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Wiesbaden: Nassauischer Kunstverein feiert Jubiläum

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Von: Torsten Weigelt

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Elke Gruhn ist Vorsitzende des Nassauischen Kunstvereins.
Elke Gruhn ist Vorsitzende des Nassauischen Kunstvereins. © Michael Schick

Der Nassauische Kunstverein in Wiesbaden besteht seit 175 Jahren. Zum Jubiläum wird eine Ausstellung zu Fluxus-Frauen gezeigt – mit einem Präsent von Yoko Ono.

Zu seinem 175. Geburtstag ist der Nassauische Kunstverein reich beschenkt worden: Die Stadt hat einen Aufzug spendiert, der es nun endlich auch Besucher:innen mit Gehbehinderung oder Kinderwagen ermöglicht, sich barrierefrei durch die drei Stockwerke der Altbauvilla an der Wilhelmstraße zu bewegen. Und die berühmte Yoko Ono hat dem Verein für seine aktuelle Ausstellung „Fluxus Sex Ties – Hier spielt die Musik“ drei ihrer frühen „Pieces“ zur Verfügung gestellt, Kärtchen mit Anweisungen, die zum Mitnehmen und -machen bereitliegen.

„Yoko Ono fühlt sich sehr mit Wiesbaden verbunden“, sagt die Vorsitzende des Kunstvereins, Elke Gruhn. Deswegen habe man sie angeschrieben, ob sie etwas zu der Jubiläumsschau beitragen könne. Ebenso wie eine Reihe anderer Künstlerinnen, die an der Kunstbewegung Fluxus beteiligt waren, ist die John-Lennon-Witwe dieser Einladung gefolgt.

Der Legende nach gilt die Zerstörung eines Konzertflügels während der „Internationalen Festspiele Neuester Musik“ 1962 im Museum Wiesbaden als Geburtsstunde von Fluxus, einer Kunstrichtung, die sich auch anschließend mit Performances und Provokationen gegen ein traditionelles Kunstverständnis gestemmt hat. Zur Erinnerung daran präsentiert „Fluxus Sex Ties“ Klaviere und Flügel in allen möglichen Varianten: bemalt, umgestaltet oder im Vorgarten neben dem Eingang eingegraben.

Der VErein

Der Nassauische Kunstverein , Wilhelmstraße 15, ist dienstags, mittwochs und freitags von 14 bis 18 Uhr geöffnet, donnerstags von 14 bis 20 Uhr und am Wochenende von 11 bis 18 Uhr. Der Eintritt kostet fünf Euro.

Die Ausstellung „Fluxus Sex Ties – Hier spielt die Musik“ ist bis 30. Oktober zu sehen. twe

Infos: www.kunstverein-wiesbaden.de

Die Schau will aber gleichzeitig neue Perspektiven eröffnen. Deshalb werden Schritt für Schritt die historischen Exponate und Positionen durch zeitgenössische ausgetauscht. Einzige Konstante: Sie stammen allesamt von Frauen. Begleitet wird die Jubiläumsausstellung des Nassauischen Kunstvereins von einem Forschungsprojekt, das sich Rolle und Bedeutung der Fluxus-Frauen wissenschaftlich widmet.

Gegründet wurde der Nassauische Kunstverein am 16. Juni 1847 von kunstsinnigen Bewohnern der damaligen Hauptstadt des Herzogtums Nassau. Eine Blütezeit erlebte er in den 1920er Jahren, als eine Reihe moderner Künstler:innen nach Wiesbaden kam; der Expressionist Alexej von Jawlensky gilt als prominentestes Vereinsmitglied. Lange hatte der Kunstverein sein Domizil im 1915 erbauten städtischen Museum. Damit war jedoch Schluss, als das Gebäude 1973 ans Land überging. Sechs Jahre später bezog der Verein die Villa in der Wilhelmstraße, in der ihm heute 350 Quadratmeter Ausstellungsfläche zur Verfügung stehen.

Wie für viele andere kulturelle Einrichtungen bedeutete die Corona-Pandemie auch für den Nassauischen Kunstverein einen heftigen Einschnitt. Dem begegnete das Team mit 360-Grad-Rundgängen im Internet, Videopräsentationen am Fenster oder der „Pandemie-Telefonie“ – wer wollte, konnte sich Fotos der Exponate zuschicken und individuell per Telefon erläutern lassen. „Wir haben gemacht, was möglich war“, sagt Elke Gruhn. Keine der geplanten Ausstellungen sei komplett ausgefallen. Dennoch möchte sie über eine erneute Schließung nicht nachdenken. „An das echte Erlebnis kommen alle Alternativen nicht heran.“

Wobei Gruhn sich wünscht, dass künftig mehr Wiesbadener:innen den Weg in „ihren“ Kunstverein finden. Zwar gebe es in der Landeshauptstadt durchaus eine Kunstcommunity – so hat der Verein aktuell 500 Mitglieder –, doch ein erheblicher Teil des Publikums komme von außerhalb.

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