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Werben gemeinsam für die Citybahn: Mende (li.), Kilian (Mitte) und Ebling.

Wiesbaden

Oberbürgermeister und Landrat werben für die Citybahn

  • Madeleine Reckmann
    vonMadeleine Reckmann
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Die Oberbürgermeister aus Mainz und Wiesbaden sowie der Landrat aus dem Rheingau-Taunus-Kreis werben für die umstrinne Citybahn. Bei den Gegnern des Projekts wird der Ton rauer.

Die Reden sind aufeinander abgestimmt, die Botschaft ist eindeutig: Die politischen Chefs der Landeshauptstädte Mainz und Wiesbaden und der Landrat des Rheingau-Taunus-Kreises stehen gemeinsam für das größte Infrastrukturprojekt, das ihre Städte miteinander verbinden soll: die geplante Citybahn.

„Die Citybahn ist identitätsstiftend für den ganzen Raum, weil sie Wiesbaden in zwei wichtige Richtungen anbindet, nach Mainz und in den Rheingau-Taunus-Kreis“, sagt Wiesbadens OB Gert-Uwe Mende (SPD). Die boomende Region brauche ein modernes Verkehrssystem, das die wachsenden Pendlerströme aufnehmen könne.

Sein Mainzer Kollege Michael Ebling (SPD) spricht von ausgelasteten Buslinien nach Wiesbaden, geringerer Luftverschmutzung und positiven städtebaulichen Effekten entlang der Bahnstrecke, Landrat Frank Kilian (parteilos) von seinem abgehängten Landkreis und vom volkswirtschaftlichen Nutzen der Bahn. Die Drei demonstrieren Gemeinsamkeit für das Dafür, weil das Projekt, für das sie werben, in der Schwebe hängt.

Am 1. November dürfen die Wiesbadener Bürger und Bürgerinnen darüber abstimmen, ob die Schienenbahn von Mainz über Wiesbaden nach Bad Schwalbach gebaut werden soll. Die Wiesbadener entscheiden also auch über die verkehrliche Anbindung ihrer Nachbarstädte, ohne dass deren Bewohner die Möglichkeit haben, ihr Votum abzugeben.

Wie das Vertreterbegehren, ein von den Wiesbadener Stadtverordneten herbeigeführtes Bürgerbegehren, ausgeht, ist ungewiss. Die Citybahn hat Gegner. Zwei Wiesbadener Bürgerinitiativen und die FDP kämpfen gegen die Bahn. Sie tun dies teils mit Argumenten und Gesten, die es an Wahrheitsgehalt und gutem Geschmack vermissen lassen. Seit kurzem hängen in der Stadt Transparente, die suggerieren, dass die Wiesbadener Politiker Mende, Bernhard Lorenz (CDU), Christiane Hinninger (Grüne) und Andreas Kowol (Grüne) vom Bau der Citybahn profitieren. „Wer solche Plakate aufhängt, will den Dialog beenden und setzt auf Konfrontation“, kommentiert Mende dies. Zudem würden die Gegner grundlegende Planungsentscheidungen wie den Erhalt der Baumalleen ignorieren und das Gegenteil behaupten.

Ebling, OB einer Stadt, die ihr Straßenbahnnetz bereits erweitert hat, kennt solche Vorbehalte. Er argumentiert, dass nach anfänglicher Kritik vor dem Bau der Mainzer Stadtbahn vor wenigen Jahren das erweiterte Straßenbahnnetz heute besser als prognostiziert angenommen werde. „Die Nutzerzahlen liegen 28 Prozent über den Vorhersagen“, sagt er. Er kenne keine Stadt, die nach dem Bau einer Stadtbahn das Projekt bereuen würde.

Für den Rheingau-Taunus-Kreis bedeute die Citybahn, die nach Taunusstein und Bad Schwalbach führen soll, die einmalige Chance, 70 000 Menschen besser an die Zentren anzubinden, betont Kilian. Wiesbaden dürfe das Umland nicht vergessen. Wie die FAZ schreibt, prüft der Landkreis, ob das Vertreterbegehren mit einer Klage gestoppt werden könne. Ebling und Kilian möchten als Sprachrohr für die Citybahn fungieren.

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