OB-Wahl in Wiesbaden

Letztes Duell der Wiesbadener OB-Kandidaten

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Bei der IHK Wiesbaden sind nur Gewerbesteuer und Stadtbahn strittig.

Gründer, Unternehmer, Gewerbesteuerzahler - dem arbeitgeberfreundlichen Publikum der Industrie- und Handelskammer (IHK) präsentiert sich der CDU-Oberbürgermeisterkandidat Eberhard Seidensticker, Dachdeckermeister aus Schierstein, als handfester Macher. Einer, der als Chef auch mal „die Brust rausdrückt“ und das OB-Büro, falls es nach der Wahl sein eigenes würde, mit fünf Eimern Farbe eigenhändig anstreichen würde. Eine teure Sanierung wie nach dem Amtsantritt des scheidenden OB Sven Gerich (SPD) würde es mit ihm nicht geben.

Die IHK hatte kurz vor der Stichwahl am nächsten Sonntag zum Duell der Kandidaten eingeladen. Vor vollbesetztem Saal jongliert der Moderator Leif Ahrens die beiden Bewerber mit Humor und Eleganz durch den Abend. Unternehmererfahrung? SPD-Kandidat Gert-Uwe Mende gerät ins Stocken, was selten vorkommt. Für gewöhnlich schildert er eloquent, was er für die Stadtpolitik für geboten hält. Aber er kriegt die Kurve. Als SPD-Fraktionsgeschäftsführer führe er auch so etwas wie ein kleines Unternehmen: Mitarbeiterführung, innovative Ideen, Haushaltsplanung – nur Gewinn zu machen sei verboten. Im OB-Büro würde er die Möbel stehen lassen, obwohl sie ihm nicht gefallen. Ob das beim IHK-Publikum punktet?

Beim Rundumschlag der arbeitgebernahen Themen haben die Kandidaten ähnliche Positionen. Öffentliche Aufträge? Keine Generalunternehmer mehr, Aufträge einzeln ausschreiben, damit ortsansässige Unternehmen eine Chance haben. Walhalla-Theater? Sanieren und als Kulturstätte betreiben, um die Innenstadt zu beleben. Hochschulen? Besser vermarkten und studentisches Wohnen ausbauen. Städtische Gesellschaften? Zahl der Geschäftsführer senken und neue Stellen durch Ausschreibungen besetzen.

Unterschiede gibt es bei der Citybahn

Ergänzung Mende: mehr Frauen in Führungspositionen. Gewerbeflächen? Mende: Wir brauchen mehr, daher das Ostfeld vorantreiben. Einschränkung Seidensticker: Wenn die klimatischen Bedingungen dies zulassen. Geklatscht wird öfter und anhaltender für Mende, was in etwa im gleichen Verhältnis zu seinen Redebeiträgen steht, die auch zahlreicher und anhaltender als die Seidenstickers sind.

Unterschiede gibt es bei der Citybahn und der Gewerbesteuer. Seidensticker ist dafür, die Gewerbesteuer zu senken, wofür das Publikum auch verhalten applaudiert. Für Mende wäre dies ein „leichtfertiges Versprechen“, da die von der CDU mitbeschlossenen Hebesätze den Vorgaben der Landesregierung entsprächen. Davon abzuweichen würde die Genehmigung des Haushalts voraussichtlich erschweren, sagt er. Schweigen im Saal.

Der SPD-Mann, Befürworter der geplanten Stadtbahn , möchte die Spaltung innerhalb der Bevölkerung über Ja oder Nein zur Bahn durch einen Bürgerentscheid im Sommer 2020 kitten. So hatte es das Parlament kürzlich beschlossen. Laut Mende gibt es zurzeit keine Alternativen für das Verkehrsproblem. Seidensticker lässt aber offen, ob er das Projekt generell befürwortet. Die Trassenführung über die Biebricher Allee gefalle ihm nicht, gibt er zu. Es gebe auch Stadtbahnen ohne Schienen, wird er von Mende aus der Reserve gelockt. Auf jeden Fall sollten die Geschäftsleute während der Bauzeit als Ausgleich Geld erhalten. Nun gehört der Applaus Seidensticker.

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