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Die Boote starteten von den Stegen am Vereinsgelände am Schiersteiner Westhafen.

WVS

Bootsparade mit Hindernissen

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Die Motorbootabteilung des Wassersportvereins Wiesbaden-Schierstein eröffnet die Saison. Ein Schiff havariert dabei und ist manövrierunfähig.

Die Rheintöchter meinen es am Samstagnachmittag wohl nicht ganz so gut mit den Motorbootkapitänen des Wassersportvereins Schierstein 1921 (WVS). Bei der Anfahrt zur Saisoneröffnung regnet es in Strömen, so dass statt der 25 gemeldeten nur zehn mit Wimpeln geschmückte Motorboote zur Parade starten.

Auf dem Rhein kommen Windböen auf – Wagalaweia! Kurz vor der Rettbergsau steigt plötzlich Qualm aus dem vorletzten Boot auf: Kabelbrand. Mit dem Feuerlöscher ist der Brand schnell erstickt, doch die Elektrik fällt aus, das zwölf Meter lange Boot ist manövrierunfähig.

Sofort kommen andere Vereinsmitglieder mit drei Booten zu Hilfe. Die „Charisma“ sichert die Stelle ab, es herrscht reger Verkehr auf dem Rhein. Ein anderes Boot dockt an und nimmt die Passagiere des havarierten Boots an Bord. Anschließend schleppt die große „Aquarius“ das defekte Boot in den Schiersteiner Hafen zurück. „Durch die Windböen und den Regen war das Rettungsmanöver nicht einfach, dennoch haben sie es professionell gemeistert“, lobt Claus von Kutzschenbach vom erweiterten Vorstand des WVS.

Gegründet 1921 zählt der Wassersportverein Schierstein heute rund 1200 Mitglieder und ist nach eigenen Angaben einer der größten und aktivsten Wassersportvereine in der Rhein-Main-Region.

Schnupperstunden bietet der WVS auch auf Anfrage an. Terminvereinbarung und Infos unter: www.wvschierstein.de. 

Zu den Helfern zählen Hans-Peter und Iris Wolf. Sie gehörte dem Verein schon als Kind mit ihren Eltern an und begeisterte später ihren Ehemann für den Wassersport. Seit 2012 besitzen sie ein eigenes Boot, die „Charisma“, mit der sie regelmäßig in den Urlaub fahren. Auch sonst verbringen sie als Ausgleich zum Stress im Beruf viel Zeit darauf und schätzen den Zusammenhalt und die Gemeinschaft im Verein. „Wassersportler und Freizeitkapitäne sind sehr unkomplizierte Leute“, sagt Iris Wolf. Vom Arbeiter bis zum Unternehmer sei querbeet alles dabei.

Neben der Motorbootabteilung bietet der WVS sechs weitere Sportarten an: Kanurennen, Kanumarathon und Kanuwandern, Segeln, Stand up Paddeling (SUP), Drachenboot- und Allgemeinsport. Einige der Trainer gewannen in ihren Disziplinen Landes- oder Deutsche Meisterschaften oder wurden sogar Europa- und Weltmeister. Die WVS-Teams feiern ebenfalls regelmäßig Siege bei Wettbewerben – 2018 insgesamt 74 Mal.

Auch der 17-jährige Gunvald Kirchner nahm bereits zweimal an der Deutschen Juniorenmeisterschaft im Kanurennsport teil. Vor vier Jahren lud ihn ein Klassenkamerad zum Schnuppertraining ein. „Ich bin erst einmal ins Wasser gefallen“, erinnert sich der Jugendliche. „Da wollte ich das lernen.“ Inzwischen trainiere er fast täglich, paddeln mache einfach Spaß.

Im Gegensatz zu vielen Vereinen mangelt es dem WVS laut Präsident Lothar Weckerling nicht an Nachwuchs. Beim Kindersegeln übersteige die Nachfrage derzeit sogar die Kapazitäten. Die Kinder- und Jugendarbeit geht jedoch über den Verein hinaus: Seit 1995 bietet der WVS mit den Schiersteiner Schulen Wassersport-AGs an, zudem kooperiert er mit der Stadt Wiesbaden. Drei Drachenboote der Schulsozialarbeit sind bei ihm stationiert, für das Training von Wiesbadener Schulklassen stellt der Verein die Steuerleute zur Verfügung. Zum sozialen Engagement gehören aber auch die „Pink Ladies“ – Frauen, die an Brustkrebs erkrankt sind oder waren, fahren gemeinsam Drachenboot. Der Verein schaffte dafür eigens ein rosafarbenes an.

„Man braucht kein eigenes Boot, um im Verein Mitglied zu werden“, sagt Claus von Kutzschenbach. Er selbst habe auch noch keins besessen, als er vor etwa drei Jahren beitrat, weil ihm die Atmosphäre bei den Veranstaltungen gefallen hatte. Er sei auf einem der Vereinsboote oder bei anderen Seglern mitgesegelt. Und in den Biergarten am Hafen, dem „Vereinshock“, darf ohnehin jeder kommen.

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