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Wiesbaden möchte mehr Sonnenenergie vom Dach ernten

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Von: Madeleine Reckmann

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Das Installieren der Solar-Panels geht stetig voran.
Auf die größten Dächer sollen Photovoltaik-Anlagen installiert werden. © Christoph Boeckheler

Die größten Flächen sollen zuerst Photovoltaik-Anlagen erhalten. Auch Potenzial für Geothermie vorhanden.

Auf der Verkehrsinsel vor dem Wiesbadener Hauptbahnhof soll künftig eine Klimauhr installiert werden. Wie genau sie aussehen wird, erarbeiten Studierende der Hochschule Rhein-Main im Wintersemester. Die Uhr soll klimarelevante Daten wie die CO2-Emissionen in Wiesbaden aufzeigen, aber auch im Sinne des Klimaschutzes motivierende Hinweise geben.

Vielleicht wird sie auch darüber informieren, wie viel Strom Photovoltaikanlagen produzieren. Aktuell decken PV-Anlagen nur 1,3 Prozent des Stromverbrauchs in der Stadt. Dieser Anteil soll sich drastisch erhöhen. Die Kooperation von Grünen, SPD, Linke und Volt hat das Ziel herausgegeben, dass die Stadt bis 2035 klimaneutral werden solle. Photovoltaik soll dabei eine Rolle spielen. Die Mitglieder im Ausschuss für Umwelt und Verkehr haben jetzt einstimmig den Antrag der Kooperation beschlossen, dass die Stadt mit positivem Beispiel vorangehen solle. Auch Privatleute sind gefragt. „Die zehn ertragreichsten Potenzialflächen im Eigentum der Stadt und die im Privateigentum sind ins Visier zu nehmen“, kündigt Grünen-Stadtverordnete Konny Küpper an, um darauf PV- oder Solarthermie-Anlagen zu bauen.

Auf den städtischen Flächen soll bis 2024 Strom oder Wärme geerntet werden. Den Eigentümer:innen der Privatflächen werden Gespräche angeboten, die ihnen den Vorteil der Sonnenenergie nahelegen. Um möglichst schnell klimaschädliche Gase einzusparen, sollen die größten Dächer und die mit der für Sonnenenergie geeigneten Neigung die Anlagen zuerst erhalten. Infrage kommen zunächst große Dächer, Parkdecks oder ähnliches. Außerdem könnten auf geeigneten landwirtschaftlichen oder anderen Freiflächen Pilotanlagen entstehen. In der Landwirtschaft sind laut Küpper im Obstanbau positive Erfahrungen mit aufgeständerten PV-Anlagen gemacht worden. In Wiesbaden soll es bereits Interessenten dafür geben.

„Der Antrag rennt gerade offene Türen ein. Der Markt ist heiß gelaufen“, kommentiert Umwelt- und Verkehrsdezernent Andreas Kowol (Grüne) das Anliegen. Seit dem Ukraine-Krieg hätten Hauseigentümer:innen und Unternehmer:innen die Sonnenenergie für sich entdeckt. Er erhalte sogar Anrufe mit der Frage, ob er den Bau der Anlagen nicht beschleunigen könne. Wegen des Mangels an Handwerkern sei jedoch mit einer Wartezeit von einem bis anderthalb Jahren zu rechnen. „Ich bin optimistisch, dass die Solarenergie zum Selbstläufer wird, wenn die Bürger die Geduld haben“, sagt Kowol.

Großes Potenzial für die Wärmeerzeugung hat aber auch die Geothermie, allerdings nur die oberflächennahe und mitteltiefe Geothermie. Wie Sebastian Krämer von Eswe Versorgung erläutert, wird die Tiefengeothermie, die Wärme aus über 1000 Meter Tiefe entnimmt, offiziell in Wiesbaden nicht mehr verfolgt, weil sie politisch nicht umsetzbar sei. Die oberflächennahe Geothermie, die auf Bohrungen bis 400 Meter Tiefe beruht, werde jedoch immer öfter eingesetzt. Mathias Stiehl vom Umweltamt spricht von 47 Genehmigungen für Erdwärmesonden mit Wärmepumpe 2021. Das Erdwärme-Potenzial werde gerade bewertet. Stiehl schließt nicht aus, dass es bis 2045 ein Geothermiekraftwerk für Fernwärme gebe.

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