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Wiesbaden: Netzwerk für Grundbildung

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Von: Andrea Rost

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Heike Schiener ist die neue Leiterin des Grundbildungszentrums an der Volkshochschule Wiesbaden.
Heike Schiener ist die neue Leiterin des Grundbildungszentrums an der Volkshochschule Wiesbaden. © Michael Schick

Das Stadt finanziert seit Jahresbeginn das Grundbildungszentrum an der Volkshochschule Wiesbaden. Das Angebot an Lese- und Schreibkursen soll ausgeweitet werden. Und es steht noch mehr auf dem Programm.

Die Zahl lässt aufhorchen: 25 000 Menschen mit deutscher Muttersprache oder guten Deutschkenntnissen, können in Wiesbaden vermutlich nicht richtig lesen und schreiben. Das ist die Zahl, die sich aus der 2018 bundesweit durchgeführten LEO-Studie zu eingeschränkten Lese- und Schreibkompetenzen für die hessische Landeshauptstadt ergibt.

„Man spricht heute nicht mehr von Analphabeten, sondern von gering literalisierten Personen“, erläutert Heike Schiener. Die 56-Jährige hat als Bildungsmanagerin und Koordinatorin für Alphabetisierungsangebote in Rheinland-Pfalz gearbeitet. Seit 1. Juni leitet sie das Grundbildungszentrum an der Volkshochschule Wiesbaden. Ihr Ziel: Sie will Angebote der Grundbildung in der Landeshauptstadt vernetzen, Multiplikatoren einbeziehen und ein soziales Umfeld aufbauen, das für die Betroffenen motivierend und stärkend wirkt.

„Menschen, die nicht gut lesen und schreiben können, haben meist gelernt, mit diesem Defizit im beruflichen und privaten Alltag umzugehen. Sie reden nicht darüber, weil sie sich schämen und stigmatisiert fühlen“, sagt Heike Schiener. Sie für Bildungsangebote zu begeistern sei nicht einfach.

Während der Pandemie wurde die Anzahl der Grundbildungskurse in Wiesbaden deutlich zurückgefahren. 2020 lief zudem die Projektförderung des Landes Hessen und des europäischen Sozialfonds für das Grundbildungszentrum der Volkshochschule aus. Gerade einmal vier Lese- und Schreibkurse standen noch auf dem Programm.

Das Zentrum

Das Grundbildungszentrum an der Volkshochschule Wiesbaden ist eines von acht Grundbildungszentren in Hessen. Finanziert wird es von der Stadt.

Angeboten werden Kurse für Menschen mit deutscher Muttersprache oder mit sehr guten Deutschkenntnissen, die Probleme mit Lesen und Schreiben haben.

Leiterin des Grundbildungszentrums ist seit 1. Juni Heike Schiener. aro

Bereits im kommenden Herbstsemester soll das Grundbildungsangebot in Wiesbaden wieder deutlich ausgeweitet werden. Die Stadt hat die Finanzierung übernommen. Und Heike Schiener sondiert gerade die Angebote unterschiedlicher Träger, die es bereits in Wiesbaden gibt, um sie zu einem „Potpourri“ zusammenzuführen.

Kurse mit maximalem Alltagsbezug will Schiener in die Grundbildung einbinden – Finanzen, Gesundheit, Ernährung, politische Bildung und Digitalisierung stehen unter anderem auf ihrer Themenliste. Wiesbadener Firmen könnten ebenso als Multiplikatoren fungieren wie Stadtteilbüros und Mehrgenerationenhäuser, das städtische Bildungsbüro oder das Jobcenter. Auch Angehörige und Freunde von Menschen mit Lese- und Schreibproblemen sollen auf das Grundbildungsprogramm hingewiesen werden.

Viele Angebote werden dabei „sozialraumorientiert“ laufen. Das heißt, die Kurse werden nicht in der VHS stattfinden, sondern dezentral in den Stadtvierteln organisiert, um die Hemmschwelle niedrig zu halten. Interessierte können mit Heike Schiener ein Beratungsgespräch führen, erfahren, welche Kurse am besten für sie passen.

Lesen und Schreiben im Erwachsenenalter richtig zu lernen sei keine Sache von Wochen, es dauere womöglich ein paar Jahre, zerstreut die Leiterin des Grundbildungszentrums die Hoffnung auf allzu schnelle Erfolge. „Wichtig ist, dass die Betroffenen motiviert sind, beispielsweise, weil sie einen Job in Aussicht haben. Dann halten sie auch durch.“

Kontakt: Grundbildungszentrum der VHS Wiesbaden, Heike Schiener, Telefon 0611/9889 198. Mail: hschiener@vhs-wiesbaden.de

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