung der 16- bis 19-Jährigen ergibt ein gestiegenes Unsicherheitsgefühl in der Innenstadt.

Der Platz der deutschen Einheit ist für junge Frauen nachts besonders angsteinflößend. Ähnliche nächtliche Angstorte in Wiesbaden sind der Hauptbahnhof und dann abgeschwächt der Luisen- und der Mauritiusplatz. Wie die Analyse einer Befragung unter den 16- bis 29-Jährigen vom September 2019 zeigt, fühlen sich die Hälfte der Befragten heute weniger sicher im öffentlichen Raum als vor fünf Jahren. Insbesondere Frauen fühlen sich bedroht.

Das Amt für Statistik und Stadtforschung ging im Auftrag des Präventionsrats mit einer repräsentativen Studie der Frage nach, wie sicher sich die jungen Leute in der Stadt fühlen. Ziel ist es, herauszufinden, wo Präsventionsarbeit am besten ansetzen soll. 1325 junge Menschen beteiligten sich an der Befragung.

Fast zwei Drittel von ihnen geben an, sich sicher zu fühlen und das Zusammenleben der unterschiedlichen Teile der Gesellschaft als gut zu betrachten, drei Viertel haben ein hohes Vertrauen in Polizei und Justiz. Trotzdem sind die Ergebnisse der Untersuchung in den Augen der Verfasser als Warnung zu betrachten. Denn über 70 Prozent der Befragten füchten an einigen Plätzen in der Innenstadt Pöbeleien und Bedrohungen (61 Prozent), Diebstahl (45) und sexuelle Belästigungen (53). Insbesondere Pöbeleien und Drohungen haben die Mehrzahl der Befragten bereits erlebt.

Größter Unsicherheitsfaktor sind Menschen am Rande der Gesellschaft. 61 Prozent der Befragten geben an, sich von Obdachlosen und bettelnden Menschen bedroht zu fühlen. Fast genauso viele sind es, die Ausländer, Flüchtlinge und Asylbewerber für bedrohlich halten. Diese Aussage machen den Mitarbeitern des Amtes für Statistik zufolge junge Leute mit und ohne Migrationshintergrund gleichermaßen.

Der Präsident der Polizei Westhessen, Stefan Müller, sieht Parallelen zu Erhebungen in anderen Städten. Obdachlose und junge Männer, die sich respektlos verhielten und sexistisch äußerten, würden auch andernorts als die größten Problemgruppen betrachtet. Allerdings sei die Diskrepanz zwischen dem Rückgang der tatsächlichen Kriminalitätsfällen und der gefühlten Sicherheit bemerkenswert, so Müller. Denn das subjektive Empfinden deckt sich nicht mit der Polizeistatistik, die jedes Jahr belegt, dass Wiesbaden eine sichere Stadt ist, Kriminalität abnimmt und die Aufklärungsrate steigt.

Polizei und Ordnungsbehörde alleine könnten die Probleme nicht lösen. Denn die beiden als störend empfundenen Bevölkerungsgruppen ließen sich meist nichts zu schulden kommen. In der Öffentlichkeit Alkohol trinken oder in Gruppen herumzustehen und Mädchen hinterher zu pfeifen, sei nicht verboten.

Auch Bürgermeister Oliver Franz (CDU) sieht nicht nur Polizei und Ordnungsbehörde in der Pflicht sondern fordert eine gesamtgesellschaftliche Herangehensweise und mehr Sozialarbeit. Für die Obdachlosen und Alkoholiker sollten andere Aufenthaltsorte geschaffen werden. Die Alkoholverbotszone in der Stadt und die Teestube, wo sich Wohnungslose aufwärmen und etwas essen könnten, reichten wohl nicht aus. Auch würden mehr Kontrollen in der Waffenverbotszone nichts bringen. Aufsuchende Sozialarbeit und Angebote für junge Männer mit Migrationshintergrund seien der bessere Weg.

Die Verfasser sehen ein weiteres Alarmzeichen. Nicht wenige Befragte äußerten sich rassistisch, wofür sie deren einseitige Nutzung der sozialen Medien verantwortlich machen. „Die Akzeptanz unterschiedlicher Lebensweisen im öffentlichen Raum scheint zu erodieren“, schreiben sie.

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