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Wiesbaden: Museum zeigt Retrospektive zu Ernst Wilhelm Nay

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Von: Andrea Rost

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Kurator Roman Zieglgänsberger erläutert Wissenswertes zur Ausstellung über Ernst Wilhelm Nay.
Kurator Roman Zieglgänsberger erläutert Wissenswertes zur Ausstellung über Ernst Wilhelm Nay. © Michael Schick

100 Werke des abstrakten Experssionisten Ernst Wilhelm Nay zeigt das Museum Wiesbaden in einer Sonderausstellung. Dabei werden viele Bezüge zwischen dem Ausnahme-Künstler und der Rhein-Main-Region hergestellt.

In der Hamburger Kunsthalle waren die 100 Arbeiten aus allen Schaffensperioden von Ernst Wilhelm Nay bereits zu sehen. 1953 hatte er einen Lehrauftrag an der dortigen Landeskunstschule, schrieb danach sein Manifest „Vom Gestaltwert der Farbe“. Jetzt zeigt das Museum Wiesbaden die gemeinsam kuratierte Retrospektive zum 120. Geburtstag des Malers, dessen kraftvolle, farbintensive Bilder eine Brücke schlagen zwischen der Kunst vor und nach dem Zweiten Weltkrieg. Verwiesen wird dabei auch auf die besonderen Bezüge, die es zwischen dem gebürtigen Berliner und der Rhein-Main-Region gab.

Die Kunstmäzenin Hanna Bekker vom Rath hatte Ernst Wilhelm Nay im Sommer 1945 ein Atelierhaus in Hofheim am Taunus vermittelt. Er bewohnte es bis 1951. Seine Arbeiten wurden im Frankfurter Kunstkabinett von Bekker vom Rath gezeigt. Nay kam in dieser Zeit auch oft nach Wiesbaden, wo Museumsdirektor Clemens Weiler ab 1949 Gemälde und Farblithogafien von ihm kaufte. Einer der zwölf Räume der Retrospektive zeigt unter anderem die Korrespondenz des Malers mit dem Museumsdirektor.

Ansonsten ist die Ausstellung chronologisch aufgebaut. Ein großes Schwarz-Weiß-Foto, das die Fotografin Marta Hoepffner 1947 in Nays Hofheimer Atelier von ihm aufgenommen hat, ist gleich am Eingang zu sehen. Danach sind Beispiele seiner Lofoten- und Frankreich-Bilder ebenso ausgestellt wie ein frühes Selbstporträt, rhythmische Bilder, Scheiben- und Augenbilder sowie späte Arbeiten, in denen Ernst Wilhelm Nay als intuitiv- emotionaler Künstler die Epoche des figürlichen Expressionismus verließ und in die gestische Abstraktion der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts eintauchte.

Weil der frühe vom späten Nay nicht zu trennen sei, werde die Chronologie an manchen Stellen bewusst durchbrochen, sagt Kurator Roman Zieglgänsberger. Durchgehende Bildmotive wie Schmetterlinge oder Gestirne als große Themen sollten so sichtbar gemacht werden. Ein besonderer Fokus liegt zudem auf den Hekate- und Fugalen-Bildern, die Nay während seines Aufenthaltes in der Rhein-Main-Region gemalt hat.

Dass Ernst Wilhelm Nay als Mittler zwischen Moderne und Gegenwart im Museum Wiesbaden, mit dem ihn viel verband, noch nie eine Ausstellung gewidmet war, sei eine Lücke gewesen, sagte Museumsdirektor Andreas Henning. „Wir sind froh, dass wir diese Lücke nun mit der Retrospektive schließen können.“

Die Ausstellung „Ernst Wilhelm Nay. Retrospektive“ im Museum Wiesbaden dauert bis 5. Februar 2023. Der Katalog kostet 29,90 Euro. Informationen zu Begleitprogramm und Führungen unter www.museum-wiesbaden.de

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