Wiesbaden

Klos für die Wiesbadener Obdachlosen

  • Madeleine Reckmann
    vonMadeleine Reckmann
    schließen

Die Teestube in Wiesbaden organisiert Essen und ruft die Bürger auf, Alkohol zu verschenken.

Kein Platz zum Aufwärmen, kein Essen, kein Trinken, keine Gesellschaft und auch keine Toiletten: Die Obdachlosen trifft der Lockdown am härtesten. Nachdem die Teestube des Diakonischen Werks schließen musste, stehen Personen ohne eigenes Zuhause auch noch ohne Anlaufstelle da. „Das ist eine hochdramatische Situation“, berichtet Matthias Röhrig, Leiter der Teestube, „das einzige, was diese Leute haben, ihre sozialen Kontakte, brechen jetzt weg,“ Die Mitarbeiter der Teestube sind aber dabei, Hilfe zu organisieren.

„Zweimal täglich verteilen zwei Kolleginnen Lunchpakete und Schlafsäcke“, sagt Röhrig auf Anfrage. Hundert Schlafsäcke seien schon übergeben worden. Mehrere Kirchengemeinden, darunter die katholische Bonifatiusgemeinde, bereiteten täglich 25 Lunchpakete mit belegten Broten, einem süßen Riegel, Obst und einem Getränk zu, die später verteilt würden. Der Fanclub „Adler and Friends“ habe seine Küche zur Essenszubereitung für die Obdachlosen zur Verfügung gestellt. Eine Sozialarbeiterin, die rumänisch, polnisch oder bulgarisch spreche, begleite die Sozialarbeiterin der Teestube, um den ausländischen Obdachlosen die Situation zu erklären.

Wegen der geschlossenen Kneipen und Geschäfte geraten die Obdachlosen in eine unangenehme Lage, über die sonst nicht gesprochen werde: „Sie wissen nicht mehr, wo sie auf Toilette gehen können“, sagt Röhrig. Er sei mit der Stadtverwaltung im Gespräch, einige Dixieklos und Duschen aufzustellen.

Da die Obdachlosen sich kein Geld durchs Flaschensammeln dazuverdienen können, bittet Röhrig die Bürger, ihnen Alkohol zu schenken. Er sagt: Wir wollen vermeiden, dass sie ins Trockendelirium fallen.“

Mehr zum Thema

Kommentare