Wiesbaden

Landtag soll sich mit Wiesbadener Baugebiet Ostfeld befassen

  • Madeleine Reckmann
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Der Verein Cyperus möchte mit der Petition die Bebauung in Wiesbaden verhindern.

Negative Folgen fürs lokale Klima, die Tier- und Pflanzenwelt, die Landwirtschaft – die Verantwortlichen im Verein Cyperus haben nicht den Eindruck, dass die Stadt ihre seit Jahren vorgebrachten Einwände gegen die Bebauung des Ostfelds ernst nimmt. Deshalb versuchen sie jetzt, sich beim Hessischen Landtag Gehör zu verschaffen.

Vergangene Woche reichte das Mitglied Stefan Büchel beim Land eine Petition ein. „Gewichtige Gründe sprechen gegen das Projekt“, heißt es darin. Zudem sei das Ziel, billigen Wohnraum zu schaffen, nicht zu erreichen. Die Bebauung sei ökologisch und ökonomisch nicht sinnvoll, zudem rechtswidrig und daher einzustellen.

Zurzeit wiegen sich auf den Äckern des Ostfelds Getreideähren, im Gestrüpp leben Insekten und Vögel. Die Feldlerche brütet. Im Feuchtbiotop Petersberg tummeln sich Ringelnattern, Molche und Frösche, Libellen und Wasserinsekten flattern herum. Auf einem Teil des 450 Hektar großen Geländes auf beiden Seiten der A66 plant die Städtische Stadtentwicklungsgesellschaft (SEG) im Auftrag des Magistrats ein Wohngebiet (62,5 Hektar) für 12 000 Menschen und ein Gewerbegebiet (25 Hektar). Nach der Sommerpause sollen die Stadtverordneten den Grundsatzbeschluss für die Planungen fassen.

Streit um Grundstückspreis

Acht Gegenargumente führt der Verein an. Neben den Eingriffen in Natur- und Artenschutz und der Zerstörung der Kaltluftentstehungsgebiete und Frischluftschneisen, die Kastel und die Mainzer Innenstadt erfrischen, zählen auch die schwierige verkehrliche Anbindung und die mangelnde Wasserversorgung für die neue Siedlung dazu. Der Wasserversorgungsverband Main-Taunus-West sieht Probleme, für die 12 000 zusätzlichen Bürger Wasser bereitzustellen. Cyperus schließt sich der Kritik des Verbands an und fordert ein Konzept vor der Grundsatzentscheidung. Außerdem wird kritisiert, dass durch den Flächenfraß 94 Hektar landwirtschaftliche Fläche endgültig verloren gehen, und da sind die Flächen für die Straßen noch nicht mitgezählt.

Der Verein hält die Bebauung für rechtswidrig. Er verweist auf die Einschätzung des Münchner Rechtsanwalts Benno Ziegler, der die Grundlage für die städtebauliche Entwicklungsmaßnahme, für nicht gegeben hält, da diese Maßnahme die Umlegung der Erschließungskosten und den Ankauf der Felder zum Schnäppchenpreis ermöglicht. Ziegler zufolge müssen die Preise für Bauerwartungsland und nicht die für landwirtschaftliche Fläche, wie die Stadt dies tut, zugrunde gelegt werden. Der Rechtsanwalt, der die Grundstücke besitzenden Landwirte vertritt, behält sich juristische Schritte vor. Das Dezernat für Stadtentwicklung und Bau hatte im März auf FR-Anfrage mitgeteilt, dass es an der Einschätzung des Gutachterausschusses, das die Grundstückspreise ermittelt habe, trotz Zieglers Hinweis festhalte.

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