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Hans Fischer (links) und Sohn Leo erfreuen die Gärtner

Wiesbaden

Feng Shui am Pool fällt bei der Wiesbadener Biogartenmesse leider aus

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Bei Knallhitze im Schlosspark Biebrich machen sich Biogärtner rar. Der schönste Platz am heißen Samstag ist hinter der Orangerie, wo sich Kunst und Garten mischen.

Ein Pool, am besten mit ein bisschen Schatten am Rand, wäre jetzt genau richtig. Die Temperaturskala zeigt am Samstag über 30 Grad, die Sonne brennt heiß, schattige Plätze gibt es nur wenig. Wie man Gartenteiche und Pools richtig positioniert nach Feng Shui, das Thema von Feng Shui-Meister Jochen Rubik kommt nicht an gegen das Rückzugsbedürfnis des Menschen in dieser aufgeheizten Atmosphäre. „Morgen“, verspricht die Frau von der Information. Da wird der Meister noch mal vorsprechen, wenn’s nicht so heiß ist. „Regen ist nicht schlimm, da kommen die Gärtner trotzdem, aber die Hitze…“ Die brennende Sonne zwingt zu Änderungen im Vortragsprogramm der Biogartenmesse, der laut Veranstalter einzigen in Deutschland für „Nachhaltige Gartenkultur und Lebensart“ mit ausschließlich zertifizierten Biogärtnereien.

Der Samstagnachmittag im Randbezirk des Schlossparks zwischen Orangerie und Pomologischen Garten, fernab vom Schloss am Rhein und dem Lärm der Uferstraße, geht ruhig dahin. Das „Bio-Beeter-Podest“ bleibt bei gefühlten 40 Grad in der Sonne leer, niemand will im Speakers Corner seine Meinung, Anregungen, Philosophisches zum Thema Bio-Garten kundtun. Die Händler an ihren Ständen dösen vor sich hin, sind froh über jeden potenziellen Kunden, der sich für Hüte und Mützen, filigrane Bio-Bekleidung und alles was es sonst noch braucht zum Bio-Leben, nachhaltig interessiert. Der Toscanagarten-Holzbackofen bleibt kalt. Wer braucht eine Backvorführung, wenn er selbst im Backofen steht.

Im schmalen Schattenstreifen hinter der Orangerie wird viel über die Energetisierung von Wasser mit technischen Hilfsmitteln gesprochen und für öko-ethisches Wassertrinken geworben. Auch der Gartenpflege-Berater und drei Herren, die für chillige Hintergrundmusik mit Saxophon, Querflöte und Gitarre zuständig sind, haben hier ihren Platz. „Der Boden der Tatsachen – Wertvolles zu Garten und Ackerboden“ lautet das Jahresthema der Biogartenmesse, das gesamte Rahmenprogramm widmet sich dieser Basis für alles weitere im Garten.

Bio ist möglich und fängt im eigenen Garten an. Das ist die Botschaft an den knapp 60 Ständen. Auf meist nur 30 Zentimeter lebendiger Bodenschicht, der Haut unserer Erde, wächst in Verbindung mit der Sonnenkraft alles pflanzliche Leben. Das ist der Boden der Tatsachen, er könnte mit perfektem Werkzeug ökologisch schonend gelockert werden, mit umweltfreundlichem Dünger angereichert und sauberem Saatgut veredelt werden. Unglaublich, wie viele Tomatensorten es gibt, bei Bioland-Gärtner Dieter Haas sieht keine so aus wie die Industrie-Tomaten aus dem Supermarkt. Gegenüber bietet ein Gartenbautechniker Bodenschnelltests an, ein Liter Gartenerde reicht dafür. Der Pflanzendoktor berät, wenn etwas schief gelaufen ist im Garten.

Der schönste Platz am heißen Nachmittag ist bei der Rosenschule hinter der Orangerie. Hier mischen sich Kunst und Garten im wohltuenden Schatten eines großen Nussbaumes, durch dessen Blattgeflecht ein leises Lüftchen weht. Hier lässt sich trefflich über die reinweiße Blüte alter und modifizierter Rosensorten reden, etwa über die Waterloo aus der Familie der Moschusrosen, oder eine, die Queen of Sweden heißt, aber aus England stammt. Bienenfreundliche Wildrosen gibt es und dank eines Gartenkünstlers auch ein paar Bänke im Halbschatten zum Ausruhen beim Testsitzen.

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