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Singen macht Freude wie hier beim Singfest im Staatstheater im März.

Wiesbaden

Mit Gesang zum Glück

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Strecker-Stiftung finanziert Leuchtturmprojekt „Singen ist klasse“ für Wiesbadener und Mainzer Grundschulen.

Singen mache glücklich, berühre die Seele, fördere die Lesefähigkeit und das Sozialverhalten – wer den Verantwortlichen für das neue Gesangsprojekt an Wiesbadener und Mainzer Grundschulen zuhört, spürt, dass nicht nur die Musik, sondern auch das Engagement für Musik glücklich macht. Von diesem Glück sollen nun Grundschulkinder aus Mainz und Wiesbaden ein großes Stück abbekommen. Die dem Mainzer Schott-Musikverlag nahe stehende Strecker-Stiftung stellt 250 000 Euro für das Leuchtturmprojekt „Singen ist klasse“ zur Verfügung. Mit dem Geld soll an ausgewählten Grundschulen für drei Jahre intensiver Musikunterricht bezahlt werden.

„An 80 Prozent der Schulen in der Region gibt es keinen richtigen Musikunterricht, entweder fällt er aus oder es wird fachfremd unterrichtet“, bedauert Peter Hanser-Strecker, Vorsitzender der Strecker-Stiftung, als er gestern die Bildungsinitiative vorstellte. Dabei sei es wichtig, dass Kinder mit Musik in Berührung kämen. Dem Musik-Manko an Schulen möchte er entgegenwirken.

Singen ist klasse
An der Bildungsinitiative der Strecker-Stiftung beteiligen sich in Wiesbaden die Geschwister-Scholl-Schule, die Friedrich Ludwig Jahn-Schule, die Ludwig Beck-Schule, die Anton Gruner-Schule, die Hebbelschule und die Freiherr vom Stein-Schule. In Mainz sind die Pestalozzischule, die Grundschule Mainz-Mombach West (Am Lemmchen Schule) und die Grundschule Mainz-Laubenheim dabei. Insgesamt sind es 500 Kinder.

Damit das Projekt ausgeweitet werden kann, erbittet die Stiftung um Spenden bei der Deutschen Bank Mainz, DE18 5507 0040 0033 0969 00. Verwendungszweck: Singen ist klasse.

Förderer könnten auch Patenschaften für ein Schuljahr (2500 Euro) oder eine Schulklasse von der zweiten bis zur vierten Klasse (7500 Euro) übernehmen.

Die Kinder werden ihr Gesangsrepertoire am 28. Juni im Staatstheater Wiesbaden vorführen. 

Sein Leben hat Hanser-Strecker in den Dienst der Musik gestellt. Seit 1983 ist der 77-jährige Wiesbadener Geschäftsführer des Schott-Musikverlags. Anlass für die große Spende für die Musikerziehung ist das Jubiläum zum 250-jährigen Bestehen des Schott-Verlags im kommenden Jahr. Die Initiative kommt vor allem Brennpunktschulen und Schulen mit einem hohen Anteil an Kindern mit Migrationshintergrund zugute.

Musiklehrer der Wiesbadener Musik- und Kunstschule und des Mainzer Peter-Cornelius-Konservatoriums sollen nun die Schüler eine Stunde in der Woche „an die Magie der Musik“ heranführen, wie Christoph Nielbock, ehemaliger Direktor der Wiesbadener Musik- und Kunstschule, sich ausdrückt. Von der zweiten bis zur vierten Klasse erhalten die Schüler wöchentlichen Singunterricht, der in den Stundenplan am Vormittag eingefügt ist. Der Unterricht ist kostenfrei. Die ausgebildeten Gesangspädagogen erarbeiteten mit den Kindern ein speziell abgestimmtes Aufbauprogramm, das Bewegung und Singen verknüpfe, heißt es in der Projektbeschreibung auf dem Faltblatt. Das Repertoire der Lieder umfasse traditionelle Volkslieder, moderne Songs und internationale Lieder, Musikspiele, Rhythmustraining und spielerische Stimmbildung. In allen Schulen werden die gleichen Lieder eingeübt, so dass die Kinder auch gemeinsam auftreten können.

In Wiesbaden haben die Musik- und Kunstschule und einige Grundschulen bereits Erfahrung mit dem ähnlichen Programm „Liederinsel“. Allerdings sei der Musikunterricht mit weniger Geld und nicht so kontinuierlich erfolgt wie er jetzt vorgesehen ist. Lehrer und Schulleiter hätten damals „mit großer Dankbarkeit“ berichtet, dass sich in Folge des Singunterrichts „das soziale Klima an den Schulen verbesserte“, sagt Nielbock. Das Ziel sei, dass nach Ablauf der drei Jahre andere Sponsoren für das Projekt aufkommen.

Gerhard Scholz, Direktor des Peter-Cornelius-Konservatoriums, berichtet ebenfalls von positiven Erfahrungen mit zusätzlichem Musikunterricht an einer Brennpunktschule in der Mainzer Neustadt. „Die Kinder lernen besser lesen, denn sie müssen ja die Liedtexte lesen“, sagt er. Zudem verbessere sich das Miteinander. Er hofft daher auf eine kommunale Finanzierung des Projekts. „Mein Ziel ist es, dass es Singunterricht an allen Grundschulen in beiden Städten gibt“, sagt er.

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