Wiesbaden

Corona-Hotspot unter Geflüchteten in Wiesbaden

  • Madeleine Reckmann
    vonMadeleine Reckmann
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110 Bewohner einer Sammelunterkunft für Flüchtlinge in Wiesbaden werden getestet.

In Wiesbaden breitet sich das Coronavirus zurzeit unter Flüchtlingen aus. Das Gesundheitsamt hat gestern alle 110 Bewohner der Einrichtung Aukammallee 19 auf das Virus testen lassen, nachdem am Dienstag bei einer zweiten Person eine Coronavirus-Infektion bestätigt worden war. Wie das Gesundheitsamt mitteilt, wurden alle Bewohner unter Quarantäne gestellt. Das Gesundheitsamt überwacht dies auf der Grundlage des Infektionsschutzgesetzes (IfSG). Gesundheitsamtsleiterin Kaschlin Butt vermutet, dass sich während des aktuell andauernden Ramadan die Menschen mit dem Virus infiziert hätten. „Wir haben da einen Hotspot“, sagt sie. Sollte die Testung weitere Ansteckungen bestätigen, müsse über eine andere Unterbringung für die Betroffenen nachgedacht werden, um die Leute besser zu separieren, sagte Butt der FR. Die Unterkunft Aukammallee ist ein früheres Hotel, wo auch Familien leben.

Definition

Von Isolation sprechen die Experten im Fall einer Erkrankung. Er darf die Isolation erst nach der Genesung verlassen. Über den Zeitpunkt entscheidet der behandelnde Arzt.

Quarantäne bedeutet, 14 Tage nicht vor die Tür zu gehen und Kontakt mit Bewohnern und anderen Personen im Haus zu meiden. Betroffene stehen unter Verdacht, mit dem neuartigen Coronavirus in Kontakt gekommen zu sein. Jeder Ausland-Rückkehrer muss in Quarantäne.jur

In einem anderen Fall werden seit dem 6. Mai drei Geflüchtete in einem abgetrennten Trakt der Flüchtlingsunterkunft Berliner Straße 180 „auf Grundlage des Infektionsschutzgesetzes mit richterlichem Beschluss zwangsweise abgesondert“, wie es in der Mitteilung heißt. Die drei jungen Männer, die in einer Wohnung in der Stadt leben, hätten mehrfach gegen die Quarantänevorgaben verstoßen, obwohl sie intensiv von Mitarbeitern des Gesundheitsamts darauf hingewiesen worden seien. Sie hätten laut Butt nicht auf die täglichen Anrufe des Gesundheitsamts reagiert und auch bei Besuchen nicht kooperiert. Ordnungskräfte der Stadt und ein Sicherheitsdienst passen nun auf, dass sie das Gebäude nicht verlassen. Das Essen werde ihnen gebracht, sagt Butt.

Auch im Kreis Offenbach wurden Geflüchtete positiv auf das Coronavirus getestet. Zwei Personen einer Großfamilie aus einer Unterkunft in Dreieich-Buchschlag hätten sich angesteckt, teilt der Kreis mit. Eine Person liege im Krankenhaus, die zweite sei in dem Haus isoliert worden. Alle Bewohner und Kontaktpersonen stünden unter Quarantäne.

Der Flüchtlingsrat fordert schon lange, dass Geflüchtete dezentral und nicht in Massenunterkünften untergebracht werden. Das bedeutet, dass sie schnell von der Erstaufnahmeeinrichtung Gießen auf die Kommunen verteilt werden und dort in gewöhnlichen Wohnungen leben dürfen. „Das verhindert nicht nur Infektionen, es ist auch besser für die Integration“, sagt Ines Welge vom Flüchtlingsrat Wiesbaden. Sie verweist darauf, dass die Hygienevorschriften erst nach und nach in die Herkunftssprachen übersetzt worden seien. Das sei zwar inzwischen geschehen, aber da wegen des Kontaktverbots die freiwilligen Helfer die Einrichtungen nicht betreten dürften, sei unklar, wie die Hinweise an die Menschen gelangten. Es gebe kein WLAN in den Einrichtungen.

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