Kuffler erwägt den Rückzug aus Wiesbaden.
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Kuffler erwägt den Rückzug aus Wiesbaden.

Verhandlungen

Kuffler erwägt Rückzug aus Wiesbaden

  • Madeleine Reckmann
    vonMadeleine Reckmann
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Das Unternehmen und die Stadt verhandeln über Aufgabe des Standorts. Das gastronomische Angebot soll ohne Unterbrechung fortgesetzt werden.

Obwohl die Ermittlungen gegen die Kuffler-Gruppe glimpflich ausgegangen sind, möchte das Unternehmen den Standort Wiesbaden verlassen. Wie die Stadt mitteilt, erklärten die Geschäftsführer Stephan und Sebastian Kuffler, dass sie die Aufgabe ihrer geschäftlichen Tätigkeiten in der Landeshauptstadt erwägen. Das Unternehmen schreibt, die Corona-Pandemie habe ihrem Unternehmen stark zugesetzt, staatliche Fördergelder für ihre Gastronomiebetriebe im Rhein-Main-Congress-Center (RMCC) und im Kurhaus würden nicht bewilligt.

Chronik

Wegen Reisenzum Großgastronomen Kuffler nach Saint Tropez, Kitzbühel und München gerät Sven Gerich (SPD) 2018 in die Schlagzeilen.

Der Zwischenberichtdes Revisionsamts stellt im Herbst 2018 Mängel bei der Vergabe des Gastro-Auftrags Rhein-Main-Congress-Center fest.

Die StaatsanwaltschaftMünchen ermittelt seit April 2019. 


Die Brüder Kufflerbeantworten im September 2019 die Fragen des Magistrats. Dabei kommt heraus, dass Gerich öfter bei Kufflers zu Gast war, als er zuvor angegeben hatte.

Nun verhandeln die Stadt und Kufflers darüber, wie der Abschied nach 30 Jahren vertraglich zu bewerkstelligen ist. Keiner der Beteiligten habe Interesse daran, dass die Restaurants und die Bewirtung der Kunden des RMCC ohne Pächter bleiben. Das gastronomische Angebot solle ohne Unterbrechung fortgeführt werden, sagen Bürgermeister und Wirtschaftsdezernent Oliver Franz (CDU) und Stephan und Sebastian Kuffler einhellig. Ob Kuffler auch die Anteile an der Spielbank-Konzession abgeben möchte, ist noch unklar. Ursprünglich wollte das Unternehmen die Anteile der Käfer-Gruppe kaufen, wodurch es über ein Drittel der Konzessionsanteile verfügt hätte. Aber die Stadtverordneten verweigerten ihre Zustimmung, bis alle Compliance-Vorwürfe entkräftet seien.

Überrascht, aber zufrieden nehme die SPD-Rathausfraktion den Wunsch der Kuffler-Gruppe nach Rückzug zur Kenntnis, schreibt Fraktionschef Hendrik Schmehl. Die Vergabe des RMCC-Caterings sowie der Kurhausgastronomie und Spielbankkonzession sei von Ungereimtheiten, staatsanwaltlichen Ermittlungen und Akteneinsichtsausschüssen überschattet worden. Wegen des wirtschaftlichen Risikos sei die SPD bislang gegen eine Kündigung der Kuffler-Verträge gewesen. Nun sei der Weg frei, neue Konzepte zu entwickeln.

Die Grünen, die stets wegen des Verdachts der unsauberen Geschäfte auf eine Kündigung hingewirkt hatten, bedauern, dass die Gespräche nicht früher stattfanden. Fraktionschefin Christiane Hinninger sagt: „Die Stadt hätte im Herbst 2019 mit Kuffler verhandeln müssen.“ Schon damals sei die Regelwidrigkeit der Verträge bekannt gewesen. SPD und Grüne betonen, dass die Aufklärung der Vorwürfe fortzusetzen sei.

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