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„Auf die Plätze, Farbe, los!“, hieß das Motto im Museum Wiesbaden – und Marie Sophie machte sich ans Werk. 

Wiesbaden

Malhungrig im Museum

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Der erste Aktionstag „Wiesbaden malt“ zieht rund 450 begeisterte Besucherinnen und Besucher an. Und sie kommen aus allen Altersgruppen.

Am unteren Ende des langen Malstocks ist eine Klobürste befestigt. Bärbel Clemens taucht sie in einen Topf mit blauer Farbe ein und malt damit auf ein Papier an der Wand des Ateliers im Museum Wiesbaden. „Endlich kann ich einmal im Großformat malen, das geht sonst nirgendwo“, freut sich die Wiesbadenerin. „Und malen mit Klobürste ist doch auch mal was.“ Die 67-Jährige macht mit bei „Wiesbaden malt!“ – so heißt der Aktionstag, den das Museum Wiesbaden erstmals veranstaltet. Finanziert wird er vom Förderverein „Freunde des Museums Wiesbaden“.

Rund 450 Besucherinnen und Besucher machen begeistert mit. Den Impuls dazu habe die aktuelle Ausstellung „Jetzt! Junge Malerei in Deutschland“ gegeben, sagt Astrid Lembcke-Thiel, Kuratorin für Vermittlung und Bildung. Wie die Künstler, die sich mit Farben und Materialien auseinandersetzen, sollen die Besucher die Gelegenheit dazu haben und sich dabei auch selbst ausprobieren. Das eröffne zugleich einen Zugang zur Ausstellung, denn wer schon einmal selbst gemalt habe, sehe die Bilder mit anderen Augen. „Künstlerisches Denken und Verstehen wird durch eigene ästhetische Erfahrungen ermöglicht“, erläutert die Kuratorin. Angesichts des großen Andrangs ist sie aber selbst überrascht, „wie malhungrig die Wiesbadener sind.“

So pinseln im Edu-Forum Kinder und Erwachsene direkt auf die mit Papier beklebten Wände. Andere malen im Atelier auf Holztafeln oder an der Staffelei Porträts und Stilleben. Manche verewigen sich auf der „Tag-Wall“ mit Graffiti.

Veranstaltungen
Die Museumswerkstatt für Kinder von 6 bis 12 Jahren öffnet am Samstag, 16. November, von 11 bis 13.30 Uhr. Anmeldung erforderlich bis Freitag, 16 Uhr, unter Telefon 0611/3352250, Kosten: 10 Euro.

Offenes Atelier für Familien ist am Sonntag, 24. November, von 15 bis 16.30 Uhr, Erwachsene zahlen 5 Euro, Kinder nichts.

Der Jugend-Kunst-Club trifft sich donnerstags um 16.30 und kostet 65 Euro pro Halbjahr. Anmeldung per E-Mail an: jugendkunstclub@gmail.de.

Auf dem Boden malt Reza Zeinali mit einem langen Pinsel mit roter Farbe schwungvolle Linien, neben ihm kniet einer seiner beiden Söhne und malt ebenfalls. Der 42-jährige Wiesbadener geht mit seiner Frau und den elfjährigen Zwillingen öfter ins Museum. Den Aktionstag findet er großartig: „So viele Malutensilien, so viel Raum und so viele Menschen, die einen inspirieren.“ Ihn begeistert, dass alle Altersgruppen vertreten sind. Kinder sehen so, dass Kunst nicht nur etwas für den Kindergarten oder die Schule, sondern für das Leben sei.

Am Tisch für Collage, Frottage und Grattage arbeiten Annika Hollinsky und Jonas Moghtader aus Oppenheim. So etwas gebe es in Rheinland-Pfalz nicht, sagt die 16-Jährige, „dass man kommen und einfach etwas machen und neue Erfahrungen sammeln kann.“ Sie sei kunstbegeistert und habe ihren Freund mitgeschleift. Doch auch der ist mit Spaß dabei. „Es ist interessant, so viele Materialien und Techniken zu sehen und mal etwas auszuprobieren“, sagt der 19-Jährige. Beide haben vorher noch keine Collagen gemacht, berichtet Annika Hollinsky weiter, der es gefällt, so völlig frei arbeiten zu können. Anschließend wollen die beiden sich noch die Schau „Jetzt!“ anschauen.

Sabine Gauss geht bereits durch die Ausstellungsräume, an ihrer Hand klebt noch Farbe. Erst selbst etwas zu malen und danach die Bilder zu sehen, wo gebe es das schon, schwärmt sie. „Was für eine Freude, wenn einem so etwas zur Verfügung gestellt wird.“ Sie gehe sonst nur in die Frankfurter Museen. „Aber das Museum Wiesbaden hat für mich dadurch gewonnen, ich weiß, dass ich nochmals herkomme“, sagt die Kelsterbacherin.

Im Großen Atelier im Untergeschoss nimmt das Gemälde von Bärbel Clemens derweil Gestalt an. „Das Tolle an dem Aktionstag ist, dass es eben nicht nur für Kinder, sondern für alle ist“, sagt sie. Wie viele andere Teilnehmer hofft sie, dass „Wiesbaden malt!“ wieder angeboten wird.

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