Blick auf aufs Vogelparadies Mariannenaue von Erbach aus.
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Blick auf aufs Vogelparadies Mariannenaue von Erbach aus.

Wiesbaden

Wiesbaden: Mehr Ruhe für Flussregenpfeifer und Beutelmeise im Inselrhein

  • Madeleine Reckmann
    vonMadeleine Reckmann
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In dem Europareservat bei Wiesbaden ziehen seltene Vögel ihre Jungen groß. Aber oft stören Wassersportler sie bei der Brut. Neue Verbotsschilder sollen das ändern.

Das Fährschiff Tamara bringt zurzeit keine Passagiere auf die Rettbergsaue. Wegen der aktuellen Kontaktbeschränkungen wäre es unrentabel, vom Biebricher Rheinufer oder aus dem Schiersteiner Hafen auf die erste Aue im Inselrhein überzusetzen, teilt ein Sprecher der Landeshauptstadt mit. Da die Schiersteiner Brücke gerade neu gebaut wird, ist auch die Treppe an der Brücke nicht zu benutzen. Das beliebte Freizeitgelände und die Campingplätze auf der Rheininsel sind daher leer. Für die Vögel auf der Aue könnte das ein Glücksfall sein. Wegen der reichhaltigen Tierwelt stehen 90 Prozent der Rettbergsaue unter Naturschutz. Die Freizeittouristen dürfen sich dort nur auf den Wegen bewegen, der Rest ist tabu. Und nun dank Corona-Pandemie kein Mensch weit und breit.

Wie sich die Ruhe auf die Vögel auswirkt, die in diesen Monaten ihr Brutgeschäft betreiben, kann Oliver Weirich, Vogelschutzbeauftragter für Wiesbaden, nicht sagen – auch die Vogelschützer kommen nicht auf die Aue. Zudem werden die Vögel nur im Winter gezählt.

Die Rheinauen

Inselrhein heißt der Abschnitt zwischen der Mündung des Mains und der Mündung der Nahe.

Die einzigartige Auenlandschaft hat im Frühjahr eine hohe Bedeutung für seltene Bodenbrüter und Wasservögel. Im Winter dient sie Zugvögeln auf ihrem Weg aus dem Norden nach Afrika oder ans Mittelmeer als Rastplatz oder zur Überwinterung.

Die Petersaue bei Wiesbaden wird industriell genutzt.

Die Rettbergsaue bei Wiesbaden steht zu 90 Prozent unter Naturschutz, auch für die Königsklinger Aue bei Eltville gilt der Naturschutz.

Zu den Europareservaten zählen die Mariannenaue gegenüber Erbach, die Fulder Aue und die Rüdesheimer Aue.

Die Maaraue gehört nicht zum Inselrhein, sie ist eine Insel im Main. mre

Der Inselrhein zwischen Wiesbaden und Rüdesheim zählt zu den wichtigsten Vogelschutzgebieten Europas. Er umfasst die Auen und die beruhigten Wasserflächen zwischen den Inseln und den Leitwerken für die Schifffahrt. Dort gibt es noch Flach- und Stillwasserbereiche, Sandbänke und Auwald. Ein großer Teil steht unter nationalem und internationalem Schutz. Dort werden Vogelarten beobachtet, deren Namen vielen nicht bekannt sein dürften, weil sie so selten sind: Säbelschnäbler, Seidenreiher, Eisvogel, Knäckente, Krickente, Fluss- und Sandregenpfeifer, Küsten- und Flussseeschwalben, Rotschenkel und viele andere mehr.

Beliebtes Freizeitvergnügen: Mit dem Motorboot über den Rhein jagen, hier vor der Mariannenaue.

„Im Frühsommer ist die Auenlandschaft für die Bodenbrüter und Wasservögel sehr bedeutend“, sagt der Biologe Michael Markowski vom Naturschutzzentrum Rheinauen in Bingen auf Anfrage. Der Flussregenpfeifer etwa sei ein Bodenbrüter. Auf seichten Kiesstränden drücke er eine Mulde in den Kies, um darin seine Eier abzulegen. Dafür brauche er Ruhe, sagt Markowski. Der Rohrsänger brüte im Schilf, die Beutelmeise baue sich ihre Beutel an Weiden. Publikumsverkehr würde sie bei der Brut stören. Auch der Schwarzmilan, der sich seine Nester auf Bäumen am Wasser baue, reagiere empfindlich auf Aktivitäten am Ufer.

Beliebtes Freizeitvergnügen: Mit dem Motorboot über den Rhein jagen, hier vor der Mariannenaue.

Die Mariannenaue bei Erbach und Eltville und die Rüdesheimer Aue sind daher vollständig für Menschen gesperrt. Aber der Inselrhein ist auch ein Naherholungsgebiet und gerade bei Wassersportlern sehr beliebt. Bei schönem Wetter geben nicht nur die Segelboote ein wunderschönes Bild ab. Doch einige Bootsführer, Surfer oder Paddler nehmen es nicht immer so genau mit den Verboten. Verstöße gegen die Naturschutzgebietsverordnung werden von der Unteren Naturschutzbehörde des Rheingau-Taunus-Kreises geahndet und können teuer werden. In schweren Fällen ist ein Bußgeld bis 50 000 Euro möglich; laut Regierungspräsidium Darmstadt werden etwa für das Verlassen der Wege 150 Euro fällig.

Die Verstöße haben das RP veranlasst, auf der Mariannenaue neue Verbotsschilder aufzustellen. „Vor allem die Stillwasserbereiche zwischen Leitwerken für die Schifffahrt und den Inseln werden verbotenerweise immer wieder von Wassersportlern genutzt: Sportboote, Paddler, aber auch Badende mit Luftmatratzen werden immer häufiger gesichtet und stören die Vogelwelt massiv“, teilt die Behörde mit. Auch die anderen Schutzgebiete im Inselrhein möchte das RP demnächst besser beschildern.

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