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Wiesbaden: Literaturhaus Villa Clementine feiert Jubiläum

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Von: Andrea Rost

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Susanne Lewalter ist die Leiterin des Literaturhauses Villa Clementine in Wiesbaden.
Susanne Lewalter ist die Leiterin des Literaturhauses Villa Clementine in Wiesbaden. © Michael Schick

Die Villa Clementine an der Wilhelmstraße ist ein Ort, an dem Schreibende und Publikum einander begegnen. Ende September feiert das Wiesbadener Literturhaus 20-jähriges Bestehen. Das Programm ist vielfältig.

Ein Tisch, ein Stuhl, ein Wasserglas – Veranstaltungen, bei denen Autor:innen aus ihren Werken vorlesen, Bücher signieren und schnell wieder weg sind, finden in der Villa Clementine kaum noch statt. „Das Publikum möchte heute interaktive Formate“, weiß die Leiterin des Wiesbadener Literaturhauses, Susanne Lewalter. Wer Tickets für eine Lesung in einem der prachtvollen Räume der historischen Villa an der Wilhelmstraße kaufe, sei daran interessiert, mit den Schriftstellerinnen und Schriftstellern ins Gespräch kommen, schätze ein multimediales Angebot und den direkten Austausch.

Zum 20-jährigen Bestehen des Literaturhauses wird deshalb genau das geboten: Der türkischstämmige Autor Feridun Zaimoglu stellt am letzten Septemberwochenende in einer Lesung mit Podiumsgespräch seinen jüngsten Roman „Bewältigung“ vor. Die Autorin und Illustratorin Nina Dulleck präsentiert ihr Kinderbuch „Otis und Otilie“ und lässt Kinder in einem Workshop zeichnen. Als Gratulantin hat sich auch die Leiterin des Künstlerhauses Villa Concordia in Bamberg, Nora Gomringer, angekündigt – mit einer multimedialen Performance eigener Gedichte, Texte und Songs. Von 23. bis 25. September mit dabei sind weiters die Autorin Katharina Adler mit ihrem zweiten Roman „Iglhaut“ sowie der Münsteraner Literaturwissenschaftler Moritz Baßler, der anhand von Textpassagen analysieren wird, was Gegenwartsliteratur ausmacht und welche Tendenzen vorherrschen.

Die Vielfalt literarischer Schreibweisen in den Blick zu nehmen, sei auch ihre Intention bei der Zusammenstellung des aktuellen Programmes im Literaturhaus gewesen, sagt Susanne Lewalter. Sie wolle Orientierungshilfe im schier unüberblickbaren Buchmarkt geben und Themenschwerpunkte setzen, sagte sie im Gespräch mit der Frankfurter Rundschau. Um einen Gegenpol zur Ökonomisierung von Literatur zu schaffen, würden auch Schreibende zu Wort kommen, die nicht auf den Bestsellerlisten stünden. Die Lesebühne für junge Autor:innen aus der Region sei eine Plattform für all jene, die bisher noch nicht publiziert hätten.

Susanne Lewalter hat Literatur-, Geschichts- und Musikwissenschaften studiert und nach einem Zeitungsvolontariat als Journalistin gearbeitet, ehe sie 2003 die Leitung des Literaturhauses übernahm. Mit ihrem Team hat sie die historische Villa zu einem Treffpunkt werden lassen für Schriftsteller:innen, Übersetzer:innen, Lektor:innenen, Verleger:innen, Buchhändler:innen und diskutierfreudigem Publikum. Der Börsenverein des Deutschen Buchhandels hat Räume in der Villa Clementine, der hessische Literaturrat und der Presseclub Wiesbaden. Außerdem können Autorinnen und Autoren sowie Stipendiat:innen, die sich längere Zeit in Wiesbaden aufhalten, im Dachgeschoss der Villa wohnen.

Historie

Baubeginn für die Villa Clementine an der Wilhelmstraße war im Jahr 1877. Der Mainzer Fabrikant Ernst Mayer ließ das Gebäude im Stil des Historismus für seine Frau Clementine errichten, die kurz nach Fertigstellung im Jahr 1882 starb.

In den Besitz der Stadt Wiesbaden kam die Villa im Jahr 1960. Sie sollte abgerissen werden, um an der Stelle eine U-Bahn-Station zu errichten. Diese Pläne wurden jedoch nicht weiter verfolgt.

Zu einer kulturellen Einrichtung wurde die Villa Clementine in den 1970er Jahren – mit Ausstellungen, Konzerte, Lesungen und Vorträgen.

In ein Literaturhaus umgewandelt wurde das denkmalgeschützte Gebäude im Jahr 2001. Betreiber ist das Kulturamt. Susanne Lewalter leitet das Literaturhaus. Ein Förderverein unterstützt das Vorhaben.

Deutschlandweit bekannt wurde die Villa Clementine als Drehort der elfteiligen Verfilmung des Romans „Buddenbrooks“ von Thomas Mann. Die Fernsehproduktion des Hessischen Rundfunks entstand dort zwischen April und Dezember 1978. aro

In den Jahren 2008/2009 wurde die Villa Clementine aufwendig restauriert. Mehrere Salons und Zimmer bieten Platz für unterschiedlich große Veranstaltungen. Über ein Lautsprechersystem hinter den Tapeten kann der Ton in alle Räume übertragen werden. Im blauen Lesezimmer und im Garten sind Büchertauschstellen eingerichtet. Das Café im Literaturhaus musste aus wirtschaftlichen Gründen geschlossen werden.

Unterstützt wird das Literaturhaus Villa Clementine vom gleichnamigen Förderverein. Vorsitzende ist die frühere Wiesbadener Kulturdezernentin Rita Thies (Grüne), in deren Amtszeit die Villa zum städtischen Literaturhaus wurde.

Informationen zum Jubiläumsprogramm und Tickets unter www.wiesbaden.de/literaturhau s.

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