Junge Raupen in ihrem Gespinst.  
+
Junge Raupen in ihrem Gespinst. 

Natur

Keine Angst vor der Gespinstmotte

  • Madeleine Reckmann
    vonMadeleine Reckmann
    schließen

Im naturnahen Garten richtet der Falter nicht so große Schäden an. Seine natürlichen Fraßfeinde helfen Gärtnern bei der Bekämpfung.

Die Blätter - ratzekahl gefressen. Das Pfaffenhütchen, das im Herbst mit seinen roten Blüten das Herz erfreuen sollte, bietet einen Anblick des Jammers. Von dichtem hellem Gewebe ist die Pflanze vollständig umwickelt. Das ist nicht das Werk von Spinnen. Die Gespinstmotte hat zugeschlagen, ein einheimischer Falter mit weißen Flügeln und schwarzen Punkten darauf.

„Neun Arten der Gespinstmotte gibt es in Europa“, erklärt Bruno Lörke, „jede hat sich auf bestimmte Pflanzen spezialisiert.“ Deshalb rät der Gärtnermeister in der hessischen Gartenakademie in Kassel zur Gelassenheit. „Die Gespinstmotte geht nicht an Nahrungsmittel und nicht an Kleider“, beruhigt er, „sie hat keine Brennhaare, löst keine Allergien aus und ist für Menschen harmlos.“ Der Bauplan der Natur hat ihr nur Appetit auf diese eine Pflanze mitgegeben.

Ansonsten heißt es abwarten. Wenn der Falter Ende Juni/Anfang Juli geschlüpft ist, treiben die Bäume und Sträucher wieder aus. „Die Gespinstmotte gehört nicht zu den bekämpfungswürdigen Insekten, denn die Pflanzen sterben durch sie nicht ab“, sagt Lörke. Auch über Apfel- und Birnbäume macht sich eine Art her.

Zur Schere greifen

Wer die temporären Gespinste und kahlen Büsche und Bäume dennoch nicht tolerieren möchte in seinem Garten, sollte zur Schere greifen und die befallenen Äste herausschneiden - sofern die Falterlarven nicht so wie Christo den Reichstag die komplette Pflanze eingewickelt haben. Für das biologische Spritzmittel „Bacillus Thuringiensis“ dürfte es zu dieser Jahreszeit zu spät sein. Das hilft am besten, wenn die jungen Raupen die Blätter annagen, Anfang Mai. Doch dann sind sie kaum zu sehen, weil klitzeklein. Jetzt durchdringt das Spritzmittel nur noch sehr schwer die Netze.

Lörke empfiehlt daher die Grundsätze des integrierten Pflanzenschutzes: Alles zu tun, um den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln zu minimieren. Beim Kauf der Pflanzen sollten die Gartenliebhaber darauf achten, dass die Stauden und Gehölze widerstandsfähig und bienenfreundlich sind. Zudem helfen möglichst vielgestaltige Lebensräume im Garten Schädlinge einzudämmen, so der Fachmann. Denn jede einheimische Art hat einheimische Gegenspieler. Marienkäfer vertilgen Läuse, die Eigelege der Gespinstmotte sind für Schlupfwespen und Zehrwespen ein Leckerbissen. Auch Ohrenwürmer und Florfliegen laben sich gerne daran. Ein mit Stroh oder Holzwolle gefüllter Blumentopf schenkt den nachtaktiven Ohrwürmern ein Plätzchen zum Ausruhen am Tag. Die Florfliege lässt sich mit Pollenpflanzen als Futter in den Garten locken.

Möglichst viele unterschiedliche Pflanzen und Lebensräume werden wegen des Klimawandels bedeutender. Die Gespinstmotte etwa wird künftig häufiger auftauchen. Denn die Falter benötigen im Juni warme Nächte für die Eiablage. Und ihre Zahl wird zunehmen.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare