Erhaltenswert, aber nicht schützenswert: Die Horst-Schmidt-Kliniken in Wiesbaden.

Wiesbaden

Kein Denkmalschutz fürs Wiesbadener Klinikum

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Brutalismus-Aufruf zum Erhalt des HSK-Gebäudes verhallt wirkungslos.

Die Tage des alten Klinikgebäudes der Horst-Schmidt-Kliniken scheinen gezählt zu sein. Der offene Brief, in dem Architekturexperten im Oktober um den Erhalt der HSK-Gebäude baten, erzielte nicht die erhoffte Wirkung. Oliver Elser, Kurator des Deutschen Architekturmuseums Frankfurt (DAM), und andere hatten im Oktober darum gebeten, die Bauten im Stil der 1960er und 1970er Jahre nicht wie vom Helios-Konzern geplant abzureißen, da sie „ein einzigartiges Ensemble der Nachkriegsmoderne“ seien.

Das Landesamt für Denkmalpflege schließt sich nur bedingt dieser Meinung an. Die Gebäude seien „durchaus erhaltenswert, aber nicht mit Mitteln der Denkmalliste“, heißt es in einer Stellungnahme der Behörde vom November, die an Elser ging. Denkmalqualitäten lägen nur in Teilen vor, insgesamt reichten sie aber nicht für den Denkmalstatus aus.

Trotzdem weise der Krankenhauskomplex, der zwischen 1976 und 1982 entstand, künstlerische Qualitäten wie die „expressiv-skulpturale Form der Kinderklinikgebäude“ und das Anlieferungsgebäude mit seinen offenen Erschließungsgängen auf, befindet das Landesamt. Die Merkmale des Brutalismus – die Sichtbarkeit der Baustoffe und der Konstruktion – seien aber nicht die bestimmenden Faktoren des Gesamtkonzepts.

Die Bettenhäuser seien schlicht gestaltet und verlören durch die Nachverdichtung an Schönheit. Zudem zeichne sich die gesamte Anlage durch „ästhetische Beliebigkeit“ aus; das in den 1990er Jahren eingefügte Empfangsgebäude werde als störend empfunden. Da der bauliche Zustand bemerkenswert gut sei, solle dennoch darüber nachgedacht werden, das Gebäude nicht abzureißen.

Davon möchte Helios aber nichts wissen. „Bereits während der städtischen Trägerschaft wurde eine Sanierung des bisherigen Gebäudes ausgeschlossen, und an den damaligen Gründen dürfte sich nichts geändert haben“, teilt eine Sprecherin mit. Patienten, Angehörige und Mitarbeiter spürten täglich die Nachteile der veralteten Substanz und Struktur und könnten den Umzug in den Neubau kaum erwarten. Der Abriss des alten Bettenhauses und der Kinderklinik war zudem Bedingung für die Genehmigung des Neubaus. An der Stelle der Altbauten soll ein Park entstehen, der einen Teil der zugebauten Grünfläche wiederherstellt. Der Umzug in den Neubau ist für 2021 geplant.

Das DAM hat 2017/2018 mit der Ausstellung „SOS Brutalismus“ begonnen, international Denkmalinitiativen zu unterstützen, die sich für den Erhalt gefährdeter Bauten der Nachkriegsmoderne einsetzen. Das HSK-Gebäude hat sie in ihre Online-Datenbank zu besonderen Bauten der Nachkriegsmoderne aufgenommen. Eine Studentin hatte Elser auf den bemerkenswerten Wiesbadener Klinikbau und den bevorstehenden Abriss aufmerksam gemacht.

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