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Schloss Biebrich in Wiesbaden ist als Trauungsort und Kulisse für Hochzeitsfotos beliebt.

Wiesbaden

Mit Abstand in den Ehestand

  • vonDiana Unkart
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Nachdem viele Hochzeiten in der Corona-Krise verschoben wurden, lassen sich wieder mehr Paare trauen. Bei den Kirchen in Wiesbaden zeichnen sich bereits Engpässe ab.

Ohne Corona wäre Stefanie Burger seit Monaten Wochenende für Wochenende im Auftrag der Liebenden unterwegs. Als Hochzeitsplanerin und freie Traurednerin kümmert sich die Wiesbadenerin um alle Belange rund ums Heiraten. Die Pandemie hat viele Paare dazu bewogen, ihre Hochzeitsfeier zu verlegen – mit der Folge, dass beliebte Orte zum Feiern bereits ausgebucht sind und sich auch bei einigen Kirchen terminliche Engpässe abzeichnen.

Die meisten Hochzeiten, die für Mai und Juni geplant waren, seien abgesagt worden. „Seit Juli wird wieder geheiratet – unter coronakonformen Regeln, aber mit genauso viel Spaß“, sagt Stefanie Burger.

In der Wiesbadener Marktkirche, sonst bei Paaren sehr beliebt, wird am kommenden Samstag das erste Paar seit längerer Zeit getraut, ebenso in der Kirche im Stadtteil Dotzheim. In der Eltviller Johanneskirche, nach Angaben des evangelischen Dekanats eine der beliebtesten Trauungskirchen auch für Paare aus Wiesbaden, hat es zwei Hochzeiten gegeben, einige wenige stehen noch bevor. Ursprünglich waren zwischen 30 und 40 geplant. „Nur etwa zehn Prozent werden tatsächlich vollzogen“, sagt Sprecherin Andrea Wagenknecht.

Trauungsorte

An fünf Orten wird derzeit in Wiesbaden getraut. Außerdem gibt es Standesämter in den Vororten, die Trauungsorte anbieten. Um mehr Gästen Platz zu bieten , hat die Stadt das Thalhaus-Theater als fünften Trauungsort dazugebucht. In der Marktkirche sind den Vorgaben gemäß rund 100 Gäste zugelassen, in der Dotzheimer Kirche 30.

Zahlen aus den Wiesbadener Standesämtern zeigen, dass die Trauungen dort seltener verlegt wurden. Zwischen Mai und August seien die zur Verfügung stehenden Termine zu 80 Prozent ausgelastet gewesen, teilt die Stadt mit. Es habe nur wenige Absagen beziehungsweise Wünsche, den Termin zu verschieben, gegeben. Deswegen erwartet die Stadt, anders als manche Kirche, auch keine Terminengpässe im nächsten Jahr. Die Monate März und April, auch ohne Corona keine klassischen Hochzeitsmonate, waren nicht ausgelastet. Insgesamt sind zwischen März und August 292 Ehen in Wiesbaden geschlossen worden, im Jahr zuvor waren es im selben Zeitraum 380.

Die Abstands- und Hygienebedingungen gelten für standesamtliche, freie und kirchliche Trauungen und die Feiern danach gleichermaßen. Trotz aller Einschränkungen – bei Gratulationen etwa muss der Mindestabstand eingehalten werden, das Paar darf die Torte nicht selbst ausgeben – seien alle Feste, die sie in den vergangenen Wochen organisiert oder als Rednerin begleitet habe, sehr schön gewesen, erzählt Stefanie Burger. Manchmal habe die Zahl der Gäste etwas reduziert werden müssen, in anderen Fällen sei das Fest ins Freie verlegt worden, damit alle Gäste hätten dabei sein können. Andrea Wagenknecht kann sich vorstellen, dass Trauungen demnächst häufiger gestreamt werden. Der Trend sei bei Beerdigungen und Konfirmationen zu beobachten.

In der Kirche wird der Segen entweder mit Abstand oder mit Maske erteilt. Es darf nicht gesungen, wohl aber Solisten zugehört werden. „Es gibt für alles eine Lösung“, sagt Hochzeitsplanerin Burger.

Und so ist auch die Maske gezwungenermaßen zum modischen Hochzeitsaccessoire avanciert. Ein Pfarrer erzählt von einer Braut, die sich ihren Mund-Nasen-Schutz passend zum Hochzeitskleid genäht habe.

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