+
Forellen brauchen eine starke Strömung, um sich zurechtzufinden.

Wiesbaden

Aufstieg für Forelle und Lachs im Main bei Wiesbaden

  • schließen

An der Kostheimer Schleuse soll ein Umgehungskanal für große Fische entstehen.

Lachs und Zander können den Main noch immer nicht aufwärts wandern. Für sie ist an der Kostheimer Schleuse Schluss. Denn der vorhandene, 2010 gebaute Fischaufstieg ist für die über 25 Zentimeter großen Fische nicht geeignet. Sie finden den Einstieg nicht, weil der Aufstieg 40 Meter weit entfernt in seichterem Gewässer liegt. Nur die kleinen Fische wie Rapfen, Rotauge, Flussbarsch, Ukelei, Rotfeder und Schleie lassen sich gerne in der schwachen Strömung anlocken, um in den Umgehungskanal einzusteigen.

Die schwimmstarken Fische zieht es aber dorthin, wo die Strömung am stärksten ist. Zurzeit sind das die Turbinen, in denen noch immer Tiere zerquetscht werden. Auf diesen Mangel hatte der Verband hessischer Fischer schon vor vielen Jahren hingewiesen. Fischaufstiege für alle Fischarten adäquat zu bauen, ist offenbar eine komplizierte und kostspielige Angelegenheit.

Wasserkraftwerk

Das Wasserkraftwerk Kostheimging 2009 in Betrieb. Die Anlage nutzt das Gefälle an der 1934 gebauten Main-staustufe.

Im Jahresschnittwerden rund 13,5 Kilowattstunden Strom erzeugt. Das entspricht dem Bedarf von 5500 Haushalten. Das Kraftwerk arbeitet klimaneutral. Bei der Stromerzeugung vermeidet es 1300 Tonnen Kohlendioxid im Jahr. 

Zwei Jahre Verzug

Obwohl das Regierungspräsidium den zusätzlichen Fisch-Bypass bereits im Oktober 2017 genehmigt hatte und dieser nach ursprünglichen Plänen 2018 hätte fertig gebaut sein sollen, ist an der Schleuse noch immer nichts passiert. Die Betreibergesellschaft Wasserkraftwerk (WKW) Staustufe Kostheim/Main, die nach dem Wasserhaushaltsgesetz für den Fischschutz verantwortlich ist, kündigt auf FR-Anfrage an, dass 2020 ein zweigliedriges Kanalsystem gebaut werden soll. „Das System wird den Fischaufstieg auf jeden Fall gegenüber der bisherigen einfachen Umgehungsrinne verbessern“, sagt Manfred Staib, Geschäftsführer der WKW. Fällarbeiten, Vermessungen und Baugrunduntersuchungen seien bereits erledigt worden. Ende 2020 soll die Anlage in Betrieb gehen. Die Ausschreibungen für das auf 2,8 Millionen veranschlagte Vorhaben seien bereits in Gang. Inzwischen beteiligt sich der Bund an den Kosten. 65 Prozent übernimmt das Wasserstraßen-Neubauamt Aschaffenburg, eine Bundesbehörde. Für den Rest kommt die WKW auf.

Damit Forelle, Lachs, aber auch Brachsen und Zander den zweiten Einstieg finden, wird dieser unmittelbar am Turbinenauslauf gebaut, teilt die Kraftwerksbetreiberin SWU Stadtwerke Ulm mit. Die starke Gegenströmung locke die Fische in einen 150 Meter langen und acht Meter tiefen Kanal und leite sie in den Main weiter flussaufwärts. Ein hydraulisches System gleiche die Wassermenge den Wasserständen im Main an. Die Wassermenge im Kanal lasse sich je nach Bedarf von zwei auf fünf Kubikmeter in der Sekunde erhöhen.

Auch wenn dieser Umgehungskanal beendet sein wird, ist nur die Hälfte geschafft. Denn auch beim Fischabstieg verenden zahlreiche Fische. An der Kostheimer Schleuse gibt es keinen geeigneten Fischabstieg. Die Planungen hierfür seien langwierig und schwierig, teilt das Regierungspräsidium Darmstadt auf Anfrage mit. Rechtsverbindliche technische Vorschriften gebe es nicht. „Seit über zwei Jahren laufen erste Planungen und diverse hydraulische Modellierungen in Zusammenarbeit mit der TU Darmstadt“, schreibt das RP. Mit den daraus gewonnenen Informationen sei es der Betreiberin möglich, eine Wirtschaftlichkeitsuntersuchung durchzuführen. Diese solle dem RP Anfang 2020 vorgelegt werden. Erst danach werde über das weitere Vorgehen entschieden. Bis zum Bau und Betrieb einer technischen Anlage, die den Fischen auch die Wanderung flussabwärts ermögliche, werde es noch Jahre dauern. 50 Prozent der Fische sterben einer wissenschaftlichen Studie zufolge an der Schleuse bei Aufstieg und Abstieg.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare