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Wiesbaden: Mal volles Haus, mal leere Reihen bei der Biennale

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Von: Andrea Rost

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Aufführung der litauischen Opern-Performance „Sun and Sea“ im Wartburg-Theater.
Aufführung der litauischen Opern-Performance „Sun and Sea“ im Wartburg-Theater. © Wiesbaden Biennale

Kurator Kilian Engels ist trotz schwankendem Besucherinteresse mit dem Verlauf der diesjährigen Biennale zufrieden. Er räumt aber auch Versäumnisse bei der Vermittlung der hochbrisanten Festival-Themen ein.

Vergleichen lässt sich die Wiesbaden Biennale, die am vergangenen Wochenende zu Ende gegangen ist, mit keiner der drei bisherigen Veranstaltungen: Der neue Kurator Kilian Engels hatte weniger Budget zur Verfügung, das Festival war kürzer als in den Jahren davor, und die Vorbereitungen waren durch die Corona-Pandemie erschwert.

Zudem hatte Engels das Konzept radikal verändert. Die Aufführungsorte waren nicht in der ganzen Stadt verteilt wie bei der Biennale 2018, sondern konzentrierten sich auf das Hessische Staatstheater. Er wolle einen Kontrast setzen zwischen den klassischen Theaterräumen im wilhelminischen Stil und den Themen, die bei der Wiesbaden Biennale verhandelt werden sollten: Postkolonialismus, Rassismus, queere und Gender-Themen, Sexismus. Das hatte Engels im Vorfeld angekündigt.

Das Wiesbadener Publikum hat diese Herausforderung unterschiedlich gut angenommen. Es gab ausverkaufte Abende - etwa Trajal Harrells getanzte Version von Keith Jarretts Köln Concert oder die preisgekrönte litauische Kunst-Installation Sun & Sea (Marina), die eine Opernaufführung in eine Strandszene verwandelt und den Klimawandel thematisiert. Teilweise traten Künstlerinnen und Künstler aber auch vor halb leeren Zuschauerreihen auf wie Jeremy Nedd, der mit der südafrikanischen Organisation Impilo Mapantsula das Tanzstück „How a Falling Star Lit Up the Purple Sky“ im großen Haus zeigte.

Ob es damit zu tun hat, dass die diesjährige Biennale weniger sichtbar war in der Stadt? Dass die gesellschaftlich hochbrisanten Themen dem Publikum nicht gut genug vermittelt wurden? Dass das Programm keinerlei Möglichkeit bot, mit Künstler:innen in Kontakt zu kommen?

„Ich hätte mir mehr Budget gewünscht, um bereits im Vorfeld in der Stadt stärker präsent zu sein und auf die Biennale hinweisen zu können“, räumte Kurator Kilian Engels im Gespräch mit der FR ein. Womöglich hätten auch niedrigschwellige partizipative Formate Menschen quasi „im Vorbeigehen“ angesprochen und das Interesse an Vorstellungen geweckt.

Alles in allem sei er aber mit dem Festival zufrieden, sagte Engels. „Es war ein völlig anderes Biennale-Konzept, das die Erwartungshaltung der Vorjahre nicht erfüllt hat, und für das wir ein Publikum finden und an uns binden mussten. Das zu schaffen, ist nicht leicht in elf Tagen.“ Erstmals habe die Wiesbaden Biennale den Themen Diversity und Decolonizing ein ganzes Festival gewidmet und Themen auf die Bühnen des Staatstheaters gebracht, die dort üblicherweise nicht stattfinden. Künstler:innen hätten sich gegenseitig bei Aufführungen besucht. Besucher:innen seien mitunter zwei Mal in Vorstellungen gekommen und hätten Bekannte mitgebracht. In geschütztem Rahmen habe es am Ende auch spannende Gespräche zwischen Kunstschaffenden und Publikum gegeben, so Engels. Etwa im Anschluss an die Filme des Kollektivs „The Nest“, das anhand von Interviews mit Schwarzen Aktivistinnen Rassismus im Alltag thematisierte.

Insgesamt präsentierte die Wiesbaden Biennale 17 interdisziplinäre Produktionen in 50 Veranstaltungen von Künstler:innen aus fünf Kontinenten. Das nächste Festival ist 2024. Kilian Engels wird wieder der künstlerische Leiter sein.

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