Casino Wiesbaden

Die Wiesbadener Skandale kommen auf die Bühne

  • schließen

Das Theaterstück „Casino Wiesbaden“ arbeitet die Rathausskandale künstlerisch auf.

Der freie Regisseur Clemens Bechtel hat schon Stücke zur Friedenspolitik, Entwicklungspolitik und zur Staatssicherheit gemacht. In „Staatssicherheiten“ ließ er in Potsdam ehemalige Stasi-Häftlinge auftreten. Das unter dem Arbeitstitel noch zu schreibende Stück „Casino Wiesbaden“ ist sein erstes Recherchetheater zur Kommunalpolitik.

Auf die Bühne kommt, was die Stadtgesellschaft ein Jahr lang tief bewegte: Die unter dem Stichwort Wiesbadener Skandale subsumierte lange Kette von Vorwürfen von Korruption, Vergünstigungen, lukrativen Verträgen und illegalen Machenschaften im Rathaus und in der Wirtschaft, an deren Ende der Geschäftsführer der Wiesbaden Holding entlassen wurde und der Oberbürgermeister nicht mehr zur Wahl antrat.

„Kommunalpolitik hat andere Formen von Politik, ich weiß auch noch nicht, wer wofür zuständig ist“, gesteht Bechtel, der schon öfters für das Staatstheater Wiesbaden arbeitete. Aber die konkreten Vorfälle wiesen Eigenschaften auf, die Theaterleuten bekannt sind. „Das hat komische Züge und tragische Züge, auch Kleingeistigkeit – Zutaten, die für das Theater interessant sind“, sagt Bechtel.

Um Einblick in die Hintergründe der Geschehnisse zu bekommen, bitten er und die gerade nach Wiesbaden zugezogene Dramaturgin Marie Johannsen zurzeit Beteiligte zu vertraulichen Gesprächen. Ob der frühere Oberbürgermeister Sven Gerich (SPD) und der frühere Holding-Chef Ralph Schüler die Einladung tatsächlich annehmen, verraten sie nicht. „Es geht uns weniger um eine dokumentarische Abbildung, sondern um die Rolle von Freundschaft und Verrat in der Politik. Darum, was Macht mit Menschen anstellt. Macht sie blind? Und was bedeutet Machtverlust?“ Auch die Presse wird, so Bechtel, im „Zentrum der Aufmerksamkeit“ stehen. „Wer ist diese vierte Gewalt? Und wer versucht, mit ihr zu spielen?“

Autor des Stückes ist der Dramatiker und Blogger David Gieselmann. Wie er aus den Versatzstücken ein Theaterstück baut, bleibt offen. Bechtel spricht von Improvisation und davon, dass die Schauspielerinnen und Schauspieler in den Entstehungsprozess eingebunden werden. Anfang November sollen die Proben beginnen.

Spannend ist, wie Bühnenbildner Ulrich Frommhold das Stück ausstatten wird. Ein Raum mit vielen Türen, durch die Leute verschwinden und die man zuknallen kann? In dem alles, was Halt gibt - Geländer, Sockel, Mauern - wegbricht, sobald sich jemand darauf stützt? Oder ein Dschungel mit wilden Tieren? Für Bechtel und Johannsen steht fest, dass die Stadt als gefährlicher Ort erscheinen soll, wo nichts ist, wie es scheint.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare