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Zwischen Hellmund- und Wallramstraße ist nun Platz zum Flanieren.
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Zwischen Hellmund- und Wallramstraße ist nun Platz zum Flanieren.

Wellritzstraße Wiesbaden

Wiesbaden: Mehr Platz in der Fußgängerzone

  • VonMirjam Ulrich
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Die Fußgängerzone in der Wellritzstraße ist verlängert worden - aber noch fehlt das Flair.

Google Maps weiß es noch nicht. Auf der Fahrt durch das Innere Westend leitet der Routenplaner ortsfremde Autofahrer fehl: Die Wellritzstraße in Wiesbaden ist zwischen Walram- und Hellmundstraße für den Durchgangsverkehr gesperrt. Der etwa 170 Meter lange Abschnitt gehört nun probeweise zur Fußgängerzone dazu. Anwohner Abdullah Düzgün, den alle Apo nennen, ist froh darüber.

Er sammelte für die Erweiterung der Fußgängerzone in der Wellritzstraße Unterschriften. Zum einen wegen der vielen Kinder, die dort wohnen. Er musste bereits zweimal mitansehen, wie eins unter die Räder kam. Außerdem habe die Straße wirklich eine Zukunft, ist er überzeugt. „Es gibt so viele kulturelle und soziale Angebote hier, aber das wird von außen nicht wahrgenommen.“

Düzgün hat sich auch den Namen „Kunstterrasse“ für einen öffentlichen „Ort des Zusammenkommens“ an der Ecke zur Hellmundstraße ausgedacht. Dort soll es zudem eine Haltestelle für den „Kunst-Koffer“, das mobile Kreativangebot für Kinder, geben.

Zu den Befürwortern der erweiterten Fußgängerzone zählt auch Yaser Ali Bashar. Er eröffnet im Herbst an der Wellritzstraße sein neues Restaurant. Einst war dort ein Waschsalon, der mehr als 20 Jahre lang leer stand. „Kassioun“ wird das Restaurant heißen, wie der Hausberg von Damaskus. Ali Bashar stammt aus Idlib und lebt seit 2015 mit seiner Ehefrau und fünf Kindern in Wiesbaden. An der Wellritzstraße betrieb er die Restaurants „Aleppo“ und „Bet Ashlam“, doch die boten nicht genug Raum für Familien und Feiern. Nun könne er auch draußen Plätze anbieten, freut er sich.

Veranstaltungen

Den Weltkindertag feiert die Fußgängerzone Wellritzstraße als temporäre Spielstraße am Sonntag, 19. September.

Die Westend-Kulturtage dauern vom 23. September bis zum 17. Oktober. Programm unter: www.kubis-wiesbaden.de/aktuelles.

Die Jugendzirkusschule „Flambolé“ zeigt in der ersten Herbstferienwoche vom 11. bis 18. Oktober ihr Können bei Aktionen in der Fußgängerzone. miu

Die Möglichkeit, draußen zu bewirtschaften, spiele beim Umsatz schon eine Rolle, weiß Ismail Karabey, der Betreiber des „Kiosk Mekan“. Wenn die Terrassen für die Außengastronomie gebaut werden, sehe das schön aus. „Aber ob das einer in der Pandemie auch finanziell stemmen kann, ist die Frage.“

Der Verkehrsversuch dauert zwei Jahre und wird vom „Büro für Stadtraumentwicklung“ moderierend begleitet. Die Pilotphase wird rund 40000 Euro kosten und durch das Städtebauförderprogramm „Sozialer Zusammenhalt“ gefördert. Die Wellritzstraße müsse noch attraktiver gestaltet werden, damit sich das Publikum ein bisschen mischt, findet Giovanna Ries aus Biebrich. „Als Wiesbadener muss man auch erst einmal verinnerlichen, dass es in der Wellritzstraße eine Fußgängerzone gibt“, sagt ihr Ehemann Axel.

Vor der „Westend-Bäckerei“ trinken Abdel Loubni und Rachid Boutakhrit Kaffee. Beide wohnen nicht in dem Viertel, kommen aber regelmäßig her. „Es war hier vorher sehr eng mit den Autos und Kinderwagen“, sagt Boutakhrit. Ginge es nach ihm, würde die gesamte Wellritzstraße zur Fußgängerzone. „Die Straße ist jetzt sauberer und ohne die Autos auch schneller gereinigt“, ergänzt Loubni. „Klar ist es mit dem Parken schwieriger“, darum kommt er mit dem Bus.

Auf dem Abschnitt zwischen Hellmund- und Walramstraße fielen mit Beginn des Verkehrsversuchs Ende Juli 25 Parkplätze weg. Die Kunden von „Juwelier Benjamin“ beschweren sich deshalb, berichtet Gabriel Benjamin, der Sohn des Inhabers. In seinen Augen ist die Wellritzstraße keine richtige Fußgängerzone. „Es fehlen Sitzbänke und das typische Flair.“ Dazu gehören für ihn eine Begrünung, eine ebene Straße ohne Bürgersteige und ein anderer Straßenbelag. Schilder und eine Schranke machen aus einer Straße noch keine Fußgängerzone, sagt er, dazu werde sie erst, wenn sie auch baulich anders gestaltet ist.

Verkehrsdezernent Andreas Kowol bittet diesbezüglich wegen der nötigen Planung noch um Geduld: „Es wird eine Fußgängerzone geben, die attraktiv ist.“

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