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Szene aus dem Film „The painted Bird“ von Vaclav Marhoul.

Wiesbaden

Filmfestival in Wiesbaden: Online gen Osten

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Das GoEast-Filmfestival in Wiesbaden verlegt seine 20. Ausgabe ins Netz. Filme zum Thema Ost- und Mitteleuropa sind ab dem 5. Mai„on Demand“ abrufbar.

Misshandelte Mischlingshunde übernehmen die Macht in Budapest. Ein tschechischer Roma und Ex-Sträfling sucht bei den Filmfestspielen im französischen Cannes sein Glück und seine große Liebe. Filme wie die ungarische Tierparabel „White God“ von Kornél Mundruczó oder die tschechische Europareise „Skokan“ von Petr Václavs gehören zum Programm von Go-East, dem Festival des mittel- und osteuropäischen Films, das in diesem Jahr vom 5. bis 11. Mai in Wiesbaden laufen sollte. Ausgerechnet die 20. Ausgabe des seit 2001 vom Deutschen Filminstitut und Filmmuseum gegründeten Festivals wird wegen der Corona-Pandemie und geschlossenen Kinos nur online zu erleben sein.

„Skokan“ von Petr Vaclav.

Go-East, das jedes Jahr 12 000 Gäste und ein namhaftes Fachpublikum anlockt, versteht sich als Brückenbauer auf zahlreichen Ebenen und will „tief im Westen die Vielfalt und den Reichtum des mittel- und osteuropäischen Kinos stärker in das öffentliche Bewusstsein rücken“, heißt es auf der Homepage: Programme schlagen den Bogen von aktuellen filmischen Positionen zu filmhistorischen Raritäten, vom Experiment zum Arthouse und Mainstream made in Mittel- und Osteuropa. Das Festival begreift seine Arbeit stets im Kontext differenzierter gesellschaftspolitischer, filmästhetischer und filmtheoretischer Debatten und fungiert als Dialogforum zwischen Ost und West, aber auch als Akteur und Multiplikator kreativer Interaktion, mit Panels und Workshops, Vorträgen und Filmgesprächen.

Das Go-East-Festival des mittel- und osteuropäische Films gibt es in der Jubiläumsausgabe 2020 zunächst ausschließlich online, und zwar vom 5. bis zum 11. Mai. 


Die Langfilme sind online für jeweils 6,50 Euro während des Festivalzeitraums erhältlich. Die Filme stehen nach dem Ausleihen für 24 Stunden zum Abspielen zur Verfügung.

Die Masterclass mit Václav Marhoul, das Werkstatt-gespräch mit Radu Jude und noch weitere Gesprächspanels werden jeweils kostenlos angeboten.
Und die Ausstellung „Memes aus Slawistan“ wird ebenfalls online konzipiert.  

www.filmfestival-goeast.de

Doch all das wird es in diesem Jahr nicht geben, zumindest nicht analog. Stattdessen stellt Go-East ausgewählte Werke aus seinem Programm vom 5. bis 11. Mai auf seiner Website „On Demand“ zur Verfügung. Zu den filmischen Highlights des Angebots gehört die vollständige Go-East-Jubiläumssektion „Europa, Europa“, die den Gründungsgedanken des Festivals mit Filmkunst würdigt. Diverse Aspekte der europäischen Lebensrealität werden kritisch beleuchtet. Zu sehen sind neben „White God“ oder „Skokan“ die Produktion „Western“ von Valeska Grisebach, in der die Lebensrealitäten deutscher Bauarbeiter in Bulgarien inszeniert wurden. Juris Kursietis Migrationsdrama „Oleg“ zeigt dagegen das harte Schicksal eines lettischen Gastarbeiters in Belgien. Auch eine Liebesgeschichte aus dem Warschauer Ghetto ist dabei. Der polnische Regisseur Andrzej Wajda starb, bevor er den Film gemeinsam mit Jolanta Dylewska zu Ende drehen konnte, aber Dylewska, bekannt als Kamerafrau von Agnieszka Holland, hat „Marek Edelmann … and there was Love in the Ghetto“ alleine zu Ende inszeniert.

Ein weiteres Highlight von „Europa. Europa“ ist zudem „The painted Bird“ von Václav Marhoul, der die diesjährige Masterclass, ebenfalls online, abhält. Auch online verfügbar sind osteuropäische Genre- und Dokumentarfilme aus der Sektion Bioskop sowie das urbane Kurzfilmprogramm Anarcho Shorts.

Mit der Caligari-Filmbühne in Wiesbaden ist nicht nur der Hauptspielort von Go East, sondern ein wahres Juwel altehrwürdiger kommunaler Lichtspielhäuser während der Corona-Krise seit Wochen geschlossen. Trotzdem wird es einen Programmschwerpunkt geben: Der russische Virtual-Reality-Künstler und Gewinner des Open Frame Award 2018, Denis Semionov, hat gemeinsam mit Kurator Georgy Molodtsov das 94 Jahre alte Kino virtuell „nachgebaut“, um dort die Wettbewerbsbeiträge des Open Frame Award zu zeigen. Im Foyer können die VR-Künstler und das Publikum sich virtuell unterhalten. Dank spezieller Software ist der virtuelle Ort auch am PC zugänglich. Alternativ wird ein Livestream des Programms angeboten. Der „Eintritt“ ist frei.

„Marek Edelmann“ von Jolanta Dylewska und Andrzej Wajda.

Im Wettbewerb für Spiel- und Dokumentarfilm vergibt normalerweise eine fünfköpfige internationale Jury die Hauptpreise: die mit 10 000 Euro dotierte „Goldene Lilie“ für den „Besten Film“, den Preis für die „Beste Regie“ der Landeshauptstadt Wiesbaden (7500 Euro) und den des Auswärtigen Amts für „Kulturelle Vielfalt“ (4000 Euro). Den RheinMain-Kurzfilmpreis (2500 Euro) vergibt eine regionale Jury aus dem Rhein-Main-Gebiet. Da die Filmbranche wegen der Corona-Pandemie in ganz Europa aber nachhaltigen Schaden erleidet und unabhängige Filmemacher in Mittel- und Osteuropa besonders hart getroffen werden, hat sich Go-East in Absprache mit den Preisstiftern entschieden, die vier Hauptpreise in Gesamthöhe von 24 000 Euro solidarisch unter den Wettbewerbsfilmen aufzuteilen.

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