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Der lange Schatten

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Die CDU muss klären, wie sie mit der Macht von Führungsfiguren umgehen soll. Ein Kommentar.

Den Namen Bernhard Lorenz hat niemand auf dem CDU-Kreisparteitag genannt. Aber der Satz, der Verhaltenskodex schreibe fest, dass nicht alles, was legal sei, auch erwünscht sei, fiel mindestens drei Mal. Er weist auf den langjährigen Fraktionsvorsitzenden Lorenz, eine starke Führungspersönlichkeit, aus dessen Schatten die CDU herauszutreten versucht. Die bislang abgeschlossenen staatsanwaltlichen Ermittlungen gegen ihn haben kein justiziables Vergehen zutage befördert. Dennoch ist er in Ungnade gefallen. Die enge Verbundenheit mit dem früheren Geschäftsführer der WVV Holding, Ralf Schüler – Lorenz hatte als Aufsichtsratsmitglied der WVV Schüler zu kontrollieren, während er gleichzeitig als Jurist in dessen privater Firma beschäftigt war – war wohl nicht im juristischen Sinne falsch, aber die Menschen empfinden sie als zu eng. Darauf bezieht sich der Kodex, wenn es heißt, dass Bedenken wegen eines Interessenkonflikts zu vermeiden seien.

Wie es so weit kommen konnte, dass die Partei Lorenz gewähren ließ, obwohl sein Verhalten wiederholt auf Unverständnis stieß, bleibt unklar. Warum wurde er jahrelang im Amt bestätigt? Was hat sich die Partei erhofft? Nur das Personal auszutauschen, reicht nicht. Die CDU muss klären, wie sie mit der Macht von Führungsfiguren umgehen soll.

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