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Mit einem Zettel verdeckt der Angeklagte Ali B. beim Betreten des Gerichtssaals sein Gesicht. Neben ihm sein Anwalt Martin Reineke.

Wiesbaden/Mainz

Höchststrafe für Susannas Mörder

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Für die Tat an der 14-Jährigen muss Ali B. 15 Jahre hinter Gittern.  Erleichtert reagiert  die Mutter des Mädchens auf das Urteil

Er hat Susanna vergewaltigt und heimtückisch getötet. Zeigt keine Reue, kein Mitgefühl: Weil er die 14-Jährige aus Mainz ermordet hat, verurteilte das Landgericht Wiesbaden Ali B. am Mittwoch zu einer lebenslangen Haft. Dass er nach 15 Jahren frei kommt, ist wegen der „Schwere der Schuld“ unwahrscheinlich. Die Kammer sprach die Sicherungsverwahrung allerdings wegen der Jugend des 22 Jahre alten Irakers „mit Vorbehahlt“ aus.

Erleichtert reagierte die Mutter des Mädchens auf das Urteil: „Ich bin dankbar, dass er keinem Menschen mehr etwas tun kann“, sagte sie nach der Verkündung unter Tränen. „Auf der anderen Seite bringt mir das meine Tochter nicht mehr zurück.“ Zuvor hatte sie ein letztes Mal dem 22-jährigen Angeklagten gegenübersitzen müssen, der im Laufe der 16 Verhandlungstage versucht hatte, Susanna schlecht zu machen.

Ein durchsichtiges Manöver: „Sie wollten dieses Mädchen“, sagte der Vorsitzende Richter Jürgen Bonk an den Angeklagten gewandt, der während der mehr als zweieinhalbstündigen Urteilsverkündung keine Miene verzog. Seine Behauptung, es habe einvernehmlichen Geschlechtsverkehr gegeben, sei unglaubwürdig. Das Mädchen habe keinerlei Zuneigung gegenüber ihn empfunden. Im Gegenteil: Susanna habe Angst vor ihm gehabt, nachdem er sie drei Wochen vor der Tat sexuell bedrängt hatte. Die Jungs in der Clique hätten alle Mädchen vor dem 22-Jährigen gewarnt. Der habe ausgenutzt, dass die 14-Jährige unerfahren und in seinen jüngeren Bruder verliebt war. „Mit enormer Beharrlichkeit und tödlicher Konsequenz“ habe Ali B. sein Interesse an Susanna verfolgt und sie am 22. Mai 2018 in Wiesbaden erfolgreich in der gemeinsamen Freundesgruppe isoliert.

Keine aufrichtige Entschuldigung

Ali B. habe sich nicht mit seinem Handeln auseinandergestezt. Seine Entschuldigung an die Mutter sei nicht aufrichtig gewesen. Grund sei seine „hochgradig selbstbezogene und empathielose“ Persönlichkeitsstruktur. Der 22-Jährige besitzte „deutliches Manipulationsgeschick“, sei besessen von Mädchen, die Jungfrauen sein mussten. Bonk: „Frauen waren für Sie nichts anders als Mittel zur selbstbezogenen Befriedigung.“ Seine kurdische Herkunft spiele dabei keine Rolle: „Der von Ihnen gelebte Umgang mit Frauen wird weder im Irak noch hier toleriert.“

Der Mutter sprach der Richter seinen persönlichen Respekt aus. Es gebe keinen Grund, sich Vorwürfe zu machen. Gleiches gelte für die gleichaltrigen Freundinnen. Verantwortlich für den Tod der 14-Jährigen sei alleine das kriminelle Handeln des „kaltblütig agierenden Angeklagten“. Die Mutter habe dem Gericht geholfen, Susanna als ein „freundliches, zurückhaltendes, liebenswertes Mädchen“ kennenzulernen. „Das ist Ihnen eindrucksvoll gelungen. Sie habe Gerüchte und Spektulationen über den Lebenswandel ihrer Tochter hinweggefegt. „Trotz dieses ungeheuren Verlusts haben Sie das Verfahren gemeistert.“ Die Beziehung zu ihrer Tochter sei von großem Vertrauen geprägt gewesen. Sie habe ihr Freiheit gelassen und Hilfe angeboten, wenn es Probleme gab. Susanna habe gelernt, ihre Standpunkte klar zu benennen. „Sie konnte klar sagen, was sie nicht wollte.“

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Ali B. verachte Frauen, so der Richter: „Ich habe doch nur ein Mädchen tot gemacht“, habe er der Gutachterin gesagt. Er fühle sich generell Menschen überlegen. .

Das zeigt ein zweiter Fall, der ebenfalls Gegenstand des Prozesses war: Ein Raubüberfall auf einen jungen Mann, dem der 22-Jährige einen Zahn einschlug und den er mit gezücktem Messer versuchte, zu vergewaltigen. Das Opfer konnte fliehen.

Ali B. sei „hochgefährlich“, befanden die Richter. Deshalb die Sicherunsgverwahrung mit Vorbehalt. Um seine sexuellen Bedürfniss zu befriedrigen, vergehe er sich an Mädchen, um an Geld zu kommen begehe er Vermögensdelikte. „Es kann jeden treffen.“

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