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Müll wird vor der Verbrennung sortiert. (Symbolbild)

Umwelt

Müllheizkraftwerk in Wiesbaden weniger dreckig als erlaubt

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Das geplante Müllheizkraftwerk soll weniger Abgase abgeben, als der Gesetzgeber vorschreibt. Die Grünen bezweifeln dennoch dessen Nutzen.

Die Verhandlungen mit dem künftigen Müllheizkraftwerksbetreiber Knettenbrech&Gurdulic haben die Mühe gelohnt. Die von Unternehmer Steffen Gurdulic anvisierten Emissionswerte für den Neubau auf dem Biebricher Dyckerhoffbruch sollen die in der aktuellen Verordnung des Bundesimmissionsschutzgesetzes vorgeschriebenen Werte um bis zu 50 Prozent unterschreiten. Für die Genehmigung des geplanten Werks ist das Regierungspräsidium Darmstadt zuständig. Dennoch stieg die Stadt mit Gurdulic in den Ring, damit die Anlage den bestmöglichen Standard erreicht. Im Umweltausschuss wurde nun der Zwischenbericht vorgelegt.

„Das ist ein Ergebnis, das sich sehen lassen kann“, sagte Günter Dehoust vom Öko-Institut im Umweltausschuss, der die Verhandlungen mit K&G im Auftrag der Stadt begleitet. Es sei nicht selbstverständlich, dass ein privater Betreiber sich auf schärfere Vorgaben als die gesetzlichen einlasse.

Die Gespräche hatten laut Stadtverordnetenbeschluss auch das Ziel, eine Kraft-Wärme-Auskopplung von 163 000 Megawattstunden Fernwärme zu erreichen. Bislang werden jedoch nur 100 000 Megawattstunden Fernwärme genannt, die das städtische Versorgungsunternehmen Eswe abzunehmen zusichert. So arbeitet die Anlage jedoch nicht so ökologisch und wirtschaftlich wie das Frankfurter Werk der Rhein-Main-Abfall GmbH, wo der Wiesbadener Hausmüll bis Jahresende 2018 komplett verbrannt wurde und zum Teil heute noch wird. Der Vertrag mit der GmbH war nicht fortgeführt worden, die Gründe sind umstritten. Aber Frankfurt gilt als besonders ökologische Anlage. Im Ausschuss war zur Steigerung der Fernwärmeleistung jedoch nichts zu hören.

Eswe-Versorgung hat Interesse am neuen Kraftwerk

Dass insbesondere Eswe-Versorgung Interesse am neuen Kraftwerk hat, erläuterte deren technischer Leiter Jürgen Pilz. Denn das städtische Unternehmen ist dabei, sein Fernwärmenetz auszubauen. „Wir brauchen die Fernwärme aus dem Werk, um perspektivisch attraktiver zu werden, insbesondere für die Innenstadt“, sagte er. Mit den 100 000 Megawattstunden Fernwärme könne es gelingen, nach und nach dezentrale Verbrennungsöfen abzuschalten.

Eswe-Versorgung arbeite zudem daran, im Sommer, wenn die Abnehmer keine Wärme benötigten, Kälte für Klimaanlagen anzubieten. Die Fernwärme würde bei den Kunden mit Spezialanlagen in Kälte umgewandelt. Rechenzentren und Versicherungen in der Innenstadt könnten potenzielle Abnehmer sein. Die Technik sei jedoch für die Kunden noch teuer. Die im Sommer nicht benötigte Fernwärme verpuffe aber nicht, sondern werde, wie Wolfgang Zieger von Eswe-Bioenergie ausführte, zu Strom verarbeitet.

Während Vertreter der FDP und CDU die Verhandlungsergebnisse mit Gurdulic lobten und das neue Kraftwerk willkommen hießen, kritisierten vor allem die Grünen das Vorhaben als „Irrsinn und Fehler“. Das Müllheizkraftwerk verhagelt der Stadtverordneten Konny Küppers zufolge nicht nur die Klimabilanz der Stadt, da in einer Übergangszeit von zwei Jahren bis zur Fertigstellung des neuen Werks der Müll zur Verbrennung nach Darmstadt gefahren werden müsse. Die Stadt müsse auch finanziell für Verluste aufkommen, sollte die Anlage nicht rentabel laufen. Eswe-Versorgung und die Darmstädter Entega waren im Dezember 2018 zu je 24,5 Prozent in die Bau- und Betriebsgesellschaft Müllheizkraftwerk Wiesbaden eingestiegen. K&G erklärte, den Antrag demnächst einzureichen.

Geplantes Müllheizkraftwerk: Die Vereinbarung im Überblick: 

Die Emissionswerte der künftigen Müllverbrennungsanlage sollen niedriger als in der aktuell gültigen Verordnung des Bundesimmissionsgesetzes ausfallen. Die Tagesmittelwerte für Staub konnten von fünf auf drei Milligramm pro Kubikmeter gesenkt werden, die für Gesamtkohlenstoff von zehn auf fünf, Chlorwasserstoff von zehn auf acht, Stickstoffdioxid von 150 auf 80, Schwefeldioxid von 30 auf 20 und Quecksilber von 15 auf 10.

Die Emissionen des Werks sollen zudem in den ersten beiden Jahren häufiger durch Externe kontrolliert werden.

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