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Feuerwehrübungen auf dem US-Militärflugplatz sind wohl für das verseuchte Wasser verantwortlich. Der Löschschaum enthält Gifte.

Wiesbaden

Giftiges Grundwasser: Brunnen in Wiesbaden belastet

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Das verseuchte Grundwasser auf der Airbase Erbenheim sickert in die umliegenden Gewässer, auch ein Brunnen eines benachbarten Ökolandbaubetriebs ist betroffen.

Das giftige Grundwasser auf dem Flughafen der US-Army in Erbenheim ist wohl auch in zwei Brunnen der Domäne Mechtildshausen gesickert. Zwar ist die Belastung dort sehr viel niedriger als auf der Air Base, aber die Messwerte liegen leicht über dem Leitwert. Die beiden Brunnen werden nicht mehr genutzt, seitdem im Juni 2019 das Hessische Landesamt für Naturschutz, Umwelt und Geologie die erhöhten Messwerte dem Geschäftsführer der Domäne mitgeteilt hatte.

Über die schädlichen per- und polyfluorierten Chemikalien (PFC) auf der Air Base und den Bächen der Umgebung hatte zunächst der HR berichtet. Die Domäne Mechtildshausen ist ein Landwirtschaftsbetrieb mit ökologischem Anbau, den die Stadt als Ausbildungsstätte für benachteiligte Jugendliche betreibt. Er liegt in Nachbarschaft zur Air Base. Die PFC-Stoffe weisen laut Bundesumweltministerium „besorgniserregende Eigenschaften“ auf. In Tierversuchen stellten sich die Substanzen als krebserregend heraus. Zudem stehen sie im Verdacht, die Fruchtbarkeit von Frauen und Männern negativ zu beeinflussen.

Ursache für die Verseuchung ist wahrscheinlich der Löschschaum, den die Feuerwehr der US Air Base für ihre Übungen nutzte. Löschschaum enthält einige der PFC-Stoffe. Der HR berichtet, dass auf der Air Base 104 und in einem Brunnen in der Nähe 46,3 Mikrogramm pro Liter eines der PFC-Stoffe gemessen wurde. Der Leitwert liegt bei 0,1.

In einem Brunnen auf dem Hofgut Mechtildshausen überschreitet der Wert der Perfluorhexansulfonsäure (PFHXS), einer der Stoffe aus der PFC-Gruppe, den Leitwert um das 1,6-Fache und im anderen Brunnen um das 2,3-Fache, teilt Geschäftsführer Werner Backes auf FR-Anfrage mit. Mit dem Brunnenwasser sei zuvor das Gemüse gegossen worden.

Seit Juni 2019 wird Wasser aus weiteren Brunnen der Domäne und Trinkwasser des Wiesbadener Versorgungsunternehmens Eswe zum Bewässern der Felder und für die Tiere genutzt. Im Winter komme das Wasser nur aus der Eswe-Leitung, sagt Backes. Die Geschäftsführung sieht sich aufgrund der Aufregung um die erhöhten Werte veranlasst, auch die anderen Brunnen auf dem Gelände untersuchen zu lassen. Auch die Kontrolle des Wintergemüses, das noch auf den Feldern steht, sei in der Diskussion, sagt Backes. „Es geht kein Brunnen in Betrieb, bevor er nicht beprobt und das Wasser für in Ordnung befunden wurde“, versichert er. Er gehe davon aus, dass die Lebensmittel der Domäne nicht belastet seien.

Dass die Air Base mit Stoffen aus der PFC-Gruppe verseucht ist, ist der Stadt schon seit 2012 bekannt. 2014 hätten das städtische Umweltamt und das Regierungspräsidium Darmstadt eine großräumige Erkundung auf dem Gelände durchgeführt, teilt das Umweltamt auf FR-Anfrage mit. Die Ergebnisse seien dem Umweltausschuss übermittelt worden. „Damals wurde gesagt, die Giftstoffe würden in einem unterirdischen See unter der Air Base verharren“, erinnert sich der Grünen-Stadtverordnete Ronny Maritzen. Das Thema sei nicht verfolgt worden.

Seit 2017 werden auch die Bäche in der Umgebung überprüft. Wegen der überhöhten Werte des Käsbachs wird er seit 2018 regelmäßig kontrolliert, um gebenenfalls die Nutzung des Bachwassers zu verbieten, teilt das Umweltamt mit. Das zuständige Regierungspräsidium Darmstadt sah bislang keinen Grund, die Öffentlichkeit über die hohen Messwerte zu informieren. „Wir beobachten das im Moment“, sagt ein Sprecher auf FR-Anfrage. Einem Schreiben an die Stadt zufolge sei dies mit geringen Erfahrungen im Umgang mit PFC begründet worden. Weiter führt der Sprecher an, dass es für die PFC-Stoffe keine einheitlichen Grenzwerte gebe.

Die Bundesregierung bereitet gerade einen Gesetzentwurf vor, dessen Festlegungen abgewartet werden würden. Wissenschaftler arbeiten mit Leitwerten, die allerdings nur empfehlenden Charakter haben. Eine Studie des Bayerischen Landesamtes für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit weist nach, dass Gemüsepflanzen PFC-Stoffe aus Wasser und Boden aufnehmen. Dem Umweltamt zufolge wird der Löschschaum aktuell nicht mehr genutzt. Seit 2019 gibt es eine Leitlinie des Regierungspräsidiums zum Umgang mit PFC-haltigen Materialien auf der Kaserne.

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