Wiesbaden

Die Bildung benachteiligter Menschen in Wiesbaden

  • Madeleine Reckmann
    vonMadeleine Reckmann
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Wie die Schwächeren besser teilhaben könnten: Das Wiesbadener Sozialamt legt einen Bericht zur öffentlichen Diskussion vor. Dieser ist wegen der Corona-Pandemie im Netz einsehbar.

Der Anteil der Wiesbadener Kinder, die mindestens 18 Monate lang eine Kindertagesstätte besuchen, liegt bei 92 Prozent. Knapp ein Viertel ist laut der Schuleingangsuntersuchung mit sechs Jahren körperlich, geistig oder emotional nicht fit genug für den Schulstart. Jeder vierte Jugendliche aus einem statusniedrigen Elternhaus kann nicht richtig lesen. Und die Hälfte der Internetnutzer ist über 80 Jahre alt. So steht es im Bildungsbericht herkunftsbenachteiligter Menschen in Wiesbaden, den das Amt für Bildung und Soziales jetzt vorlegte.

„Der Bericht für Wiesbaden nimmt erstmals die ganze Spanne des Lebens in allen seinen Bildungsphasen in den Blick“, erklärt Sozialdezernent Christoph Manjura. Dafür haben die unterschiedlichen Abteilungen im Amt für Bildung und Soziales ihre Daten zusammengetragen. Das lebenslange Lernen werde in allen Etappen unter dem Aspekt betrachtet, inwieweit Menschen, die als eher benachteiligt betrachtet werden, besser an Bildung teilhaben können.

Betreuung ausbauen

Für die Autoren des 172 Seiten starken Werks sind Menschen benachteiligt, die noch nicht lange in Deutschland leben, eine geringe Bildung haben, materiell arm oder behindert sind.

Im Inneren Westend, dem Bergkirchenviertel, in Klarenthal, der Dostojewski- und Waldstraße, im Schelmengraben und im Sauerland ist die Zahl der benachteiligten Familien ungleich höher als in anderen Vierteln. Dort verfügen die Eltern über geringere Einkommen, besuchen weniger Kinder das Gymnasium und ist die Quote der Jugendlichen ohne Abschluss hoch. Das ist keine überraschende Erkenntnis. „Mit dem Bericht tragen wir die Daten aus der Fachbetrachtung in einen Gesamtkontext“, erklärt Ingeborg Groebel, Leiterin des Büros für kommunale Bildungsprojekte, das Neue an dem Bildungsbericht.

Um Bildungswege zu sichern, sei es sinnvoll, dass der kommunale Handlungsbedarf erkannt werde. Insbesondere an den Übergängen von einer Bildungseinrichtung in die nächste seien die Weichen besser zu stellen: die Betreuungsangebote für kleine Kinder auszubauen, mehr Nachmittagsbetreuung für Schulkinder einzurichten, die Infrastruktur in den Quartieren zu verbessern. Aber auch das Zusammenspiel verschiedener Institutionen sei verbesserungswürdig. „Damit etwa Kinder mit Behinderung in die Grundschule in der Nachbarschaft gehen können, müssen Schulen, Schulträger und Stadt kooperieren“, sagt Groebel. Denn es sei viel zu klären. Stimmt die Ausstattung? Ist die Schule barrierefrei?

Der Bildungsbericht soll öffentlich diskutiert werden. Damit sich Interessierte auch während der Kontaktbeschränkungen einlesen können, ist er im Netz einsehbar.

wiesbaden.de/bildungsbericht

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