Wiesbaden

Neues Bündnis gegen Bauprojekte

  • Madeleine Reckmann
    vonMadeleine Reckmann
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Initiativen fordern klimagerechtes Handeln in der Stadtentwicklung für Wiesbaden und die Region.

Vor über einem Jahr hat das Stadtparlament den Klimanotstand beschlossen. Alle Vorhaben sollten unter Klimavorbehalt gestellt und auf ihre Klimaschädlichkeit überprüft werden. Klimaverträglichere Alternativen sollten Vorrang erhalten. Was ist seitdem passiert?

„In Wiesbaden ist der Klimanotstand nur eine leere Hülle, ein Etikettenschwindel“, urteilt Areeg Mulhi. Die Künstlerin tritt als Sprecherin des neu gegründeten Bündnisses Stadtklima auf, in dem sich mehrere Bürgerinitiativen gegen Bauprojekte sammeln. Ihr Ziel ist, stadtklimatisch wichtige Flächen zu erhalten und sie nicht Abwägungsprozessen zu opfern. Dass genau dies geschieht, daran lassen die Vertreter der Bündnisse auf dem gestrigen Vorstellungstermin keinen Zweifel. Es herrsche ein Klima des Misstrauens gegenüber den Verwaltungen, sagt Mulhi. Bürgerinitiativen würden vertröstet, hinters Licht geführt, gewährte Gelder nicht ausgeschüttet und Gegengutachten in Auftrag gegeben, die kein Mensch verstehe. Dabei steuere die Erde auf eine Klimakatastrophe zu, wenn nicht sofort gehandelt werde.

Bündnis Stadtklima

Die Forderungen : ein verpflichtendes, den Klimanotstand konkretisierendes Fachkonzept; Schulterschluss mit ländlichen Kommunen; Verbesserung fürs Homeoffice; keine weiteren Flächenversiegelungen, Umnutzung statt Zerstörung. Geplant ist, Wissenschaftler und Institute zu kontaktieren und die zur Rede zu stellen, die ihr Fachwissen nicht im besten Sinne der Bürger nutzen.

Wie die Behörden Bauvorhaben durchsetzten, berichten verschiedene BI-Mitglieder. Obwohl Schierstein laut einer wissenschaftlichen Studie des Deutschen Wetterdienstes als Hotspot der Tropennächte prognostiziert sei, werde die weitere Bebauung des Schiersteiner Osthafens mit seinen bis zu 21 Meter hohen Gebäuden und ein Schulneubau im Wasserschutzgebiet vorangetrieben, schildert Christina Kahlen-Pappas von Zukunft Schierstein.

Die beschlossene Bürgerbeteiligung sei nicht auf den Weg gebracht worden, obwohl das Geld dafür bereitstehe. Zudem dürften Ausgleichsmaßnahmen im entfernten Delkenheim stattfinden, was den Schiersteinern nichts nütze.

Von Fragen zum geplanten Baugebiet Ostfeld, auf welche die Verwaltung keine Antwort gebe, berichtet Sabine Maritzen von der BI Fort Biehler. Ungeklärt seien die Wasserversorgung, die Verkehrsanbindung, die Gefahr durch abstürzende US-Flugzeuge und die Zerstörung des Frisch- und Kaltluft-Entstehungsgebiets, das einige Wiesbadener Stadtteile aber auch die Mainzer City erfrische. Dagmar Wolf-Rammensee von der Mainzer ÖDP rief dazu auf, auch an das Wohl der Mainzer zu denken.

Davon, mit ihren Bedenken nicht durchzudringen, berichten auch Albert Meyer von „Erhaltet das Wäldchen“ und Marita Kraschewska von „Kein Verkehrskollaps“. Das neue Bündnis möchte die Fachkompetenz der BI bündeln, um aufzuzeigen, wo Entscheidungsträger lückenhaft und klimaschädigend arbeiteten.

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